Bereits in der Jungsteinzeit (ca. 7000-3000 v. Chr.) scheinen die Menschen ihre Toten durch Feuer bestattet zu haben. Die frühesten bekannten Urnen sind einfache Ton-oder Keramikgefäße in bauchiger Form, manchmal mit einfachen Mustern verziert. Aus der darauffolgenden sogenannten Bronzezeit (ca. 3000-1200 v. Chr.) sind Grabhügel und Urnenfelder aus vielen Kulturen in Europa und im Nahen Osten gefunden worden. Die Aschengefäße dieser Zeit sind aufwendiger gestaltet und oft mit geometrischen Mustern und Symbolen geschmückt.
Dagegen stand im Alten Ägypten -und damit ist der Zeitraum vom vierten Jahrtausend v. Chr. bis zum Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. gemeint - die Mumifizierung der Toten aus Glaubensgründen im Vordergrund, während in der griechischen undrömischen Antike, die man ungefähr von 800 v. Chr. bis 600 n. Chr. datiert, die Feuerbestattung weit verbreitet war. So beschreibt Homer in der Odyssee detailliert die Verbrennungszeremonie für Patroklos, einen der griechischen Helden. Aus dieser Zeit wurden viele Urnen aus Keramik gefunden, die oft relativ schlicht aussehen, aber auch bemalt oder figürlich gestaltet sind. Auch bronzene und hölzerne Aufbewahrungsgefäße für Aschen sind bekannt.
Eine besondere Form entwickelte sich in Etrurien. Dort wurde ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. die Asche der Verstorbenen in Aschekästen aus Stein oder Terrakotta aufbewahrt, die farbig gefasst waren. Ihre Deckel waren meist mit einer idealisierten Darstellung des oder der Verstorbenen in halb liegender Stellung geschmückt. An den Wänden waren mythologische oder auf das Jenseits anspielende Szenen zu sehen.
Im antiken Rom und anderen großen Städten des Imperiums entstanden zur Aufbewahrung der Aschenurnen die sogenannten Kolumbarien (Taubenschlag). Sie stammen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. und wurden auch von Christen benutzt. Es sind halb oder ganz unterirdische Wände mit in Reihen angeordneten Nischen, in die tönerne Aschentöpfe (Ollae) eingesetzt wurden. Auf Marmortäfelchen über jeder Nische wurde der Name der oder desBeigesetzten angebracht.
Parallel zur wachsenden Dominanz des Christentums setzte sich im Laufe des 4. Jahrhunderts die Vorstellung von der Auferstehung der Toten durch. Damit wurde es erforderlich, den Leib als Ganzes beizusetzen. Endgültig verbot dann Karl der Große im Jahr 789 die Feuerbestattung in seinem Reich. Damit bildete die Bestattung in geweihter Erde -also in den Kirchen und um sie herum oder auf christlich geweihten Friedhöfen -Jahrhunderte lang die einzige Bestattungsform in Europa. Die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen dagegen galt als besonders schreckliche Todesart, verhinderte sie doch die zukünftige Auferstehung.
Erst mit der Aufklärung kamen wieder neue Ideen zur Feuerbestattung auf. Schon während der Französischen Revolution wurden Überlegungen zur Umsetzung veröffentlicht. So wurde der "Rapport sur les sépultures" von Jaques Cambray von 1799 von einem Entwurf des Architekten Jacques Molinos begleitet, der als Kreis mit einem zentralen Tempel mit einem Krematorium und einer Aufbewahrungsstätte für Urnen konzipiert war. Weitere Vorschläge zu unterschiedlichen Möglichkeiten Leichen durch Feuer oder chemische Prozesse zu behandeln, wurden von einem Essay-Wettbewerb inspiriert, den das Institut National de France im Jahr 1800 zu Fragen der Bestattungszeremonien und Begräbnisstätten ausschrieb.
Andere Vorreiter waren die englischen Künstlerfreunde von Percy Bysshe Shelley (1792-1822). Nach dem Vorbild der Antike verbrannten sie die Leiche des ertrunkenen Dichters auf einem Scheiterhaufen am Meer. Seine Asche wurde auf dem protestantischen Friedhof in Rom beigesetzt. Die Überreste des Dichters wurden allerdings nicht wie in der Antike direkt auf den Scheiterhaufen gelegt, sondern auf einem eigens dafür angefertigten eisernen Rost verbrannt. Die Kenntnis der in Indien vorherrschenden Art der Feuerbestattung dürfte dabei eine Rolle gespielt haben. Dort war zu dieser Zeit die Britische Ostindien-Kompanie zum bestimmenden Machtfaktor aufgestiegen.
