Vor 150 Jahren, also 1875, erschien ein Werk, das die Einführung der modernen Feuerbestattung in Deutschland beförderte: Friedrich Küchenmeisters Buch "Die Feuerbestattung; unter allen zur Zeit ausführbaren Bestattungsarten die beste Sanitätspolizei des Bodens und der sicherste Cordon gegen Epidemien". Schon im Untertitel wurde deutlich, in welchem Kontext sich die Anhänger der Leichenverbrennung - wie sie zunächst hieß - angesichts eines immer stärkeren Wachstums der Städte bewegten. Es ging nämlich um hygienische Fragen, daneben aber auch um die Ein-führung einer platzsparenden Bestattungsart.
Friedrich Küchenmeister (1821-1890) war Mediziner und zählte zu den bekanntesten Vorkämpfern der Feuerbestattung im späten 19. Jahrhundert. Er hatte nicht nur in Dresden 1873 einen Feuerbestattungsverein gegründet, sondern - etwa zeitgleich mit dem Leipziger Mediziner Carl Reclam - im Jahr 1874 die ersten Experimente der technischen Feuerbestattung in Deutschland angeregt. Bei letzterem spielte der Ingenieur Richard Schneider eine entscheidende Rolle. Nur wenige Jahre später eröffnete dann in Gotha (1878) auch das erste deutsche Krematorium.
Mit der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift möchten wir einen kleinen Überblick über die Entwicklungen geben, die mit der Einführung der modernen Feuerbestattung und der Aschenbeisetzung bis heute verbunden sind - auch in ihrer inhumansten Form als Methode der Massenvernichtung unter der nationalsozialistischen Diktatur. Übrigens: Unter "Veranstaltungshinweise" findet sich eine Wanderausstellung zum Thema "150 Jahre Feuerbestattung", die in den kommenden Monaten an verschiedenen Orten in Deutschland gezeigt wird.