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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Baumgestalten besonderer Art: Auffälliges, Kurioses, Nachdenkliches

Anm. d. Red.: Bei den folgenden Passagen handelt es sich um Auszüge aus dem neuen Buch von Helmut Schoenfeld: Bäume in Ohlsdorf, Bremen 2012, S. 209-227. Helmut Schoenfeld selbst merkt dazu an: Wer aufmerksam über den Parkfriedhof wandert und seine Blicke auch nach oben und seitwärts in den Baumbestand hineinschweifen lässt, der entdeckt Dinge, die zur Fantasie anregen, aber doch ganz real sind. So ist es dem Verfasser bei der Suche nach dendrologischen Besonderheiten ergangen. Vielfältiger als man annimmt ist die Gestalt der Bäume und formenreicher, als der Baumkenner sie botanisch korrekt beschreibt, meist hervorgerufen durch äußere Einflüsse wie Windbruch oder die Konkurrenz mit Grabsteinen und anderen Bäumen. Unterstützt durch Licht und Schatten im Wechsel der Tageszeiten strahlen diese Baumgestalten eine nicht beschreibbare Faszination aus. Bei genauem Hinschauen erschließt sich dem Betrachter eine märchenhafte Welt. Von seiner Fantasie kann man sich dann treiben lassen oder im Folgenden nachlesen, was ein anderer empfunden hat.

Es waren einmal eine Schwarz-Kiefer und eine Stiel-Eiche. In respektvollem Abstand wuchsen sie in die Höhe, und jeder bildete einen schönen geraden Stamm, so wie es ihre Art ist. In der Borke zwar etwas verschieden, aber dennoch etwa gleich in der Stärke ihres Stammes. Wer sie hier einst so gepflanzt hat, ist nicht bekannt. Es mag Zufall gewesen sein. Und dieser war auch zur Stelle, als die Eiche in drei Metern Höhe einen Ast wachsen ließ, der genau waagerecht und auch genau an der Kiefer vorbei sich entwickelte. Dabei bekamen die beiden innigen Kontakt und berühren sich immer noch, so als ob die Eiche der Kiefer bei leichter Umarmung als Stütze dienen wollte. Wie man sieht, hat die Eiche die Last zu tragen: Wahrscheinlich steht sie deshalb nicht mehr ganz lotrecht. Obwohl beide leichte Schürfwunden davontragen, sie sind kerngesund. Und wie ist es bei Wind und Sturm? Reiben sie sich dann aneinander und erzählen sich mit den entstehenden Geräuschen das Geheimnisvolle ihrer Begegnung? In leichter Abwandlung des Gedichtes "Waldlied" könnte man auch Gottfried Keller sagen lassen: Arm in Arm und Kron’ an Krone steht der Eichenbaum verschlungen; heut hat er bei guter Laune mir sein altes Lied gesungen. Zusehen und Zuhören kann man den beiden am Beginn der Kapellenstraße gegenüber den Bushaltestellen am Fußgängereingang. Auf sie wird auf dem Rundweg Nr. 1 gleich zu Anfang hingewiesen.

Umarmende
Eine Eiche umarmt den Stamm einer Kiefer. Foto: Schoenfeld

Folgt man der Buchenreihe nördlich der Kapelle 1, aber auf der anderen Seite entlang der Straße, so trifft man beim letzten Grab auf eine Hänge-Buche, die dem benachbarten Stein BARSDORF seinen Platz streitig macht. Fast 100 Jahre kennen sie sich nun schon und der Kontakt an der Stammbasis wird immer enger, aber auch aufdringlicher. Mit faustartigen Wurzelausstülpungen nimmt der Baum den Grabstein in die Zange und schiebt ihn so allmählich von seinem Fundament. Den lotrechten Stand hat er bereits verloren. Wie schnell werden die Ausstülpungen wachsen und wann kippt der Stein? Irgendwann besiegt Natur das Menschenwerk.

Meist unbemerkt bleibt auf dem Rundweg Nr. 4 in R 23 und in der Nähe eines Schöpfbrunnens eine Kuriosität an der rechten Wegseite: Dem Erdboden entwachsen eine Lärche mit einem Stammumfang von 200 cm und zwei armdicke Efeustämme. Nur für eine kurze Länge sind sie durch den Sockel eines alten Grabsteins getrennt, um alsbald sich innig zu vereinen. Der Efeu, als Symbol der Unvergänglichkeit, umschließt den gesamten Lärchenstamm bis zu seiner vollen Höhe. Wie man sieht, vertragen sie sich recht gut, und setzte man an die Stelle der Lärche eine Eiche, so wäre der jung verstorbene Dichter Theodor Körner zu zitieren, als er in seinem Trauerspiel Zriny von der Frau dichtete: "die ihrer Liebe zarte Efeuranke um eine kühne Heldeneiche webt". Am Fuß des Baumes knospt ein kleines Stechpalmenbäumchen und sieht diesem Treiben neugierig zu.