In Deutschland wurde das erste Krematorium am 10. Dezember 1878 in Gotha eröffnet. Zu seinem in neoklassizistischen Formen gehaltenen Bau gehört auch eine "Kolumbarium" genannte glasüberdachte Halle mit einem Umgang, in dem auf Sockeln, Stufen und in gleichförmigen Wandnischen Urnen aufgestellt sind. Die frühen Urnen des 19. Jahrhunderts lehnen sich dabei in ihren Formen an antike Vorbilder an, wie zum Beispiel die Volutenkratere.
Die neuen Aschengefäße wurden von Anfang aber nicht nur in Urnenhallen und Kolumbarien aufgestellt, sondern fanden auch -meist auf Sockeln oder innerhalb von architektonischen Formen -auf Grabstellen ihren Platz. Friedhöfe erhielten außerdem eigene Urnenhaine mit kleinen Grabstellen für eine oder zwei Aschenbeisetzungen und auf größeren Familiengräbern der Jahrhundertwende wurden aufwendig gestaltete Urnenwände errichtet.
Mit den Reformbewegungen der Wende zum 20. Jahrhundert entstanden neue Beisetzungsformen, mit denen sich auch das Urnengrabmal veränderte. Im Rahmen der Friedhofsreform wurden zum Beispiel in Hamburg nach dem Ersten Weltkrieg sogenannte Aschengrabgärten eingerichtet. Ihre Grabreihen lagen im Rechteck um einen Brunnen herumund wurden von geschnittenen Hecken getrennt. Propagiert wurden eigens für sie entworfene Grabmale in Form von niedrigen Pfeilern, Stelen und erhöhten Kissensteinen.
Insgesamt verlagerten sich die Aschenbeisetzungen weitgehend ins Freie, also auf die Friedhöfe beziehungsweise auf die Urnenhaine der Krematorien. Dabei plädierten die Friedhofsreformer einerseits anstelle der bis dahin meist üblichen oberirdischen Aufstellung für eine Erdbeisetzung der Urnen. Andererseits wurde versucht unter den StichwortenGleichheit, Einfachheit und Funktionalität die Grabmalkultur zu vereinheitlichen. Dafür wurden nun auch neue freistehende Kolumbarien errichtet, die aus Wänden mit genormten und verschließbaren Rechtecknischen zum Einstellen der Urnen bestanden. Wegweisende Beispiele sind dafür die von Fritz Schumacher entworfenen niedrigen Urnenwände in Dresden-Tolkewitz und die ebendort 1926 nach Plänen von Stadtbaurat Paul Wolf errichtete Anlage von fünf Innenhöfen mit quadratischen Urnennischen aus dem damals neuartigen Muschelkalkbetonwerkstein. Ähnliche Urnenwände, teilweise in Höhe mehrstöckiger Gebäude, sind inzwischen in ganz Europa verbreitet.
Daneben entstanden Urnengrabmäler in den unterschiedlichsten Formen, die stilistisch anfangs gern historisierend gestaltet wurden, sich später aber auch an den neuen zeitgenössischen Formen wie z.B. an dem nach dem Ersten Weltkrieg aufkommenden Expressionismus orientierten.
Anhänger der damals noch relativ wenig verbreiteten Feuerbestattung regten schon in den 20er-Jahren an, gemeinsame Aschengräber anzulegen. Nach 1945 entstanden dann zuerst im Osten Deutschlands neue Urnengemeinschaftsanlagen in Form von Rasenfeldern mit einem gemeinschaftlichen Grabmal. Die größte Anlage befindet sich auf dem Heidefriedhof in Dresden mitder Skulptur „Stirb und werde“ von Rudolf Sitte als Mittelpunkt.
Daneben wurden Flächen eingerichtet, auf denen die Asche verstreut werden kann und nicht mehr unterirdisch in Aschekapseln vergraben werden muss. Die erste Aschestreuwiese entstand im Juli 1985 auf dem Westfriedhof in Rostock. Allerdings besteht in Deutschland in fast allen Bundesländern und anders als in den meisten europäischen Ländern, Friedhofszwang. Daher ist es zurzeit mit Ausnahme der Bundesländer Bremen und Rheinland Pfalz nicht erlaubt, die Asche Verstorbener anderswo als auf einem Friedhof beizusetzen oder auszustreuen.
