OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Natursteine und ihre Bearbeitung auf dem Ohlsdorfer Friedhof

 - Mai 2011
Ausgabe: 
Nr. 113, II, 2011

1. Viele Steine und dann noch: kompliziert gegliedert

Weltweit gibt es über 2500 Gesteinsarten, die wiederum in zahlreiche Gesteinsunterarten unterteilt sind. Deutschland nimmt sich mit rund 160 Arten eher bescheiden aus, während bei unseren französischen Nachbarn schon 210 Arten zu finden sind und Italien gar mit über 500 Arten aufwarten kann. Nun eignen sich beileibe nicht annähernd alle Arten für die Anfertigung von Grabmalen – immerhin gelten hierfür Kriterien wie z. B. Farbe und Dichte des Materials. Ferner gibt es Materialien die "in Mode" sind und auch welche die den Kunden schlicht nicht gefallen und deshalb auch nicht verkauft werden können. Dementsprechend sind auf dem Ohlsdorfer Friedhof gerade einmal ca. 60 verschiedene Arten zu finden.

Grabmal Geist
Grabmal Geist, Labrador, H.
Foto: Hammond-Norden

Die Unterteilung der Arten nach geologischen Besonderheiten verdient Aufmerksamkeit. Es gibt "saure Tiefengesteine", zu denen der Granit gehört, und dann Natursteine mit so klangvollen Namen wie Wyborgit oder Granodiorit, allesamt "Hartgesteine". Wichtig auch die "basischen Tiefengesteine" wie Syenit oder Larvakit (der so genannte Labrador aus Norwegen). Es folgen die "Ergussgesteine", wobei der Diabas und die Rheinische Basaltlava hier beachtenswert sind. Die aber für die Steinmetze wichtigste Gruppe sind die "klassischen Sedimentgesteine". Hierzu gehören die Sandsteine mit ca. 35 Arten allein in Deutschland, ferner zahlreiche Kalksteine wie z. B. Muschelkalk oder auch der Travertin, ein "Süßwasser-Sediment". Auch dazu gehört die große Gruppe der Marmore, wobei wir hier wiederum die kristallinen und die nichtkristallinen Marmore unterscheiden. Die Kristalle haben sich durch eine lang andauernde Metamorphose gebildet, sie entstanden durch große Hitze und hohen Druck. Nicht zu vergessen bei dieser Auflistung sind die Schiefergesteine: Tonschiefer, Kalkschiefer, Glimmerschiefer, Glimmerquarzit.

Grabmal Mauss
Grabmal Mauss, Rot Meissner Granit, H.
Foto: F.-J. Krause

Um einmal zu zeigen, wie die geologische Klassifizierung aussieht, hier ein Zitat: "Chloritschiefer. Hochgradige Metamorphose von Sedimenten, die viele basische Silikate enthielten, aber auch von Tiefengestein mit hohem Anteil von Eisen und Magnesium führt zur Entstehung dieses Gesteins, das im Wesentlichen aus Chlorit, Serpentin und Epidot besteht. Es weist die höchste Biegezugfestigkeit und Elastizität aller Nutzgesteine auf." (Natursteinlexikon, Callwey Verlag, München)

Grabmal Schoenfeld
Grabmal Schoenfeld, Thüster Kalkstein, W.
Foto: Hammond-Norden

Soweit ein ganz kleiner Ausschnitt des Basiswissens, wobei es in der Praxis einfacher und verständlicher zugeht.

2. Es wird einfacher…

Steinmetze sind bekanntlich eher pragmatisch ausgerichtet und so interessiert sie der komplizierte geologische Aufbau und die Unterteilung der Gruppen recht wenig. Entsprechend wird in den Werkstätten der Steinmetzen lediglich nach Hart- und Weichgesteinen unterschieden: Alles Material, welches mit einem (eisernen) Fäustel oder Schlegel bearbeitet wird, ist hart (-Gestein). Alles Material, welches mit einem (hölzernen) Knüppel oder Knüpfel bearbeitet wird, ist weich (-Gestein). Zu den Hartgesteinen zählen: Granit, Syenit, Diorit, Gabbro, Gneis, Diabas, Basalt, Quarzit, Porphyr, um die wichtigsten zu nennen. Demzufolge sind Weichgesteine der Sandstein, Kalkstein, Muschelkalk, Tuffgesteine, kristalliner und nichtkristalliner Marmor und verschiedene Schiefergesteine.

