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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Das Grabmal Friederichsen – ein weiterer Stein im Außenbereich des Friedhofsmuseums Ohlsdorf

Seit kurzem ist der Bereich des Friedhofsmuseums Ohlsdorf, in dem beachtenswerte Objekte der 1920er Jahre museal präsentiert werden, um ein Exemplar reicher geworden:

Eine schlichte Stele in den Maßen 135 x 96 cm aus Untersberger Marmor in sandfarbenem Ton und mit einem oben leicht dachförmigen Abschluss. Auf seiner Mitte weist ein abgebrochenes Metallteil auf einen ehemaligen Aufsatz wie z. B. Kreuz hin. Die Inschrift lautet

WALTHER FRIEDERICHSEN
GEBOREN 24. JUNI 1874
GESTORBEN 29. MÄRZ 1926

Grabmal
Das Grabmal Friederichsen vor dem Friedhofsmuseum. Foto: P. Schulze

Im unteren Drittel der Stele ist eine spitzbogige Nische herausgearbeitet worden und mit einem Relief geschmückt. Es stellt eine Lyra zupfende Gestalt mit wallendem Haar dar. Das gewählte Motiv lässt vermuten, dass die Gestalt den Minnesänger Walther von der Vogelweide aus dem Mittelalter darstellt und in Verbindung mit dem Verstorbenen (gleicher Vorname!) zu bringen ist. Die Kleidung und das dargestellte Musikinstrument lassen diesen Schluss zu. Die Stele lag Jahrzehnte lang mit ihrer Vorderseite auf der Grabstätte G 7, 54–55 und ist daher sehr gut erhalten. Das Relief trägt die Signatur H. Klugt. Diese steht für den Bildhauer und Grafiker Hugo Klugt (1879–1939), der mit weiteren Arbeiten auf dem Ohlsdorfer Friedhof vertreten ist. Seit 1910 war er bis zu seinem Tod mit einem Atelier in Hamburg präsent. Das Grabmal Friederichsen ist mit seiner real-figürlichen Darstellung eine der wenigen noch erhaltenen diesbezüglichen Ohlsdorfer Beispiele aus der Zeit der Grabmalreformbewegung der 1920er Jahre.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Seebestattung (Dezember 2014).
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