OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Der Museumsfriedhof von Kramsach in Tirol mit einer Sonderausstellung auf dem Museumsgelände vom Friedhof Ohlsdorf

 - August 2005
Ausgabe: 
Nr. 90, III, 2005

Bei einer meiner ersten Führungen über den Ohlsdorfer Friedhof im Jahre 1990 erzählte mir eine der Teilnehmerinnen, dass es im fernen Tirol einen bemerkenswerten „Friedhof ohne Tote“ gäbe, auf dem schmiedeeiserne Grabkreuze höchster Qualität zu sehen seien, darunter viele mit ernsthaften, aber auch sehr humorvollen Inschriften.

Jahre später konnte der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof nun Kontakt zu den beiden Hauptpersonen dieses Kramsacher Museumsfriedhofs, Hans Guggenberger und Martin Reiter, herstellen. Unsere Idee, eine Musterschau bei uns im Norden zu zeigen, zündete dort sofort. Erst sollte es die Geburtstagsüberraschung zu unserem 15. Gründungstag im August 2004 werden. Aber die finanziellen Mittel fehlten noch. Sponsoren aus Tirol und Hamburg machten die Sonderschau erst 2005 möglich.

Zum Pressetermin am 2. Juni erschienen offiziell der Tiroler Landtagsabgeordnete Hannes Staggl sowie Gotthilf Fischer, Leiter der Fischer-Chöre, selbst Sammler alter Grabkreuze und Freund von Hans Guggenberger und Martin Reiter. Der Norddeutsche Rundfunk sandte ein Fernsehteam und strahlte abends einen Bericht über „unsere Tiroler“ im Hamburg-Journal aus. Zahlreiche Zeitungen berichteten in den folgenden Tagen in Wort und Bild über die Ausstellung. Zum Presseempfang der Friedhofsverwaltung und des Förderkreisvorstands im Café Prinzeß wurden echt Tiroler Spezialitäten angeboten, denn die Gäste aus dem Süden hatten einen eigenen Koch mitgebracht, der zünftige Tiroler Speisen servierte, dazu spielte ein Tiroler Bergbauern-Trio: Tirol-Stimmung im hanseatischen Hamburg!

Museum
Schmiedeeiserne Grabkreuze vor dem Museum Friedhof Ohlsdorf (Foto: Schulze)

Die offizielle Ausstellungseröffnung war dann am 4. Juni während einer vierstündigen Regenpause mit Sonnenschein. Mindestens 250 Besucher kamen und standen mit ernsten, aber auch mit lachenden Mienen vor den Sinnsprüchen der Tiroler Grabkreuze, die das Schicksal der Verstorbenen teils in Ernsthaftigkeit, teils aber auch mit drastischem Humor schildern. Natürlich ist von einem „lustigen“ Friedhof nicht zu sprechen, denn viele der Verse sind eigentlich unbeholfen und erwecken nur dadurch den Eindruck des Ulkigen. Hierher gehört auch der Spruch „Hier ruht mein lieber Arzt und alle, die er heilte, neben ihm“. Gemeint ist, dass er seine Patienten oft heilte, aber nach Jahren kommt dann doch der Tod zu Arzt und Kranken, und dann liegen sie eben auf dem engen Dorffriedhof nebeneinander. In dieser Weise sind viele der drastischen Todesverse entstanden und machen für uns Heutige diesen Reiz zwischen Ernst und Humor aus.

Der Gegensatz des deutschen Sprachgebietes tief im Süden in Tirol und hoch im Norden in Hamburg zauberte einen weiteren, besonderen Reiz. Das empfand man nicht nur bei dem Tiroler Dialekt der Grabsprüche – auch bei den Ansprachen und Unterhaltungen spürte man das Gemeinsame und zugleich die Ferne unserer deutschen Sprache. Inzwischen sind einige Wochen ins Land gegangen, der Reiz dieser Ausstellung hat sich herumgesprochen. Allein während der wöchentlich 12-stündigen Öffnungszeit des Museums Friedhof Ohlsdorf wurden 1500 Besucher gezählt. Aber auch außerhalb dieser Museumszeit wird ein Strom von Besuchern, der nach Tausenden zählt, von den im Außenbereich des Museums aufgestellten Objekten angezogen. Damit ist das Förderkreiskonzept voll aufgegangen: Wir wollten zeigen, dass Sepulkralkultur nicht nur einen Spezialkreis, sondern auch breitere Schichten der Bevölkerung ansprechen kann. Die Ausstellung läuft noch bis zum 31. Oktober 2005.

Heft-Rubrik: 

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