Grabmal Schreiber
Grabmal Schreiber, Untersberger "Marmor", W. Foto: Hammond-Norden

Ein weiteres, für Steinmetze wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Struktur eines Natursteines. Wichtig deshalb, weil hiervon u. a. die gute oder weniger gute Bearbeitungsfähigkeit abhängt. So kann beispielsweise ein "Jura-Marmor" glasig sein, eine "Basalt-Lava" zäh, ein "Cottaer Sandstein" lehmig, ein Schiefer "scharf gelagert" und gegen das Lager ist dieser – jedenfalls von Hand – nicht zu bearbeiten. Grundsätzlich ist also die Bearbeitung von Hart- und Weichgesteinen durchaus unterschiedlich, davon mehr unter Kapitel 5. Den Bezug zur Praxis stellen die Abbildungen von bekannten Grabmalen her. Das H steht jeweils für Hartgestein und das W für Weichgestein.

Grabmal Blachy
Grabmal Blachy, Rochlitzer "Porphyr", W.
Foto: Hammond-Norden

Auch wenn hiermit schon ein Teil der in Ohlsdorf auf- und hergestellten Naturstein-Grabmale genannt sind, gibt es noch weitere. Sie sind aber alle in den vorher genannten Gruppen einzuordnen. Es handelt sich somit um Steine in Untergruppen, die zum Teil ihren Namen nach ihren Fundorten tragen.

Grabmal Brandenstein
Grabmal Brandenstein, Anröchter "Dolomit", W.
Foto: Hammond-Norden

3. Natursteine heißen nach ihren Fundorten – oder sie tragen Phantasienamen

Größtenteils lauteten die Namen der Natursteine nach den Namen der Fundorte, jedenfalls noch bis vor 50 Jahren. Manchmal war es auch eine ganze Region, die für eine Sorte herhalten musste, so der "Schlesische Marmor", der genaugenommen aus Großkunzendorf stammt, aber nie so genannt wurde. Auch die Gruppe der Fichtelgebirgs-Granite gehört zu dieser Spezies, wobei in den Untergruppen wiederum Ortsnamen zu finden sind, z. B. Epprechtstein, Kösseine oder Selber Granit. Ähnliches gilt für die noch größere Gruppe der Granite aus dem Bayerischen Wald, hier gibt es Hauzenberger, Kaltrum oder Neissendorfer Granit, um nur einige zu nennen.

Grabmal Gymnich
Grabmal Gymnich-Rosenberg, Blaubank-Muschelkalk, W.
Foto: Hammond-Norden

In loser Reihenfolge sind zu nennen, wie sie heißen, woher sie kommen: Thüster Kalkstein aus Thüste, Obernkirchner Sandstein aus Obernkirchen, Kirchheimer und Krensheimer Muschelkalk aus Kirchheim und Krensheim, Anröchter "Dolomit" aus Anröchte, Bentheimer Sandstein aus Bentheim, Cottaer Sandstein aus Cotta, Elm Kalkstein aus Königslutter am Elm usw.

Grabmal Rehder
Grabmal Rehder, Schlesischer Marmor, W.
Foto: Hammond-Norden

Bei den Natursteinen unserer europäischen Nachbarn verhält es sich sehr ähnlich, wenn auch nicht grundsätzlich genauso. Ein recht gutes Beispiel gibt Schweden: Wiederum eine Region: Aus dem "Bohuslän" in Südschweden kommen zahlreiche unterschiedliche Bohus-Granite. Die Granite Vanga, Lysekil, Tranas – und auch der neuerdings so beliebte Halmstad – kommen aus Steinbrüchen, die den Ortsnamen der Natursteine tragen. Gleiches gilt für den in früherer Zeit bekannten Gotland(-Kalkstein), der natürlich von der Insel Gotland stammt. Das Material gibt es in rot und grau. Es wurde sowohl für Kirchenfußböden verlegt, aber auch für die Anfertigung großer Gruftplatten benutzt.

