Unter der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland ab 1933 wurde der reformerische Ansatz der Feuerbestattung in sein Gegenteil verkehrt. Zunächst bedeutete der Beginn der Diktatur für die Feuerbestattungskassen ein abruptes Ende, sie wurden wegen ihrer Einbindung in Arbeiterbewegung und Arbeiterparteien aufgelöst. Vom Nationalsozialismus aufgesogen wurde zudem der 1886 gegründete Dachverband der bürgerlichen Feuerbestattungsvereine. Allerdings hatten sich einzelne Repräsentanten dieses Verbandes schon im Vorwege den Nationalsozialisten gegenüber anpassungswillig verhalten.
Vor allem aber führte die nationalsozialistische Diktatur das ambivalente Potenzial moderner Technik vor, das schließlich in den Krematorien der Konzentrations-und Vernichtungslager seine inhumanste, mörderische Seite zeigte. Die Weiterentwicklung der Verbrennungstechnologie -häufig durch jene Zivilingenieure wie bei der Erfurter Firma J. A. Topf & Söhne, die auch bei kommunalen Krematorien mitgearbeitet hatten -ermöglichte es den Nationalsozialisten, die Spuren ihrer millionenfachen Morde systematisch zu beseitigen. In den Konzentrationslagern wurden schrittweise die technischen Rahmenbedingungen geschaffen: In Dachau wurde Ende 1939 ein Krematorium, in Buchenwald Anfang 1940 eine Einäscherungsanlage installiert. Systematisch ausgebaut wurde die Vernichtungsmaschinerie in Auschwitz/Birkenau, das sich zum größten Lagerkomplex entwickelte, nachdem es Anfang 1942 auf der Wannsee-Konferenz als Vernichtungslager zum Hauptort des Holocaust, also der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung, bestimmt worden war.
Die vorhandenen und projektierten Einäscherungskapazitäten boten aus nationalsozialistischer Sicht die Voraussetzungen für einreibungsloses Funktionieren der Massentötungen. Die Ingenieure von Topf & Söhne entwickelten für die SS-Lagerleitung Hochleistungsöfen mit Massenkapazitäten. Bei den 1943 in Betrieb genommenen vier neuen Krematorien waren die Gaskammern integriert. Die Opfer der Serientötungen durch Giftgas wurden in den Krematorien eingeäschert. Die Einäscherungstechnik bot den Nationalsozialisten die Lösung des Problems, eine große Zahl von Opfern möglichst spurlos zu beseitigen. Die "fabrikmäßige Vernichtung" (Richard J. Evans) innerhalb der "Ordnung des Terrors" (Wolfgang Sofsky) hatte begonnen.
In mitleidlos-technokratischer Sprache erläuterte der Auschwitzer Lagerkommandant Rudolf Höß später die Funktion der Krematorien: "Die beiden großen Krematorien I und II wurden im Winter 1942/43 gebaut und im Frühjahr 1943 in Betrieb genommen. Sie haten je fünf 3-Kammer-Öfen und konnten innerhalb 24 Stunden je ca. 2000 Leichen verbrennen. ... Die beiden Krematorien I und II hatten unterirdisch gelegene Auskleide-und Vergasungsräume, die be-und entlüftet werden konnten. Die Leichen wurden durch einen Aufzug nach den oben befindlichen Öfen gebracht... Die beiden kleineren Öfen sollten nach der Berechnung durch die Bau-Firma Topf Erfurt je 1500 innerhalb 24 Stunden verbrennen können."
So wurde das Krematorium, das noch wenige Jahrzehnte zuvor als Fanal des Fortschritts gegolten hatte, unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur zum letzten Glied der fließbandmäßig organisierten Massenvernichtung. Es passte sich hervorragend ein in die erwünschte Geheimhaltung, unter der die systematische Massenvernichtung vollzogen wurde.
Zugleich wurde damit auch jede Möglichkeit zu Trauer und Totengedenken genommen. Auf diese Weise wollten die Nationalsozialisten neben den Menschen auch die jüdische Kultur insgesamt auslöschen -jene jahrhundertealte Kultur, deren Identität sich ja in besonderem Maß der Erinnerung und dem Totengedenken verdankt.
Literaturhinweis (mit bibliografischen Nachweisen):
Norbert Fischer: Geschichte des Todes in der Neuzeit, Erfurt 2001, Kapitel IV (online: https://www.n-fischer.de/tod_geschichte.html)