Eines der bemerkenswertesten Grabmale auf dem Kieler Südfriedhof ist das Grabmal für Henning Lass (1904-1925). Auf den ersten Blick erinnert es an ein Denkmal für einen jung verstorbenen Soldaten des Ersten Weltkriegs, deren oft in antikisierenden Darstellungen gedacht wird – oft als nackte Heroen, in Trauerhaltung kniend, mit Schild, Fahne oder Schwert als Attribut. Hier fehlen aber jegliche Accessoires kriegerischer Handlung.
Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Friedhöfe vor die Tore der Städte verbannt wurden und Napoleon im Jahr 1804 das Beerdigen in der Stadt ganz und gar verbot, legte man die neuen Begräbnisorte fast überall nach "rationalen" Grundsätzen an. Wenn irgend möglich bestanden sie aus einer rechteckigen Fläche, die durch gerade Wege in regelmäßige Grabfelder unterteilt waren. Nur in Paris wich man von dieser Regel ab. Im Jahr des napoleonischen Beerdigungsediktes eröffnete man dort den neuen Friedhof Père Lachaise.
Wenn Wientouristen am Ende des Kohlmarktes vor dem Michaelertor, dem Eingang in die ehemalige Residenz der Habsburger, stehen und ihre von Handysticks gehaltenen Smartphones wegen eines Selfies anlächeln, ist wohl den wenigsten von ihnen bewusst, dass nur ein paar Meter schräg unter ihnen mehr als zweihundertfünfzig Leichname liegen, denen das Lächeln schon vor langer Zeit erfroren ist. Und die während zweier geführter Touren pro Tag besichtigt werden können.
In Österreich führte die Feuerbestattung erst relativ spät, nämlich nach dem Ersten Weltkrieg, zu einem Krematoriumsbau. Dies hing mit dem Einfluss und der Macht der katholischen Kirche zusammen. Dennoch wurde über das Thema auch in Österreich bereits im späten 19. Jahrhundert diskutiert. Als in Dresden die Probeverbrennung eines toten Tieres durchgeführt wurde, nahmen daran auch der Wiener Stadtphysikus und ein Beamter des Wiener Bauamtes teil und berichteten positiv darüber.
Die Geschichte des Wiener Friedhofs der Namenlosen ist eigentlich die Geschichte zweier unterschiedlicher Anlagen und reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Diese Geschichte ist durchaus wechselvoll: Die erste Anlage – auch als Alter Friedhof der Namenlosen bezeichnet – ging aus der Bestattung einer unbekannten ertrunkenen Person im Jahr 1840 hervor.
Im Jahr 1907 wurde die niederösterreichische Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Geistes- und Nervenkranke "Am Steinhof" – das heutige Otto Wagner-Spital – errichtet, um dem stetigen Bevölkerungswachstum in Wien und den daraus entstehenden Unterbringungsmöglichkeiten gerecht zu werden. Es war damals die größte und modernste Heil- und Pflegeanstalt Europas, mit einer Gesamtkapazität von 2.200 Betten.
Am Beginn der Bergstraße auf dem Ohlsdorfer Friedhof, genau gegenüber dem Friedhofsmuseum, in dem der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof sein Büro hat, befindet sich das Denkmal zur Erinnerung an die Opfer der Revolutionsjahre 1918 bis 1920. Das Denkmal wurde um 1920 nach einem Entwurf von Oberbaudirektor Fritz Schumacher errichtet. 1933 musste es auf Betreiben der Nationalsozialisten wieder abgerissen werden.
Hamburgs Gedenkort für die Ereignisse am Ende des Ersten Weltkriegs und die unruhige Zeit danach ist die Grabanlage der Revolutionsopfer am Beginn der Bergstraße gegenüber dem Friedhofsmuseum. Die Revolution begann in Hamburg am 5. November 1918, als der Aufstand von Kieler Matrosen, Soldaten und Arbeitern hierher übergriff. Es kam zu Sympathiestreiks und Massenkundgebungen und einzelnen gewaltsamen Aktionen, die auch Menschenleben forderten.
Die Opfer der Revolution in Hamburg sind ehrenvoll auf dem Ohlsdorfer Friedhof beerdigt worden. Wie aber wurde mit den Toten der Revolution in anderen Städten umgegangen? Wenn dieser Frage im Folgenden nachgegangen wird, dann geht es hauptsächlich um die Opfer der Novemberrevolution und des sich daran anschließenden Aufstandes im Januar 1919 – auch Spartakusaufstand genannt.
Nein, gemeint ist hier nicht die Südspitze von Südamerika. Mit "Kap Hoorn" wird in Ohlsdorf gelegentlich die spitz zulaufende Ecke an der Einmündung der Ida-Ehre-Allee in die Mittelallee bezeichnet (U32–W35). Wer sich hier genauer umsieht, wird feststellen, dass auf vielen Grabsteinen Sterbedaten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zu finden sind und die Inschriften auf gefallene Soldaten hinweisen.