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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Grabsteine im Internationalen Maritimen Museum

In der Ausgabe Nr. 104 dieser Zeitschrift ist auf das Vorhandensein museal aufgestellter Grabsteine auch im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg hingewiesen worden.

Bei einem Besuch des Museums lässt sich feststellen, dass die Steine zwar dekorativ neben Anker und Schiffskanonen vor einer Mauerwand postiert wurden, aber ohne jegliche Erläuterung blieben. Falls jemand nach solch einer sucht, hier ist sie:

Der Gesamtaufbau der Stele für Kapitän Wilhelm Rumbaur, die erhabene Schrift und das Ornament sind zeittypische Elemente der Grabmalgestaltung, die in der Grabmalreform der 1920er Jahre ihre Wurzeln haben. Weltliche und berufsbezogene Ornamente in der Ausschmückung des Grabmals sind dafür beispielhaft. Das Schiff stellt einen stark stilisierten Rahsegler vom Typ einer Bark dar, deren Besanmast nicht zu erkennen ist. Die geschwellten Segel und angedeuteten Möwen könnten sich nicht nur auf die berufliche Tätigkeit des Verstorbenen beziehen, sondern auch auf den nahen (letzten) Hafen verweisen.

Bemerkenswert ist das Sterbedatum auf dem Grabstein von A. Heinrich Voß in Verbindung mit dem Sterbeort und der Schiffsdarstellung. Er verstarb gleich zu Anfang des Spanischen Bürgerkrieges in Gijon, einer nordspanischen Hafenstadt, die 1936 fast völlig zerstört wurde. Die Beisetzung in Hamburg erfolgte jedoch erst am 5.4.1939, kurz nach Beendigung des Spanischen Bürgerkrieges. Vermutlich war der Verstorbene in die kriegerischen Auseinandersetzungen verwickelt und konnte erst nach Kriegsende umgebettet werden. Die Abbildung zeigt ein Kriegsschiff, vermutlich das Panzerschiff "Deutschland" (1931 in Dienst gestellt und am 24. Juli 1936 erster Kriegseinsatz in Spanien) oder einen ähnlichen Schiffstyp.

Obwohl auf dem Grabmal Hansen der Typ eines Segelschiffes des frühen 16. Jahrhunderts, eine sog. Kravel oder Galeon, dargestellt ist und das Jahr 1752 genannt wird, handelt es sich bei diesem Stein nicht um ein historisches Exemplar. Es ist vermutlich 1955 gefertigt worden. Da die Jahreszahl mit dem dargestellten Schiffstyp zeitlich nicht in Einklang zu bringen ist und die Wappen zweier Hansestädte gezeigt werden, müssen familien- oder firmeninterne Gründe der Kaufmannsfamilie für diese Darstellung angenommen werden.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Katastrophen und Unglücksfälle (Mai 2009).
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