Direkt zum Inhalt

OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Stellungnahme des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. zur Nachhaltigkeitsstrategie "Ohlsdorf 2050"

Michael Karbenk (für den Vorstand des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V.)

Im Zuge der Bürgerbeteiligung an der Friedhofsentwicklungsplanung Ohlsdorf 2050 standen folgende Leitgedanken:

  • Aufgabe ist das Erarbeiten von Zukunftsperspektiven und Visionen unter möglichst intensiver Beteiligung vieler Bürgerinnen und Bürger.
  • Die Behörde für Umwelt und Energie und die Hamburger Friedhöfe -AöR- nehmen ihre Verantwortung für den größten Parkfriedhof der Welt wahr.
  • Naturzonen werden weiterentwickelt.
  • Der Ohlsdorfer Friedhof bleibt in seiner Größe unangetastet.
  • Bestehende Grabstätten können weiter verlängert werden.
  • Innerhalb des Friedhofs entstehen Inseln: große Auswahl an attraktiven Grabstätten mit optimaler Friedhofsinfrastruktur.
  • Neue, friedhofsverträgliche Nutzungen kommen hinzu.
  • Denkmalgeschützte Grabstätten und Gartendenkmale bleiben erhalten.

Als Ergebnis der einzelnen Arbeitsgruppen ist unter anderem als sehr wichtig eingestuft worden:

  • die Erweiterung der Schauflächen im aktuellen Museum und die Erweiterung des Friedhofsarchivs
  • der Zugang zu einem digitalen Archiv mit Beisetzungsdaten und Grabsteinfotos von vorhandenen und bereits abgeräumten Grabsteinen
  • die Ausweitung der Öffnungszeiten des Museums, die Betreuung von Besuchern sowie der Aufbau eines kleinen Cafébereichs - das Angebot von Führungen über das Friedhofsgelände
  • der Aufbau einer Werkstatt für Geschichte und Bestattungskultur
  • Thematische Ausstellungen: Totenkulte, Biographien, Weltkriege...
  • die Unterschutzstellung des Umfeldes von Kapelle 1 als Zeugnis der Geschichte
  • die musealen Anlagen im Linneteil (Kapelle 9)

In Ohlsdorf gibt es Grabsteine noch aus der Zeit vor der Friedhofsgründung. Sie wurden hierher gebracht um sie zu erhalten und den Bürgern zugänglich zu machen. Das sind z.B. die Ämtersteine und der Heckengarten am T-Teich. Benötigt werden dort Restaurierungsmaßnahmen und bauliche Maßnahmen wie Überdachungen. Es gehen sonst historisch wertvolle Denkmäler für immer verloren. Wir wollen diese Museumsfriedhofsbereiche auch mit neuen Hinweis- und Lehrschildern bestücken.

Der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. mit dem Museum in einem historischen Friedhofsgebäude ist ein Kraftzentrum für den Friedhof. Mit unseren Projekten investieren wir nicht nur in den Friedhof, wir wollen uns auch selbst weiterentwickeln und benötigen dazu zusätzlich finanzielle Mittel. Wir benötigen mehr Platz für das Archiv. Wir wollen möglichst viele erhaltenswerte Grabsteine retten. Wir erarbeiten Konzepte und Vorschläge, die wir dem Friedhof vorlegen werden. Wir hoffen unsere Stadt Hamburg berücksichtigt dies im Zuge der Friedhofsentwicklungsplanung angemessen und unterstützt uns. Wir wollen dazu die Kommunikation mit der Friedhofsleitung verbessern. Der Friedhof Ohlsdorf hat viel notwendigen Handlungsbedarf, wie z.B. Sanierung der Wasserläufe und Teiche, der Kapellen, der Drainagerohre, der Wege und Brücken. Hier investiert die Stadt glücklicherweise viel Geld.

Es dürfen aber zwei Dinge nicht vergessen werden:

  1. die Grabnutzer sollten durch die Investitionen auch Vorteile erhalten;
  2. auch in das Bewahren erhaltenswerter Grabdenkmäler und Grabanlagen sollte investiert werden. Wir müssen diese wertvollen Denkmäler erhalten. Und das nicht nur in Form von Grabmalpatenschaften, sondern auch als konservierte Originale. Für die Stadt und den Friedhof und seinen Besucher und Nutzer wird sich diese Investition lohnen. Damit wird die Gesamtqualität des Ohlsdorfer Friedhofs gesteigert.

Die besondere Qualität des Ohlsdorfer Friedhofs ist sein historischer Entwurfsgedanke. Das Konzept von Cordes, nämlich Park und Friedhof mit einer Gesamtgestaltung, der „Landschaftsbildnerei“ aus Stein, Holz, Metall, Blumen, Pflanzen und Bodenplastik, ohne Bevorzugung des einen oder anderen Teils, prägt diesen Ort. Wir plädieren für den Erhalt des Konzeptes. Und wir plädieren dafür, in diese Qualität zu investieren. Es wird der Naherholung genauso dienen wie dem laufenden Beerdigungsbetrieb. Park und Friedhof darf man hier nicht getrennt denken.

Der Friedhof ist ein Plädoyer für die Menschenwürde. Er ist der geschützte Trauerbereich unserer Gesellschaft. Hier darf auch das „gefallene“ Familienmitglied, der unerwünschte Bekannte, der Ex-Partner, seine Trauer um den geliebten, den verlorenen Menschen verarbeiten. Dies ist eine große und sehr wichtige Qualität des Friedhofs, die weiterhin ungestört stattfinden können sollte.

Bei den baulichen Maßnahmen die bisher stattgefunden haben, ist uns aufgefallen, dass neue Wegeführungen entstehen, die den Charakter des Friedhofs stark verändern. Historische Wegeführungen werden verdrängt. Aus unserer Sicht wird das kaum kommuniziert und geschieht im Stillen. Sind diese Wegeführungen notwendig, um die Flächen arbeitsextensiver zu pflegen? Haben sie mit der wohl schon beschlossenen Abschaffung der Friedhofsgärtnereien zu tun?

Die Bestattungskultur hat sich verändert! Das wird bei allen Maßnahmen immer vorangestellt. Nur ist abschließend nie geklärt worden, wie sich die Bestattungskultur verändert hat und in welche Richtung sie sich weiterentwickelt. An dieser Stellte muss unbedingt weiter diskutiert werden.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Corona und Tod (Mai 2021).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2021).