OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Hamburger Krematorium eins-zwei-drei

 - November 2003
Ausgabe: 
Nr. 83, IV, 2003

Wenn in Hamburg vom Krematorium die Rede ist, heißt es, genau zu unterscheiden. Und zwar muss man unterscheiden zwischen dem "Alten Krematorium", dem "Neuen Krematorium" und dem ganz neuen Krematorium.

Letzteres heißt offiziell "Hamburger Krematorium", liegt auf dem Gelände des Friedhofs Öjendorf im Hamburger Osten und ist das einzige Krematorium, das derzeit der Feuerbestattung in Hamburg dient.

Doch der Reihe nach: 1874 gab es erstmals in Hamburg einen Verein zur Förderung der Leichenverbrennung. Er versuchte jahrelang vergeblich, von der Bürgerschaft die Erlaubnis zur Errichtung eines Krematoriums zu erhalten. Erst einem 1883 neu gegründeten Feuerbestattungsverein wurde 1890 die Genehmigung erteilt. Allerdings durfte das Gebäude nicht direkt auf dem Ohlsdorfer Friedhof errichtet werden, sondern auf einem Grundstück außerhalb des Friedhofs an der Alsterdorfer Straße.

1892 wurde dieses Krematorium nach Plänen von Ernst Paul Dorn im neoromanischen Stil aus rotem Backstein mit weißen Zementputzflächen errichtet. Den Kern des Gebäudes bildet ein achteckiger Zentralbau mit Kuppel. An den Hauptraum im Innern des Achtecks, der den Trauerfeiern diente, schließen sich in einem kreuzförmigen Grundriss niedrigere Anbauten an, wovon der zur Alsterdorfer Straße zeigende Teil die Eingangshalle bildete. Die Krematoriumstechnik befand sich unterhalb des Hauptraums. Der unvermeidliche Schornstein des Krematoriums ist in einem zinnenbekrönten Turm verborgen, der an einen Campanile aus der Toskana erinnert.

Altes Krematorium
Altes Krematorium im Jahre 1896 (Foto: Archiv Museum Friedhof Ohlsdorf)

Auf dem parkartigen Gelände rings um das Krematorium gab es einen Urnenhain, der in den Jahre 1901 bis 1904 von Wilhelm Cordes, dem ersten Friedhofsdirektor in Ohlsdorf, angelegt wurde. Im Jahre 1933 wurde das "Alte Krematorium" stillgelegt, nachdem ein größerer Neubau auf dem Ohlsdorfer Friedhof fertig gestellt worden war. 1979 wurde auch der Urnenfriedhof aufgelöst. Das Gebäude des Krematoriums stand zwar seit 1980 unter Denkmalschutz, war aber anschließend ungenutzt und jahrelang Vandalismus und Verfall preisgegeben. Wie es schließlich zur Rettung und zum Erhalt des historischen Gebäudes kam, beschreibt Helmut Schoenfeld in seinen Beitrag auf Seite 21: 1998 eröffnete in dem Gebäude ein Restaurant namens Alsterpalais.

1930/1932 wurde das "Neue Krematorium" zwischen der Talstraße auf dem Ohlsdorfer Friedhof und der Fuhlsbüttler Straße durch den Oberbaudirektor Fritz Schumacher (1869 - 1947) errichtet. Schumacher war mit dem Wesen der Feuerbestattung und ihren baulichen Voraussetzungen gut vertraut. Schon das in den Jahren 1909/1911 in Dresden-Tolkewitz im Jugendstil errichtete Krematorium war nach seinen Entwürfen gebaut worden.

Die hoch aufragende mittlere Feierhalle des Ohlsdorfer Krematoriums betont die Symmetrie der Fassade an der Talstraße. Eine vorgelagerte Terrasse verbindet über eine breite Freitreppe den Bau mit dem Friedhof. Das ganze Gebäude ist in zeittypischer Klinkerbauweise erstellt und ähnlich wie das berühmte Chilehaus oder der Sprinkenhof in Hamburgs Altstadt mit reicher Baukeramik geschmückt. Die Terrakottaplastiken an der Fassade stammen von dem Bildhauer Richard Kuöhl (1880 - 1961), von dem es auch zahlreiche Grabplastiken auf dem Ohlsdorfer Friedhof gibt. Hohe expressionistische Parabelbögen sowie die vielteiligen farbigen Glasfenster von Ervin Bossanyi (1891 - 1975) geben dem Innenraum der großen Feierhalle einen sakralen Charakter.

Neues Krematorium
Neues Krematorium (Zustand im Jahre 1978) (Foto: Archiv Museum Friedhof Ohlsdorf)

1996 wurde der Einäscherungsbetrieb im "Neuen Krematorium" an der Talstraße eingestellt, weil die Technik der Rauchgasreinigung nicht mehr den Anforderungen der aktuellen Bundesimmissionsschutz-Verordnung entsprach. Die drei Feierhallen des Schumacherbaus werden vom Friedhof Ohlsdorf aber weiter genutzt.

Das ganz neue Krematorium, also das "Hamburger Krematorium" auf dem Gelände des Öjendorfer Friedhofs, in dem heute ausschließlich die Einäscherungen in Hamburg durchgeführt werden, wurde 1963/1965 erbaut. Von dem nach Entwürfen des Hochbauamtes der Baubehörde errichteten, architektonisch minimalistisch ausgestatteten Flachbau aus rotem Ziegelmauerwerk sieht der Friedhofsbesucher meist nur die Eingänge zu den drei zweckmäßig eingerichteten Feierhallen. Sehr stolz darf man in Öjendorf aber auf die ständig modernisierten Verbrennungsanlagen sein. Mit seinen fünf Öfen gehört das Hamburger Krematorium zu den modernsten und umweltfreundlichsten in Europa. Details beschreibt der Leiter des Krematoriums, Rolf Kuhles, in seinem Beitrag auf den folgenden Seiten.

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