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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Ein "Garten der Erinnerung" für die Lockerbie-Katastrophe

Ende Januar dieses Jahres hat das Lockerbie-Drama von 1988 seinen juristischen Abschluss gefunden – und damit eine Katastrophe unvergleichlichen Ausmaßes in Erinnerung gebracht.

Auf dem Gelände einer ehemaligen Basis der US Air Force im niederländischen Zeist, das die Behörden für die Prozessdauer den Engländern als territoriales Gebiet überlassen hatten, waren von schottischen Richtern in 85 Verhandlungstagen 235 Zeugen gehört worden. Das Gericht verurteilte den 48-jährigen lybischen Angeklagten Abdelbaset Al Megrahi zu lebenslanger Haft, der mitangeklagte Al Amin Fhimah wurde freigesprochen. Die Kammer hielt es für erwiesen, dass Al Megrahi im Auftrag des lybischen Geheimdienstes in Malta den Koffer mit der Bombe aufgegeben hatte, die am 21. Dezember 1988 abends an Bord des PanAm-Fluges 103 (London–New York) über der südschottischen Ortschaft Lockerbie und ihren 2500 Einwohnersn explodierte. Dabei wurden alle 245 Fluggäste, die 14-köpfige Besatzung und elf Dorfbewohner in den Tod gerissen. Die Opfer aus 21 Nationen waren zwischen zwei Monaten und 82 Jahre alt.

Schon kurze Zeit nach der Katastrophe wurde ihnen in Lockerbie eine eindrucksvolle Gedenkstätte gewidmet. Auf dem örtlichen Friedhof entstand ein "Garten der Erinnerung". Mittelpunkt der Anlage ist eine Rundmauer mit einem Gedenkstein, auf dem die Namen aller Opfer verzeichnet sind. Die Mauer ringsum gab den Angehörigen Gelegenheit, individuell gestaltete Tafeln anzubringen. Ein beträchtlicher Teil der Passagierliste enthielt Namen junger Menschen, darunter allein 36 Studenten der Universität von Syracus. Aller Toten wird zudem in einem öffentlich ausgelegten "Buch der Erinnerung" gedacht.

Die Tragik der Familie Flannigan aus Lockerbie rief damals weltweit Erschütterung hervor: Die kleinen Brüder David und Steven verloren ihre Eltern, 44 und 41 Jahre alt, und ihre zehn Jahre alte Schwester.

Gut im Gedächtnis der Schotten ist das Verhalten von Königin Elizabeth II. geblieben: Sie ließ sich trotz unüberhörbarer Aufforderungen zum Besuch des "Gartens der Erinnerung" jahrelang Zeit damit.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Bildhauer und Grabmäler (Mai 2001).
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