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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Das Kapitänsgrab in Argentinien

Wie viele Kapitäne Ruth Schlüter aus Blankenese in ihrer Familie hat, weiß die 81-Jährige nicht so genau.

Es müssen ein rundes Dutzend sein. Einer starb im November 1914 in Argentinien. Sie wusste bisher nur, dass ihr Onkel in Puerto Martyn ertrunken sei. Wo und wie aber war er begraben worden? Als ihr Urenkel Goyo vor kurzem der Sache vor Ort nachging, war er überrascht. Er fand ein fast zwei Meter hohes verwittertes Holzkreuz auf dem eine mit einem Kreuz bekrönte, metallene Schrifttafel befestigt war: "Hier ruht Kapitän Johannes Aug. Scharfe vom D. Bahia Blanca, geb. 27.10.71 in Mühlenberg (heute zu Hamburg-Blankenese gehörend, d. Red.) gest. 19.11.1914". Als erster der großen Familie stand er am Grab seines Urgroßvaters im fernen Puerto Martyn. Wer ihm damals das Kreuz setzte, weiß man nicht. Scharfe war Kapitän bei der Reederei Hamburg-Süd und lag mit seinem Dampfer seit Beginn des I. Weltkrieges vor dem Hafen auf Reede. Beim Versuch, mit einem Boot das Land zu erreichen, kam er ums Leben. 43-Jährig in der Fremde begraben, kam er nun nach 86 Jahren zurück in das Gedächtnis der Familie, und wenn auch nur mit einem Foto seines Grabes in die reichhaltige Fotosammlung seiner Nichte Ruth Schlüter.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft In der Fremde begraben (Februar 2001).
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