Erinnerungsmal
Erinnerungsmal für die Cholera-Opfer, Roter Main-Sandstein, W. Foto: Hammond-Norden

Etwas anders verhält es sich mit dem "Schwarz Schwedischen Granit" (auf die Namensbesonderheit komme ich noch). Es gibt ca. 20 Steinbrüche in Südschweden, zwischen Jönköping und Kristianstad, die alle den gleichen schwarzen Stein brechen und die den Namen des Ortes im Namen des Steinbruches tragen. Bei uns in Deutschland heißt das Material – seit alters her und ganz kurz nur: "SS".

Vielleicht ist es ein Zeichen der Globalisierung, dass die Materialien aus Südamerika, Südafrika, Indien und China Phantasienamen tragen. Vielleicht aber ist es auch so, dass jeder Natursteinagent "seinem" Stein einen eigenen Namen gibt, in der Hoffnung, der Kunde könne nicht so recht vergleichen, z. B. die Preise des Mitbewerbers… Bei den Natursteinen aus China ist es allerdings so, dass diese Materialien keine Namen sondern lediglich Nummern trugen und ein Stein nur mit einer Nummer lässt sich hier natürlich nicht verkaufen. Möglich wurde der weltweite Handel mit Natursteinen übrigens erst mit der Entwicklung des Containerverkehrs. Die relativ niedrigen Frachtraten machen Rohmaterial und sogar Fertigarbeiten aus großen Entfernungen erst rentabel – für Handel, Handwerk und Kunden gleichermaßen.

Von einigen dieser fernen Länder will ich einige wenige der vielen Hundert von lieferbaren Materialien nennen, was natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, es sind Beispiele. Wie schon gesagt, sind dies Phantasienamen, etwas seriöser ausgedrückt: Handelsnamen: Aus Indien kommt der rötliche, kräftig gemusterte und gebänderte Granit "Multicolor", der sowohl im Grabmal wie auch als Natursteinfliese am Bau Verwendung findet. Als Ersatz, aber deutlich preiswerter als der teure schwedischen "SS" gilt der "India Black", der immerhin eine vergleichbare Qualität bietet. Sehr großer Beliebtheit erfreut sich der unter verschiedenen weiteren Handelsnamen bekannte Ganga, auch "Silk Blue" genannt. Seine bläuliche Farbe mit den dunklen Bändern macht ihn so attraktiv. Vereinzelt für Grabmale, aber eher auf dem Bausektor kommen die Materialien "Juparana" und "Viscont White" zur Anwendung.

China bietet eine schier unendliche Vielzahl verschiedener Granite, von denen viele das Land noch nie verlassen haben. Bekannt auch bei uns sind z. B. der feinkörnige Granit Padang hell oder Padang dunkel. Beide eignen sich hervorragend für Grabmalarbeiten. Den "Durchbruch" – allerdings mehr im Gartenbau und für Pflasterarbeiten – schafften der "China Grey" oder der "China Cristal". Dieser feinkörnige, helle Granit ist dem deutschen Kronreuter- oder Hauzenberger Granit (aus dem Bayerischen Wald) sehr ähnlich.

Auch Südamerika hat eine Fülle von Natursteinen zu bieten, sowohl Marmore aber auch Granite. Merkwürdigerweise gibt es hier nur die relativ teuren Granite südamerikanischer Herkunft zu kaufen. Ein Grund hierfür könnte sein, dass es sich wegen der weiten Wege nur für höherwertige Materialien lohnt. Einen absoluten Spitzenplatz, was den Preis anbelangt, hat der feinkörnige helle Granit Azul Bahia, dessen feine blaue Einsprenkelungen von schier unglaublicher Leuchtkraft fast an einen "Halbedelstein" denken lassen. Auch der Verde Maritaka und der Azul Macauba sind schön gebänderte und mit fröhlichen Farben ausgestattete Steine, die schnell ihre „Fangemeinde” fanden – jedoch: nichts geht über "Azul Bahia", den Star unter den Bunten…

