Ausgehend von gemeinsamen Exkursionen und neuen Impulsen richtet sich der Fokus dieser Ausgabe auf die vielfältige Friedhofskultur in den Vier- und Marschlanden sowie ihre historische Bedeutung.
Die besonderen Bauerngrabsteine in Kirchwerder erzählen spannend von der Geschichte, dem Wohlstand und den Lebensbedingungen der Menschen in den Vier- und Marschlanden.
Bereits in der Jungsteinzeit (ca. 7000-3000 v. Chr.) scheinen die Menschen ihre Toten durch Feuer bestattet zu haben. Die frühesten bekannten Urnen sind einfache Ton-oder Keramikgefäße in bauchiger Form, manchmal mit einfachen Mustern verziert. Aus der darauffolgenden sogenannten Bronzezeit (ca. 3000-1200 v. Chr.) sind Grabhügel und Urnenfelder aus vielen Kulturen in Europa und im Nahen Osten gefunden worden.
"Kultur auf dem Friedhof" bleibt unser Thema. Nach Beispielen aus Wien, Zürich und Amsterdam blicken wir nach Deutschland, wo kreative Projekte in Berlin, Kaiserslautern und Dresden zeigen, wie Friedhöfe zu lebendigen Kulturorten werden. Sicher ist: Friedhöfe verändern sich, und das müssen sie auch. Sie können nicht länger nur funktionale Orte sein.
Begräbnisse sind schon immer Orte gewesen, an denen die Kultur der jeweiligen Gesellschaft in unterschiedlichen Formen sichtbar geworden ist; sei es in den Beisetzungsritualen, sei es in Grabbeigaben oder in der Gestaltung von Särgen und Urnen und Erinnerungsmalen. Diese kulturellen Erscheinungsformen sind uns auch heute noch von unseren Friedhöfen vertraut. Doch in diesem Heft geht es nicht um diese Art der Kultur.
Seit 1477 besteht in Tübingen schon die Eberhard Karls Universität und noch heute wird das städtische Leben stark von den Studierenden geprägt. Es ist also kein Wunder, dass in dieser Stadt viele schwäbische Geistesgrößen gewirkt haben, die teilweise weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind, wie z. B. die Dichter Friedrich Hölderlin und Ludwig Uhland.
Dass auf dem Ohlsdorfer Friedhof eine artenreiche Flora, Funga und Fauna heimisch ist, ist inzwischen allgemein bekannt. Insgesamt 450 verschiedene Laub- und Nadelhölzer sind gezählt worden und auf der Webseite der Friedhofsverwaltung ist zu lesen: "neben Eichhörnchen, Feldmäusen, Fröschen oder Wildgänsen machen hier auch Maulwürfe keinen Halt vor gepflegten Grabbeeten".
Teichgrab im Herbstlicht
Im Herzen des Wildblumengartens wurde ein kleiner Teich mit einem Steg angelegt. An seiner Kante sind 14 Grabstätten angelegt, die jeweils bis zu zwei Urnen aufnehmen können
Das Oberhaupt der Serbisch-Orthodoxen Kirche, Patriarch Porfirije Peric aus Belgrad, besuchte im Juni 2024 den Ohlsdorfer Friedhof und segnete das serbisch-orthodoxe Grabfeld für aktive Gemeindemitglieder. "Mit dem Grabfeld sind die Menschen, die seit Jahrzehnten hier wohnen, endlich auch auf diese Weise angekommen."
Am 20. Juni dieses Jahres wurde das neue Kolumbarium "Die Eiche" in Lübeck eröffnet, das hier schon vor zwei Jahren vorgestellt wurde (Ausgabe Nr. 158, III, 2022 - September 2022). Die Initiatoren Peggy Morenz und Michael Angern feierten die Eröffnung mit Freunden und Partnern.