Vor 150 Jahren, also 1875, erschien ein Werk, das die Einführung der modernen Feuerbestattung in Deutschland beförderte: Friedrich Küchenmeisters Buch "Die Feuerbestattung; unter allen zur Zeit ausführbaren Bestattungsarten die beste Sanitätspolizei des Bodens und der sicherste Cordon gegen Epidemien". Schon im Untertitel wurde deutlich, in welchem Kontext sich die Anhänger der Leichenverbrennung - wie sie zunächst hieß - angesichts eines immer stärkeren Wachstums der Städte bewegten. Es ging nämlich um hygienische Fragen, daneben aber auch um die Einführung einer platzsparenden Bestattungsart.
Die moderne Feuerbestattung wurde im späten 19. Jahrhundert eingeführt und prägt seitdem die Bestattungs- und Erinnerungskultur. Vorangetrieben von Medizinern wie Friedrich Küchenmeister entstand eine Bewegung, die Einäscherung aus hygienischen, technischen und ästhetischen Gründen propagierte und sich in Vereinen und Verbänden organisierte.
Voraussetzung jeder Feuerbestattungspraxis war eine moderne Einäscherungstechnik. Hier stand Dresden im Mittelpunkt: In der dort angesiedelten Siemensschen Glasfabrik startete die Karriere des Ingenieurs Richard Schneider (1848-1929). Geboren in Braunschweig, war er bei Siemens Anfang der 1870er-Jahre zum Ersten Ingenieur aufgestiegen. Dabei entwickelte Schneider das System des sogenannten Siemensschen Regenerativofens weiter. 1885 eröffnete er ein eigenes technisches Büro für "Gasfeuerungsanlagen" mit dann mehreren Standorten.
Unter der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland ab 1933 wurde der reformerische Ansatz der Feuerbestattung in sein Gegenteil verkehrt. Zunächst bedeutete der Beginn der Diktatur für die Feuerbestattungskassen ein abruptes Ende. Vom Nationalsozialismus aufgesogen wurde zudem der 1886 gegründete Dachverband der bürgerlichen Feuerbestattungsvereine.
Bereits in der Jungsteinzeit (ca. 7000-3000 v. Chr.) scheinen die Menschen ihre Toten durch Feuer bestattet zu haben. Die frühesten bekannten Urnen sind einfache Ton-oder Keramikgefäße in bauchiger Form, manchmal mit einfachen Mustern verziert. Aus der darauffolgenden sogenannten Bronzezeit (ca. 3000-1200 v. Chr.) sind Grabhügel und Urnenfelder aus vielen Kulturen in Europa und im Nahen Osten gefunden worden.
Vom 8. bis 31. Juli 2025 war in der St. Marienkirche in Lübeck eine Foto-Ausstellung zu sehen, die sich mit dem Krieg und seinen tödlichen Folgen, aber auch den Versuchen der Versöhnung befasste. Anlass war der 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges. Die Aufnahmen stammen vom Hamburger Fotografen Harald Schmitt.
80 jüdische Friedhöfe im Land Brandenburg und 40 jüdische Friedhöfe im Westen der Republik Polen sind stumme Zeugen einer kulturellen Minderheit, die seit dem Mittelalter in der heutigen Metropolregion Berlin-Brandenburg gelebt hatte. Nach dem Edikt von 1671 durften sie dort leben, ihre Religion ausüben und Rabbiner haben, aber keine Synagogen bauen, und ihr Aufenthalt war zunächst auf zwanzig Jahre begrenzt.
Tiere begleiten von jeher das menschliche Dasein. Am Beispiel des Stuttgarter Pragfriedhofs zeigt sich, wie sich ihre Bedeutung von religiösen Symbolen hin zu sehr persönlichen Erinnerungszeichen gewandelt hat. Tiere werden so zu berührenden Zeugen individueller Biografien und einer jahrtausendealten Mensch-Tier-Beziehung.
Buchcover
Mit diesem Buch legt die Autorin eine außerordentlich umfangreiche Studie zu der Frage vor, wie sich die Vorstellungen vom Überdauern der Toten seit der Aufklärung bis in die Gegenwart geändert und von der religiösen Vorherrschaft gelöst haben; bzw. im wissenschaftlichen Duktus der Autorin: Wie die handelnden Akteure - sie waren hauptsächlich männlich - "den Menschen nach der Überschreitung der Grenze des Todes dachten bzw. sinnhaft im Sein verankerten und welche historischen Hintergründe, welches Wissen, welche Techniken, Technologien und Praktiken mit ihrer Sinnstiftung verbunden waren."