4. Falsche Namen für richtige Steine

Woher kommen sie, diese "falschen Namen"? Vorstellbar wäre durchaus, wir sehen das, was wir sehen wollen und nicht das, was wirklich ist. Auch möglich, dass die Eigenschaften des Steines, den wir "falsch" benennen, denen des "richtigen" entsprechen. Anhand verschiedener Beispiele wird das eben geschilderte deutlich, wobei gleich dem ersten Material besonders komplizierte Termini angehängt werden…

Bekanntlich wird der Schwarz Schwedische Granit, kurz "SS", wenn er denn auf Hochglanz poliert ist, vom durchschnittlichen Friedhofsbesucher als "Schwarzer Marmor" bezeichnet. Das ist nun leider mindestens dreifach falsch, denn es ist ein sehr harter Granit. Das ist auch nicht richtig, denn dieser Granit ist – geologisch – ein Diabas, und der Diabas wiederum ist – ebenfalls geologisch – ein Basalt. Die chemische und erdgeschichtliche Erklärung ist ebenso lang wie kompliziert, nur so viel sei gesagt: "Basalt ist eine artenreiche Familie der Ergussgesteine, dem basischen Magmatyp angehörig und damit das Äquivalent zum Tiefengestein Gabbro" (Natursteinlexikon)

Weit weniger kompliziert geht es mit den nächsten "falschen" zu, dem Untersberger "Marmor" aus Untersberg/Österreich und dem Jura "Marmor" aus der fränkischen Alb. Beide sind (in Maßen) polierfähig, wobei der Untersberger eine dichte und feste Struktur, der Jura hingegen eine dichte und glasige Struktur aufweist. Tatsächlich aber sind beide ganz gewöhnliche Kalksteine, also Calciumkarbonat. Allein die Tatsache, dass beide Materialien recht hart sind, hat ihnen den "falschen" Namen Marmor beschert. Übrigens wird in neuerer Zeit der Jura Marmor auch schon mal richtig als "Jura Kalk" bezeichnet.

In die gleiche Gruppe, aber auch wegen eines irreführenden Namens und etwas härter als die Vorgänger, gehört der "Belgische Granit". Ein reines Kalksediment, aber erstaunlich hart (und auch polierfähig). Dazu hat er Schwefelanteile, wodurch bei der Bearbeitung "von Hand" ein eher unangenehmer Duft verbreitet wird. Im Belgischen Granit wie auch im Jura Kalk kann man ganz herrliche Versteinerungen von Pflanzen und Tieren aus dem Erdmittelalter und dem Jura finden.

Ein in Ohlsdorf weniger bekanntes Material ist der "Rochlitzer Porphyr" aus dem Erzgebirge. Natürlich war der zu DDR-Zeiten nicht lieferbar, aber auch sonst zählt der sehr schöne, rötliche Stein mit den hellen Bändern nicht gerade zu den Lieblingsmaterialien der Ohlsdorfer Fangemeinde. Der "falsche" Name ist, dass er eigentlich kein (harter) Porphyr ist, sondern ein (weicher) "Rhyolith-Tuff". Auch dieses, dem sauren Magmatyp zugeordneten Ergussgestein, wird nicht der Grund des Verschmähens sein, eher die geringe „Attraktivität" des Materials.

Ein interessanter "falscher" Name steht für den "Anröchter Dolomit" aus Lippstadt/Niedersachsen. Es ist der einzige bekannte Kalksandstein (als Naturstein, sonst kennen lediglich die Maurer den weißen, "gebackenen" Mauerstein, den mit den Löchern…) und wird sowohl im Grabmalbereich wie auch für den Bau verwendet. Geradezu eine Renaissance erlebte das Material durch seine Verwendung in der Bildhauerei: Der berühmte Ulrich Rückriem (ein gelernter Steinmetz) hat zahlreiche seiner Großplastiken – die mit den Spaltungen und sichtbaren Bohrlöchern – aus Anröchter Dolomit gefertigt. Was nun ist "falsch" am Namen? Der Anröchter, wie er kurz genannt wird, ist ein Weichgestein, während der Dolomit eher hart ist. Übrigens besteht der Dolomit nur zum geringen Teil aus dem Mineral Dolomit, also noch etwas "Falsches".

