Friedhöfe sind Spiegelbilder von Kultur, Gesellschaft und Politik in den unterschiedlichen historischen Epochen. Ihre Geschichte kennt nicht nur weihevolle Trauerzeremonien und aufwändige Grabstätten, sondern brachte auch immer wieder sozial, kulturell oder religiös motivierte Ausgrenzungen hervor.
Dass Friedhöfe die Orte sind, auf denen die Toten in allen Ehren ruhen, traf bis in das 19. Jahrhundert nicht für alle Verstorbenen zu. Es gab Individuen wie auch gesellschaftliche Gruppen, die durch die sogenannte unehrliche Bestattung diskriminiert wurden und im Abseits begraben werden mussten.
Im niederschlesischen Harpersdorf (heute Twardocice, Polen) erinnert ein Denkmal an eine Zeit, in der die Glaubensunterschiede zwischen den Christen so wichtig waren, dass man einander sogar die ehrenvolle Beerdigung auf dem geweihten Friedhof verwehrte.
Heutzutage stellen sich Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft dem Betrachter meist in einem gepflegten Zustand dar. Sie sind würdig gestaltet und liegen in einer friedvollen Umgebung.
„Endlich haben wir einen guten Abschied nehmen können.“ „Es beruhigt uns, dass unser Kind jetzt einen festen Platz gefunden hat, wo wir es besuchen können.“ Diese und ähnliche Sätze äußerten die Eltern von ungeborenen und totgeborenen Kindern nach einer Abschiedsfeier auf dem Öjendorfer Friedhof am 5. Mai dieses Jahres.
Abschiednehmen und unmittelbar nach der Feier zur Einäscherung im selben Gebäude Kaffee oder einen Imbiss in familiärer Atmosphäre: Was in Deutschland bislang höchstens Gegenstand von Überlegungen ist, gehört in den Niederlanden zu den Selbstverständlichkeiten.
Das fuhr in die Glieder: Der Spaziergänger auf dem Ohlsdorfer Friedhof streift die mit zwei eindrucksvollen Monumenten ausgestattete Grabstelle (Z 8, 338-341) des in Hamburg 1815 geborenen und 1891 dortselbst gestorbenen Anton Rée und seiner Angehörigen – versehen mit dem Steckschild, die Ruhefrist laufe Ende 2004 aus, Angehörige mögen sich bitte melden.
Wie andere Kulturstätten unterliegen auch Friedhöfe dem Wandel der Zeit, sind Ausdruck der jeweiligen Sozialordnung, des Zeitgeschmacks und der veränderten Nutzungsansprüche.
Das UNESCO-Welterbe Quedlinburg mit seinen überaus zahlreichen Schätzen historischer Bauten hat den Denkmalschützern und an diesem Thema Interessierten wahrhaft Überwältigendes zu bieten. Das gilt auch für die Sepulkralkultur auf den beiden stadtnahen Friedhöfen St. Wiperti und St. Servati.