Das erhöhte Umweltbewusstsein hat dazu geführt, dass Aschengrabstätten seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts auch in eigens dafür ausgewiesenen Waldstücken am Fuß von Bäumen beigesetzt werden. Zuerst durch Firmen wie Friedwald (seit 2001) oder Ruheforst (seit 2005) propagiert, sind inzwischen auch auf Friedhöfen solche Wald-bzw. Baumbestattungen möglich. Die Namen der Beigesetzten können dabei in unterschiedlicher Weise am Ort oder in der Nähe des sonst unsichtbaren Grabes angebracht werden.
Während auf der einen Seite die einzelne Urne und ihre Grabstätte auf diese Weise fast unsichtbar geworden sind, entwickelt sich auf der anderen Seite die Tendenz zu einer neuen verstärkten Sichtbarkeit der Urnen. Ebenfalls seitder Jahrtausendwende werden in immer mehr aufgelassenen Friedhofskapellen, Mausoleen und Kirchenräumen neue Aufbauten zur offenen und auch zur verschlossenen Aufstellung von Urnen eingerichtet. Das erste Kirchen-Kolumbarium entstand 2004 in St. Josef in Aachen, nachdem die Kirche zuvor entweiht worden war.
Bei diesen Kolumbarien handelt es sich meist um den Einbau -oft künstlerisch gestalteter -Nischenwände und Türme in vorhandene ungenutzte ehemals sakrale Gebäude oder Friedhofsarchitekturen. Die oft nur durch eine Glastür verschlossenen oder sogar ganz offenen Nischen zeigen gut sichtbar meist individuell gestaltete Urnen. Diese gibt es inzwischen in den verschiedensten Materialien und Formen als Überurnen für die einfachen metallenen Aschenkapseln, inwelche die Asche im Krematorium eingefüllt wird. Die Nischen können zusätzlich mit kleinen Erinnerungsstücken und Blumen ausgeschmückt werden, so dass das Andenken an die Verstobenen sehr persönlich und dabei zugleich für jeden Besucher sichtbar gestaltetwerden kann.
Vorläufiger Höhepunkt dieser Tendenz zu einer als höherwertig vermarkteten Erinnerungskultur ist das im Juni 2024 eröffnete Kolumbarium "Die Eiche". Der historische Speicher an der Trave in Lübeck ist als Urnenfriedhof mit einem eigens dafürentwickelten stilistischen und kulturellen Konzept eingerichtet worden. Das künstlerische Konzept beinhaltet auch, dass sich diejenigen, die dort beigesetzt werden oder die Asche eines Angehörigen dort für einen bestimmten Zeitraum aufbewahren lassen wollen, sich in die entsprechenden Vorgaben einfügen. So sind für den öffentlichen Bereich zum Beispiel nur eigens für dieses Konzept entworfene Aschenschachteln zulässig.
Viele dieser neuen Kolumbarien ermöglichen, dass Abschiedsfeier und Beisetzung am selbenOrt stattfinden. Daneben werden weitere kulturelle Veranstaltungen durchgeführt und es wird explizit die Möglichkeit zu sogenannten Trauerhandlungen gegeben. So lädt in der "Eiche" ein großer Schreibtisch inklusive Papier und Stiften dazu ein, den Verstorbenen Briefe zu schreiben und sie dort zu deponieren. Gerade solche und ähnliche Trauerrituale werden zurzeit immer mehr in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt.
Gleichzeitig bekommt die Kremation durch neue Beisetzungsformen Konkurrenz. So wirbt zum Beispiel die englische Firma Resomation Ltd für ihr Verfahren der alkalischen Hydrolyse mit dem Begriff "flüssige Kremation". Bei der -in Deutschland noch nicht legalisierten, aber in Irland zurzeit schon in einer Anlage betriebenen -Auflösung des Leichnams in einem Flüssigkeitsbehälter, werden die zerkleinerten Skelettreste den Angehörigen in einer Urne übergeben. Damit eröffnen sich nach der Einführung der Kremation vor 150 Jahren ganz neue Möglichkeiten der Beisetzung, die in Zukunft sogar der Feuerbestattung den Rang ablaufen könnten.