Zum Schluss dieser kurzen Betrachtung etwas eher Lustiges. Der sehr bekannte und besonders hier in Hamburg sehr häufig verwendete "Obernkirchner Sandstein" (Rathaus, Börse, Nikolaikirche etc.) aus Obernkirchen/Niedersachsen wird in Fachkreisen nur "OKS" genannt. Früher aber, zur Zeit des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts hieß er "Bremer Stein" – und das in Hamburg! Wie es dazu kam? Ganz einfach: Als es noch keine Lkw und auch nicht sehr gute Eisenbahnverbindungen gab, wurden die Rohblöcke vom Steinbruch per Schiff (in diesem Falle auf der Weser) transportiert, und weil Bremen so nahe lag, wurde hier ein großes Auslieferungslager für Steinblöcke eingerichtet. Folglich hieß das von hier aus gelieferte Material "Bremer Stein" – eigentlich schade um die fast vergessene Bezeichnung und wirkliche Probleme mit den Bremern haben Hamburger ohnehin nicht…

5. Nun geht’s in die Praxis

Dass sich die Steinmetze der komplizierten Klassifizierung nach geologischen und erdgeschichtlichen Parametern lieber enthalten, wurde bereits erwähnt. Es gibt bei ihnen "nur" Weich- oder Hartgestein, allerdings mit vielen Abstufungen. Die bekannteste Abstufung ist die nach der so genannten Mohs-Tabelle. Die aber ist, da sie nur über 10 Härtegrade verfügt, schon recht grob: So ist in der Stufe 1 das weichste aller bekannten Materialien bezeichnet: Talk. Weiter oben in der Skala rangiert z. B. der Quarz mit dem Mineral Turmalin, und als härtestes aller Materialien wird der Diamant geführt. Diese Tabelle, die schon 200 Jahre alt ist, wurde von Herrn Mohs erfunden und so geführt, dass das in der Liste nächstharte das vorhergehende ritzt. Inzwischen gibt es eine erweiterte Mohs-Skala, die etwas feiner unterscheidet.

Geriffelt H
Geriffelt, H. Foto: Mehling Natursteinlexikon für Handwerk und Industrie

Die klassischen Bearbeitungsarten, die es seit den Ägyptern gibt, sind zwar heute noch bekannt und danach wird auch noch gelehrt und gearbeitet, jedoch könnte heute ein Grabmal komplett maschinell hergestellt werden. Selbst der Fachmann wird den Unterschied zum handgefertigten Grabmal kaum erkennen. Das ist a priori nichts Schlechtes, jedoch der Steinmetz – auch der in Ohlsdorf – sollte seinem Kunden zu erkennen geben, dass es sich um ein maschinell gefertigten Produkt handelt. Auch die Tatsache, dass in Indien hergestellte Grabmale – zum Teil jedenfalls – durch Kinderarbeit gefertigt werden, ist einigermaßen bedenklich. Nun gab es bereits eine Aktion, während der aufgerufen wurde, in Indien gefertigte Grabmale zu boykottieren – es war ein nicht gerade überwältigender Erfolg.

Gespitzt H
Gespitzt, H. Foto: Mehling Natursteinlexikon für Handwerk und Industrie

Zurück zu den handwerklichen Bearbeitungen. Wir erinnern uns, dass ein Weichgestein mittels eines (weichen) Holz-Knüpfels und ein Hartgestein mittels eines (harten) Eisen-Schlegels bearbeitet wird. So unterschiedlich wie die Materialien sind die Ergebnisse der Bearbeitung, wobei heute immer noch die Devise vorherrscht: Jede gute und fachgerechte Bearbeitung hat zum Ziel, eine gerade, ebene Fläche herzustellen. Entsprechend heißt es während der Ausbildung: Ist der Lehrling in der Lage, eine Fläche von etwa einem halben Quadratmeter gerade herzustellen und zu arbeiten, kann er alles. Merkwürdig, aber wahr. Und wenn das Material unterschiedlich ist, sind auch die Werkzeuge, die Bearbeitungen und die Ergebnisse dieser Bearbeitungsschritte unterschiedlich.

