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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Felix-Graf-Luckner-Gedenkfeier am 22. 4. 2006

Bei strömendem Dauerregen trafen sich etwa 50 Personen am Grabe des Seeadler-Kapitäns auf dem Ohlsdorfer Friedhof anlässlich seines 40. Todestages.

Eingeladen hatte die Felix-Graf-von-Luckner-Gesellschaft aus Halle unter ihrem Präsidenten Matthias J. Maurer. Die Familie Graf Luckner war mit zehn Angehörigen vertreten, unter ihnen der Sprecher der Familie, Rechtsanwalt Friedrich Graf Luckner. Er war auch der erste Hauptredner, der seinen Großonkel als tatkräftigen, redegewandten, deutsch-nationalen Seeoffizier charakterisierte. Für die Generation von Felix Graf Luckner während und zwischen den beiden Weltkriegen hatte Luckner Vorbildfunktion, so dass es kein Wunder war, dass zu seiner Trauerfeier 1966 in der Michaeliskirche in Hamburg Tausende von Menschen kamen, die selbst in dieser großen Kirche nicht alle Platz fanden.

Matthias J. Maurer zeigte die wichtigsten Lebensabschnitte des Hilfskreuzerkapitäns und späteren unermüdlichen Friedensdiplomaten eigener Art auf, der besonders zwischen Deutschland und den USA erfolgreich Freundschaften vermittelte. Durch das Schicksal unseres Volkes in der "Parteiengunst und Hader zerstritten" wechselte die Deutung der Lebensleistung eines Luckner erheblich. Nun aber, sechzig Jahre nach Kriegsende, scheint sich ein klareres Bild seines Verdienstes herauszuschälen, und mit intensivem Einsatz versucht die Luckner-Gesellschaft eine posthume Ehrung in Halle, etwa durch Benennung einer Straße nach ihm, durchzusetzen.

Gedenkfeier
Gedenkfeier am Grabe des "Seeteufels" (Foto: Mauss)

Der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. war nicht unbeteiligt am Erfolg dieser Gedenkfeier. Deshalb sprach ich als Vorsitzender und berichtete über meinen direkten und indirekten Kontakt zu Felix Graf Luckner: So hörte ich 1937 als Junge zusammen mit meinem Luckner-begeisterten Vater den Grafen in Berlin bei einem seiner Abenteuervorträge à la Dichtung und Wahrheit. 1952 traf mein Schwiegervater Direktor Hans Weber mit Graf Luckner zusammen, und da beide eloquente Offiziere der gleichen Kriegsgeneration waren, entwickelte sich ein Briefverkehr. Es kam das Postkartenporträt des Seebären mit Pfeife in der linken Mundecke und Widmung "Ihr Seeteufel Felix Luckner".

1997 bereisten Inge und Hans-Jörg Mauss mit einem Wohnmobil sieben Wochen Neuseeland. Auf der Fahrt von Wellington nach Norden sahen wir rechts der Hauptstraße 1 bei Waiouru ein imposantes Museumsgebäude von der Größe des Hamburger Völkerkundemuseums, das "Army Museum, a History from 1840 to the 1990‘s". Und hier in der World War I - Collection plötzlich zwei etwa je 60 m2 große Räume, die nur dem "Helden" Felix Graf Luckner gewidmet sind. Seine Einsätze, seine Gefangennahme, seine Flucht aus dem neuseeländischen Lager. Wenigstens hundert Besitzstücke von ihm sind zu sehen, und man sieht verwundert, wie unterschiedlich Menschen das Wirken anderer Menschen beurteilen.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Technik und Friedhof (Mai 2006).
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