OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Ohlsdorf – ein konfessionsoffener Friedhof

 - Mai 2013
Ausgabe: 
Nr. 121, II, 2013

Anm. d. Red.: Der folgende Text bildet einen Auszug aus der gleichnamigen Informationsschrift in der Schriftenreihe des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V., Band 12.

Die Zunahme von Migranten unterschiedlicher religiöser Prägung in unserer heutigen Gesellschaft hat besonders in den Ballungszentren zu der Notwendigkeit geführt, auch auf deren Sitten im Umgang mit den Toten einzugehen. Gerade in einer fremden Umgebung bestehen Menschen auf ihren religiösen Traditionen, die sie als identitäts- und gemeinschaftsstiftend erleben. Unsere "Friedhofslandschaften" werden dadurch immer vielfältiger, so auch jene auf dem größten Parkfriedhof der Welt in Hamburg-Ohlsdorf. Kaum bekannt ist die hier von Anbeginn bereits bestehende Vielfalt von Gräbern unterschiedlicher Konfessionen. Sie wird nachstehend zusammenfassend dargestellt.

Der Friedhof Ohlsdorf wurde angelegt als Ersatz für die seit Beginn des 19. Jahrhunderts bestehenden Begräbnisplätze der innerstädtischen, christlichen Kirchengemeinden vor den Toren der Stadt. Nach Eröffnung des Ohlsdorfer Friedhofs im Jahr 1877 stand nunmehr als Novum seiner Zeit ein zentraler Begräbnisplatz für alle Bürger dieser Stadt zur Verfügung, ungeachtet ihrer Konfessionszugehörigkeit. Aufgrund seiner Bedeutung für die in der Weltstadt Hamburg lebenden und wirkenden Menschen entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Bestand an identitäts- und gemeinschaftsstiftenden Bestattungsbereichen, deren Anlagen das Friedhofsbild mitprägen.

Muslimgräber
Muslimische Grabstätten auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Foto: P. Schulze

Der erste Friedhofsdirektor Wilhelm Cordes schreibt zur Gestaltung des Ohlsdorfer Friedhofs Jahre später über seine "Bedingungen für die Plangestaltung", dass diese u. a. "den Sitten und Gebräuchen der Verstorbenen völlig zu entsprechen haben". Zur gestalterischen Umsetzung merkte er an: "Der Friedhof soll nicht eine Stätte des Todes und der Verwesung sein. Freundlich und lieblich soll Alles dem Besucher entgegentreten und dadurch der Ort aus der umgebenden Landschaft herausgehoben und geweiht werden." Mit dieser Weihe meinte er jene, die einem konfessionsgebundenen Bestattungsort vor seiner Nutzung durch rituelle Handlungen zuteil wird. Im Falle des kommunalen Friedhofs Ohlsdorf ersetzte Cordes diese durch seine "Landschaftsbildnerei". Die Grundlagen für einen gemeinschaftsstiftenden und konfessionsoffenen Friedhof in Hamburg waren damit gegeben. Die ersten drei Beisetzungen im Rahmen der feierlichen Eröffnung am 1. Juli 1877 waren die von zwei Verstorbenen lutherischer und die einer Verstorbenen katholischer Konfession nebeneinander.

Buddha
Buddhafiguren und buddhistische Texte findet man auf dem Grabmal Pohl, Grablage O 8. Foto: P. Schulze
Chinesen
Chinesische Gemeinschaftsgrabstätte, Grablage Bp 68. Foto: P. Schulze

Die Zugehörigkeit eines Verstorbenen zu einer Religionsgemeinschaft ist der Friedhofsverwaltung seit langem nicht mehr bekannt und wird auch nicht nachgefragt. Betrachtet man die unterschiedlichen Grabzeichen mit ihren Inschriften und die Schmückung der Gräber – siehe auch Band 11 der Schriftenreihe des Förderkreises mit dem Thema Christliche Botschaften auf dem Ohlsdorfer Friedhof –, ist davon auszugehen, dass viele der hier Bestatteten der evangelisch-lutherischen Kirche angehören. Immerhin leistet sich diese Kirche ein eigenes Friedhofspfarramt. Über dessen Friedhofspastor besteht die Möglichkeit für alle, die keinen Kontakt zu ihrer Kirchengemeinde haben, eine kirchliche Begleitung im Trauerfall zu erhalten. Dazu gehört auch die seelsorgerliche Beratung und Begleitung, eine Art von konfessionsoffenem Dienst. Über die Anzahl der hier bestatteten Menschen ohne Bindung an eine Konfession ist nichts bekannt und auf dem Friedhof auch nicht erkennbar. Abschiedsfeiern mit freien Rednern oder gar anonyme Beisetzungen könnten ein Maßstab sein. In einer Informationsschrift wird anhand von erkennbaren und friedhofsprägenden Beispielen ausführlich auf das breite Spektrum von Grabstätten zahlreicher anderer Religions- und Glaubengemeinschaften aufmerksam gemacht.

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