Gespitzt W
Gespitzt, W. Foto: Mehling Natursteinlexikon für Handwerk und Industrie

Eine gerade, ebene Fläche in einem Weichgestein wird in etwa so hergestellt: Zunächst wird der Bossen – das ist das grobe, überstehende und überflüssige Material – vom Rand her mit einem groben "Sprengeisen" an- oder abgesprengt. Die ungerade Fläche wird sodann mittels eines Spitzeisens grob "bossiert", danach wird ein "Schlag" gezogen, das ist sozusagen die Begrenzung der Fläche. Hierbei wird darauf geachtet, dass die Fläche eben hergestellt und nicht verdreht wird. Der übrige, in der Mitte stehende "Bossen" wird abgearbeitet, z. B. fein gespitzt, dann mittels einer "Zahnfläche" weiter abgearbeitet und danach scharriert. Das Scharriereisen ist ein bis zu 10 cm breiter Flachmeißel, der, wenn der Steinmetz mit dem Holzknüpfel drauflos schlägt, eine ca. 10 cm lange Rille hinterlässt. Aneinandergereiht ergibt das ein schönes Muster, und die Könner unter den Handwerkern arbeiten ein Muster, welches aussieht, wie mit der Maschine gefertigt. Die fertige Scharrur kann entweder als fertige Bearbeitung so belassen werden oder die Fläche wird geschliffen: Erst grob, dann mittelfein, dann fein. Oder, bei harten, polierfähigen Natursteinen, auch poliert. Einen wesentlichen Nachteil hat bei Weichgesteinen die Politur: Sie hält nicht, wie wir sagen. Was heißen soll, nach einigen Jahren schwindet – welch üble Laune der Natur – der Glanz…

Gestockt H
Gestockt, H. Foto: Mehling Natursteinlexikon für Handwerk und Industrie
Gezahnt W
Gezahnt, W. Foto: Mehling Natursteinlexikon für Handwerk und Industrie
Scharriert W
Scharriert, W. Foto: Mehling Natursteinlexikon für Handwerk und Industrie

Auch wenn sich die Bearbeitungen von Weich- und Hartgesteinen in gewisser Weise ähneln, im Detail gibt’s Differenzen. So werden bei dem Hartgestein die Meißel mit einem eisernen Fäustel oder Schlegel bearbeitet, auch gibt es keine "Zahneisen", keinen "Krönel", keine "Zahnfläche" und auch kein Scharriereisen. Ein sehr wichtiges Werkzeug bei der Bearbeitung von Hartgesteinen ist der so genannte "Stockhammer", zugleich ist dieser Ersatz für das fehlende Scharriereisen. Der Stockhammer ist ein unterschiedlich schwerer Hammer. In ihn werden an der Unterseite verschieden grobe und nachher feinere "Stockhammer-Platten" eingespannt. Ein Stockhammer sieht so ähnlich aus wie ein großformatiger Fleischklopfer. Man schlägt mit ihm auf den noch hervorstehenden "Bossen", wechselt die Stockhammer-Platte bis zur feinformatigen, mit 12x12 Spitzen versehene, ausgeformten feinen Platte. Der Stockhammer ist also für das Hartgestein das, was das Scharriereisen für das Weichgestein ist. Nachdem die Fläche des Hartgesteins fein gestockt ist, wird auch sie, wie ihre weiche Schwester, geschliffen: erst "geschurt", dann grob, dann fein geschliffen, und dann wird poliert. Natürlich gibt es für Weich- und Hartgesteine unterschiedliche Methoden des Schleifens und auch unterschiedliche Schleifmittel, allerdings führt das Beschreiben dieser Differenzen in die weite Welt der Fachleute, lassen wir denen das Privileg des Detailwissens und freuen uns über die vielen, so fabelhaft bearbeiteten Natursteine auf dem Ohlsdorfer Friedhof…

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