Titelseite von "Ohlsdorf-Zeitschrift für Trauerkultur" Nr. 153, Thema Corona und Tod
Am 18. April 2021 fand in Berlin eine offizielle staatliche Gedenkfeier für die Opfer der Corona-Pandemie statt. Vielen Menschen wird das Abschiednehmen verwehrt und Hinterbliebene haben keine Möglichkeit, den Tod zu begreifen. Wie hat sich die Trauerkultur dadurch verändert?
Abstand halten in der Friedhofskapelle.
Das Sterben in außergewöhnlichen Zeiten wie in der aktuellen Pandemie stellt Hinterbliebene vor besondere Herausforderungen: An den Beerdigungen können nur wenige Menschen teilnehmen. Der Zugang zu Sterbenden im Krankenhaus ist manchmal begrenzt. Und auch auf die Bestattungsmodalitäten wirkt sich die Pandemie aus.
Stirbt ein geliebter Mensch, so kommen Gefühle wie Angst, Trauer, Schmerz, Unsicherheit und Schuldgefühle auf. Stirbt ein nahestehender Mensch, der an Covid-19 verschieden ist, wird die Sache noch schwieriger. Vielen Menschen wird das Abschiednehmen verwehrt. Die Trauer ist einsamer geworden.
Herzförmige Kerze
Die Trauergruppen der Verwaisten Eltern e.V. in Schleswig treffen sich in normalen Zeiten einmal im Monat im Raum der Geschäftsstelle des Landesverbandes. Der erneute Lockdown im November 2020 stellt die Gruppe vor weitere Herausforderungen: Gruppentreffen als Videokonferenz.
Holger Wende geht den Fragen nach, ob wir gemeinsam ein kollektives Trauerritual für die Corona Verstorbenen initiieren können und ob das für die Gesellschaft und den individuellen Trauerprozess förderlich ist?
Das Versterben nahestehender Personen in Zeiten von Corona bedeutet für die Hinterbliebenen häufig eine Ausnahmesituation. Welche Auswirkungen hat die erschwerte bis zu fehlende Abschiednahme auf die Bestattungskultur? Wie kann ein Abschied trotz dieser Pandemie gestaltet werden?
Michael Karbenk, Vorstand des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V., stellt die Leitgedanken im Zuge der Bürgerbeteiligung an der Friedhofsentwicklungsplanung Ohlsdorf 2050 zusammen, die im Zuge der veränderten Bestattungskultur ins Leben gerufen wurde.
Neuer Friedhof in Westerland (Sylt)
Die Idee, sämtliche Sternenkinder-Friedhöfe, also Grab- und Gedenkstätten für frühverstorbene Kinder, in Schleswig-Holstein zu dokumentieren, entstand im Herbst 2019. Sie resultierte aus Gesprächen beim 15-jährigen Jubiläum des Vereins Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Schleswig-Holstein e.V. (VESH).
Die neue Brücke am Südteich, April 2021 (Foto: Petra Schmolinske)
Seit Anfang April können die zahlreichen Ohlsdorf-Spaziergänger nun auch die Insel im Südteich besuchen – die neue Brücke ist freigegeben.
Pestkreuz an der St. Lorenzkirche in Lübeck
Seit Anfang 2020 hält das SARS-CoV 2-Virus die Welt in Atem und hat das öffentliche Leben zeitweise gänzlich zum Erliegen gebracht. Fakt ist, dass es in der Geschichte der Menschheit immer schon Seuchen gegeben hat, die das soziale Gefüge durcheinander gebracht haben.