OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

"Fern der Heimat - vereint in Gott": Schweizer Begräbnisstätte in Hamburg

 - Februar 2001
Ausgabe: 
Nr. 72, I, 2001

Seit Mitte des 19. Jh. war Hamburg neben Bremerhaven vorzugsweise der Ausgangspunkt für die einsetzende Auswanderungswelle nach Übersee.

Nicht nur Deutsche, auch andere Europäer zog es in die weite Welt, so auch Schweizer. Jedoch nicht alle wagten den Sprung nach Amerika, und so siedelten sie sich in Hamburg und Umgebung an. Ende des 19. Jh. entstand in der norddeutschen Hafenstadt dann die Kolonie der Schweizer. Für die Landsleute, die auch hier begraben sein wollten, gründete am 30. November 1899 der Schweizer Konsul Dür eine "Schweizerische Beerdigungskasse", die auf dem Friedhof Ohlsdorf eine Gemeinschaftsgrabstätte in L 14-15 erwarb und dort ein Gedenkstein errichten ließ.

Die Angehörigen der Schweizer Kolonie hatten damit die Möglichkeit, sich "Fern der Heimat vereint in Gott" - so auch die Inschrift des Gedenksteines - an einem gemeinsamen Ort beisetzen zu lassen. Auf dem Bronzerelief erscheint eine "letzte Fahrt" in die endgültige Heimat: In einem Kahn wird eine aufgebahrte Frau über den Vierwaldstätter See zur Friedhofskapelle gebracht, am Bug verkündet ein Knabe die Ankunft mit einem Alphorn. Die Genossenschaftsgrabstätte reichte einst bis zur Ringstraße, wo nunmehr die 1960 erweiterte Gärtnermeisterei steht. Die Anlage umfaßt heute 148 Grabstellen. Bestattet wurden hier u.a. Konsul Franz Dür (1860-1935) aus Burgdorf, Bildhauer Xaver Arnold (1848-1929) aus Triengen, und der deutsche Bundeswehrbeauftragte Karl Wilhelm Berkhahn (1915-1994), der mit einer Schweizerin verheiratet war. Bemerkenswert ist, dass auf älteren Grabsteinen immer der Heimatort des Verstorbenen verzeichnet ist.

Besondere Bildhauerarbeiten sind der gemeinsame Gedenkstein als rohbehauene Ädikula mit bronzener Reliefplatte von X. Arnold, der Findling für den ersten hier beigesetzten Schweizer, Johannes Aegeter aus Veltheim, das Grabmal für seine Frau Sophie von Xaver Arnold und das schmiedeeiserne Hinweisschild mit dem Nationalwappen der Schweiz. Arnold war mit dem Friedhofsdirektor Cordes befreundet und ist auf dem Ohlsdorfer Friedhof mit zwanzig Bildhauerarbeiten vertreten.

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