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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Mit der Hamburger Brahmsgesellschaft zu den Brahmsgräbern auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Zum 7. Oktober 2012 bat mich Frau Joachim von der Johannes-Brahms-Gesellschaft Hamburg um eine Sonderführung zu den sog. "Brahmsgräbern" auf unserem Ohlsdorfer Friedhof.

Dies kam nicht von ungefähr, da ich mich zusammen mit Ingrid Zinnow (†) von der Brahmsgesellschaft, jahrelang um die Lage der Gräber von Hamburgern gekümmert hatte, die mit dem Genie Johannes Brahms in unserer Heimatstadt Hamburg zusammenwirkten und ihm bei seiner Reife zum Weltkomponisten zur Seite standen. Gewiss, ich hatte ein wenig Lampenfieber, die Menschen, die sich seit Jahren mit dem Großmeister beschäftigen und sein Erbe in der renommierten Brahmsgesellschaft pflegen, über "unseren" Friedhof zu führen.
Vizepräsident Joachim Kossmann kam mit zwanzig "Wissenden". Um es vorweg zu nehmen: Es war ein Geben und Nehmen über drei Stunden.

Carolinengrab
Am "Carolinengrab": Hans-Jörg Mauss spricht über die rührende Zuwendung von Johannes Brahms zu seiner Stiefmutter.
Foto: Angelika Kossmann

Wir begannen am "Carolinengrab" nahe dem westlichen Haupteingang. So nenne ich den Obelisken der zweiten Frau von Vater Johann Jacob Brahms, Caroline Brahms, geb. Paasch (1824-1902). Auf diesen schlichten, aber herzenswarmen Menschen übertrug 1866 der schon weltberühmte Komponist von Wien aus eine rührende Familienliebe, nannte sie "meine liebe Mutter" und unterstützte sie finanziell großzügig. Dieses Grabmal* wurde 1999 von uns aus fast verschollenen Bombentrümmern heraus restauriert. Dann zum Grab von Theodor Kirchner (1823-1903). Auch hier eine Grabstätte, die ich 1996 wiederentdeckte, denn dieser Obelisk war nach vorn gefallen, im Boden versunken und nicht mehr sichtbar. Wie Archäologen gruben wir dieses Denkmal aus. Die Bronzeplatte mit dem Kirchnerporträt aber war verschollen. Über Prof. Dr. Sandberger von der Musik-Hochschule Lübeck erhielten wir glücklicher Weise einen Gipsabdruck, von dem wir einen Bronze-Neuguss* anfertigen lassen konnten. Im Jahr 2000 war das Grabmal wieder hergestellt.

Kirchner war ein Freund von Johannes Brahms und fertigte hervorragende Klavierfassungen der großen Brahms-Symphonien und des "Deutschen Requiems" an, vor Erfindung moderner Tonträger von eminenter Bedeutung für die kultivierte Musikwelt, da nun in Kleinstadt und auf dem Lande Brahms‘ Schaffen nachvollzogen werden konnte.

An den Gräbern von Julius von Bernuth (1830-1902), Dirigent der Philharmonischen Konzerte in Hamburg und Förderer des Komponisten ging es vorbei zu dem Jugendstil-Monument von Julius Stockhausen (1826-1906), dem Lebensfreund des Künstlers. Er sang 1868 die Bariton-Partie bei der Uraufführung des "Deutschen Requiem" im Bremer Dom. Dann kamen wir an den Gräbern der Brahmsfreunde Otto Beständig, Eduard Hallier und Martin Haller vorbei zum Grabmal des Dirigenten Hans von Bülow (1830-1894), der ab 1870 sozusagen ein Brahms-"Missionar" mit dem Dirigentenstab war. Sein Denkmal* wurde im Jahr 2001 restauriert. Nach vier Kilometern Wanderung besuchten wir zum Schluss dann das Familiengrab der Eltern des Musikers Johann Jacob (1806-1872) und Christiane (1789-1865), Bruder Friedrich (1835-1886) und Schwester Elise, verheiratete Grund (1831-1892) nahe Kapelle 10.

Brahmsgesellschaft
Mitglieder der Johannes-Brahms-Gesellschaft Hamburg, geführt von Hans-Jörg Mauss (rechts im Bild), am Familiengrab Haller.
Foto: Angelika Kossmann

Natürlich erschöpft ein Dreistundengang alle Teilnehmer – aber er bereichert auch. Wir alle haben in lebhaft-fruchtbarer Diskussion für uns selbst, aber vor allem für die Würdigung unseres Hamburger Genies Johannes Brahms gewonnen.

Anmerkung:
Die Restaurierung der mit * bezeichneten Grabstellen wurde weitgehend durch Spenden Mauss ermöglicht.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Grab und Landschaft (Februar 2013).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2019).