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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Abschiedsfeiern für ungeborene und totgeborene Kinder auf dem Friedhof Hamburg-Öjendorf

„Endlich haben wir einen guten Abschied nehmen können.“ „Es beruhigt uns, dass unser Kind jetzt einen festen Platz gefunden hat, wo wir es besuchen können.“ Diese und ähnliche Sätze äußerten die Eltern von ungeborenen und totgeborenen Kindern nach einer Abschiedsfeier auf dem Öjendorfer Friedhof am 5. Mai dieses Jahres.

Aber nicht nur die Eltern waren nach dieser Trauerfeier mit anschließender Beisetzung sehr berührt. Auch wir waren tief bewegt, die wir die Feier geplant und durchgeführt hatten.

Vorausgegangen war eine Anfrage des Friedhofes, ob wir nicht eine solche Abschiedsfeier für ungeborene Kinder aus den Landeskrankenhäusern und dem UKE durchführen könnten. Es hätte immer wieder entsprechende Bitten von betroffenen Eltern gegeben. Und so haben wir uns zusammengesetzt: Anja Wiese und Elisabeth Korgiel von den Verwaisten Eltern in Hamburg e.V., und Jürgen Probst, Pastor und Trauerbegleiter.

Raum und Zeit zu geben für den Ausdruck der vielfältigen Gefühle und für die Würdigung der Kinder, die nicht leben konnten oder durften – das waren dabei unsere Leitgedanken. Mehrere Eltern und Geschwisterkinder waren gekommen, dazu einige Mitarbeiterinnen des Friedhofes und eine Krankenhausseelsorgerin. Eine Musik stimmte uns auf die Feier ein. Nach der Begrüßung hörten wir den Text und die Musik von Michael Jacksons „Gone Too Soon“ – „Zu früh gegangen“. Die Trauer ergriff uns. Tränen stiegen in uns auf.

Dann ermutigten wir die Eltern, auf gelben Sternen ihren verlorenen Kindern Namen zu geben. Die anderen TeilnehmerInnen baten wir, auf ihren Sternen gute Wünsche für die Eltern zu schreiben. Alle Sterne wurden dann zusammen mit einem brennenden Licht auf einem dunkelblauen Tuch bei dem Sarg, einem Korb aus Weidengeflecht mit der Urne der Kinder, abgelegt. Musik, die wohltat, begleitete uns dabei. Gemeinsam sangen wir dann das Lied „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“ – mit einer besonderen Textstrophe für diesen Abschied. Ein Segenswort für die Kinder beendete die Feier in der Halle.

Auf dem Weg zum Grab hatten die Eltern und Geschwisterkinder die Möglichkeit, den Sarg selbst zu tragen. Ein Liebesdienst, der schwer und zugleich befreiend wirkte. Und auch am Grab ließen es sich die Eltern nicht nehmen, nach einem Wort der Hoffnung selbst den Sarg in das Grab zu legen. Erde und Blüten folgten, ohne dass es dazu einer besonderen Aufforderung bedurfte. Als Zeichen der Hoffnung pflanzten wir eine blühende Kamelie. Das gemeinsam gesprochene „Vater unser“ und der Segen beschlossen die Beisetzung. Ein unbehandelter Felsstein mit der Jahreszahl „2004" markiert die Stelle.

Innerlich tief bewegt und nachdenklich verließen wir einzeln oder in kleinen Gruppen die Grabstätte, um uns darauf zu einem Austausch bei einer Tasse Kaffee und Kuchen im Informationszentrum wiederzutreffen. Hier wurde dann die oben erwähnte Erleichterung und Dankbarkeit für die Feier deutlich. Dankbar waren aber auch wir, dass uns die Eltern und Geschwisterkinder so an ihrer Trauer haben teilnehmen lassen.

Und unser Dank gebührt auch denen, die uns bei der Ausrichtung der Feier so gut unterstützt haben: die Mitarbeitenden des Friedhofes; Manfred Diesing, Gärtnerei; Johannes Fiebig, Musiker; Herzog & Söhne, Steinmetz; Christian Hillermann, Trostwerk; Petra Soltau-Wietzke, Bestattungen. Eine weitere Abschiedsfeier fand inzwischen am 11. August statt, wobei sich auch einige KrankenhausseelsorgerInnen an der Durchführung beteiligten. Weitere sollen folgen. Sie sind viermal für ein Jahr geplant. Der nächste Termin ist der 3. November 2004, um 15 Uhr auf dem Friedhof Öjendorf, Feierraum Süd. Die Teilnahme ist nicht an einen aktuellen Verlust gebunden.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Begraben im Abseits (November 2004).
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