Titelseite Nr. 146
Das Thema einer "alternativen" Bestattungskultur ist schon seit einiger Zeit aktuell. Dazu sind diverse Bücher erschienen. Dabei ist unklar geblieben, was der Begriff einer alternativen Bestattungskultur konkret bedeutet. Die Redaktion hat nun Marlene Lippok, Kulturwissenschaftlerin an der Universität Augsburg, gebeten, aus fachlicher Sicht zu diesem Thema Beiträge für die "Zeitschrift für Trauerkultur" zu verfassen.
Norbert Fischer bei der Festrede 30 Jahre Förderkreis Ohlsdorf
Anmerkung der Redaktion: Bei dem folgenden Text handelt es sich um den überarbeiteten Festvortrag anlässlich des 30jährigen Bestehens des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. am 26. Mai 2019 auf dem "Bürgerfest" Ohlsdorfer Friedhof. Der Verfasser dankt Dr. Barbara Leisner für wichtige Informationen und Hinweise für den vorliegenden Text.
Der Tod in Wien zeigt viele Facetten. Bis ins 18. Jahrhundert hinein waren Kirchengrüfte die bevorzugte Bestattungsstätte für all jene, die es sich leisten konnten.
Der Wiener Historiker Oskar Terš stellt die mitten in Wien gelegene, gleichwohl kaum bekannte Michaelergruft vor. Sie beherbergt eine besonders hohe Zahl von Mumien und überschreitet in ihrer Ausdehnung sogar den Grundriss des zugehörigen Gotteshauses.
In Österreich führte die Feuerbestattung erst relativ spät, nämlich nach dem Ersten Weltkrieg, zu einem Krematoriumsbau. Dies hing mit dem Einfluss und der Macht der katholischen Kirche zusammen. Dennoch wurde über das Thema auch in Österreich bereits im späten 19. Jahrhundert diskutiert. Als in Dresden die Probeverbrennung eines toten Tieres durchgeführt wurde, nahmen daran auch der Wiener Stadtphysikus und ein Beamter des Wiener Bauamtes teil und berichteten positiv darüber.
Die Geschichte des Wiener Friedhofs der Namenlosen ist eigentlich die Geschichte zweier unterschiedlicher Anlagen und reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Diese Geschichte ist durchaus wechselvoll: Die erste Anlage – auch als Alter Friedhof der Namenlosen bezeichnet – ging aus der Bestattung einer unbekannten ertrunkenen Person im Jahr 1840 hervor.
Am 30. und 31. Oktober 2018 fand in Murcia eine internationale Konferenz zur europäischen Friedhofskultur statt. Sie wurde veranstaltet von der Universität Murcia (Philosophische Fakultät, Zentrum für Europa-Studien), der Stadt Murcia und der Anthropologischen Gesellschaft Murcia (SOMA). Organisatoren waren Klaus Schriewer und Pedro Martinez Cavero von der Universität Murcia. Konkreter Anlass für die Konferenz waren Bestrebungen, den Cementerio Nuestro Padre Jesús als bedeutendsten Friedhof der spanischen Universitätsstadt im Kontext europäischer Friedhofskultur zu würdigen.
Veranstaltet vom Arbeitskreis transmortale IX des Museums für Sepulkralkultur und der Universität Hamburg (Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie). Wie die vorangegangenen Veranstaltungen bietet die transmortale IX am 16. März 2019 Wissenschaftler*innen die Möglichkeit, neue Forschungsperspektiven in Kurzreferaten vorzustellen und in einer größeren Runde zu diskutieren.
Die Winterveranstaltungen des Förderkreises begannen dieses Jahr etwas ungewöhnlicher als sonst mit einer Lesung. Thema waren die Friedhöfe in literarischen Texten und Liedern, zusammengestellt von Barbara Leisner. Außer ihr lasen die Förderkreismitglieder Norbert Fischer und Horst Günther Lange, der die Lesung außerdem auf der Barocklaute begleitete und den Besuchern dabei auch ein "Tombeau" – einen musikalischen Grabstein – vorstellte.
Gerade bei jüngeren Menschen wird Trauer zunehmend ins Internet verlagert. Trauer-Postings auf Facebook sind inzwischen üblich, im Internet werden besondere Memoriam-Seiten der Erinnerung an Verstorbene gewidmet. Nicht zuletzt werden Traueranzeigen online geschaltet. Die Möglichkeit, Texte, Bilder und anderes zu posten, sorgt für eine intensivere Kommunikation unter den Trauernden.
Die Geschichte des jüdischen Friedhofs Seegasse, insbesondere seine vorübergehende Zerstörung, ist eng mit der nationalsozialistischen Diktatur und den Judenverfolgungen verknüpft. Im späten 20. Jahrhundert war der im 9. Wiener Stadtbezirk, Seegasse 9–11, gelegene Friedhof kaum noch als solcher zu erkennen. Stattdessen zeigte er sich noch Ende der 1970er Jahre als verwilderte Brache, die Grabsteine waren verschwunden. Damit schien einer der bedeutendsten Schauplätze der Wiener Kulturgeschichte verloren gegangen zu sein