Eine "Parallelverschiebung" praktizieren Grabmal und Baum auf der Grabstätte NOAH: Einträchtig neigen sich beide, eng auf Tuchfühlung geschmiegt, beträchtlich zur selben Seite. Bis oberhalb des fast 2 m hohen Steins behält der Baum die gewählte Zu-Neigung bei, dann verzweigt er sich in vier aufrechte Leitäste. Etwa um 1916 wurde der behauene Felsen aufgestellt und wohl auch gleich nebenan die Hemlocktanne gepflanzt. Nunmehr hat sie es zu über 200 cm Stammumfang gebracht. Bemerkenswert ist die Haltung des Baumstammes in Höhe der obersten und untersten von drei bronzenen Namenstafeln. Es sind die der beiden Schwestern, die Friedrich Noah nacheinander zur Frau genommen hat und hier begraben sind, so die Inschriften. Und nur hier, an diesen beiden "weiblichen" Stellen berührt der Baum den Stein. Welch eine Fügung an der Fuge zwischen Baum und Stein!

Birke
Zwölfstämmige Birke. Foto: Schoenfeld

Eine zwölfstämmige Sand-Birke hat sich oberhalb des Uferrands eines der Perlenteiche angesiedelt. Sicher war es Zufall, dass vermutlich nach Absterben einer "Mutterbirke" sich diese Anhäufung hier entwickelte, denn alle Stämme haben das gleiche Alter und annähernd auch den gleichen Stammumfang. Auffällig ist der ungewohnte Pulk der "Kinderbirken" immerhin, er lädt zum Nachdenken ein: So ist die Zwölf die letzte Zahl, die ausgeschrieben wird; sie ist in der Mathematik die Basis für Zahlen- und Maßsysteme; sie ist eine Zahl mit vielen Teilern und unterteilt die Oktave in gleiche Halbtöne; sie spielte in früheren Hochkulturen eine Rolle, ist Bestandteil der griechischen und germanischen Mythologie. Jesus hat zwölf Jünger auserwählt und sie als Apostel eingesetzt. Obwohl wir im Dezimalsystem rechnen, das Jahr hat weiterhin zwölf Monate und der Tag zweimal zwölf Stunden. All dies wäre Anlass zum Nachzählen auf dem Rundweg Nr. 5. Zufall hin, Zufall her, zwölf Birken hier an dieser Stelle stimmen nachdenklich.

Als einen hochbeinigen "Kiefernsessel" mit Blick nach NW oder auch als Symbol für die weltliche Dreieinigkeit könnte die Tränen-Kiefer bezeichnet werden, an der man auf dem Rundweg Nr. 5 vorbeikommt. In etwa 80 cm Höhe muss dieser Baum wohl einst gekappt worden sein. Dieser Schnittstelle entsprossen dann drei gleichstarke Äste, die nunmehr trichterförmig nach oben weisen, ebenfalls 80 cm misst ihr jeweiliger Umfang. Das auch als Hochsitz oder Kletterbaum für Kinder geeignete Gebilde ist zwischen den beiden letzten Teichen am Ende der Südallee zu finden.

Knorrig, knorriger, am knorrigsten: Diese ausdrucksstarke Beschreibung trifft auch für die alte Hänge-Buche über dem Grab PEDERSEN zu. Früh in ihrem 100jährigen Leben ist ihr in etwa zehn Meter Höhe der Leittrieb ausgebrochen. Danach hat in dieser Höhe ein Gewirr von Seitenästen die Führung übernommen und sich zu einem mächtigen, knorrigen Geäst entwickelt. Die gewundenen Formen wussten anfangs wohl nicht recht, in welche Richtung sie wachsen sollten. Erst am Kronenrand neigen sich ihre Zweige deutlich dem Erdreich zu. Und hätte man nicht zwischenzeitlich die starken Zweige gekappt, es wäre wohl eine Buchenh(l)aube aus ihr geworden. Besonders im unbelaubten Zustand entdeckt man auf der dunkelgrauen Borke kleine und große Knubbel, an anderen Stellen eine leichte, grüne Bemoosung, und wenn man länger hinschaut, erschließt sich dem Betrachter auf den Stammoberflächen eine fantastische Welt von urigen Formen, seltsamen Farbspielen und Zeichnungen. Man könnte annehmen, es sei eine Süntel-Buche, eine geheimnisumgebene Varietät der heimischen Rot-Buche. Leicht zu finden ist der knorrige Baum am Ende des Rundweges Nr. 6 in der Nähe des Bestattungsforums, dort an der Ecke, wo die Fußwege des Nebeneinganges und der Talstraße sich treffen, zu betrachten am besten von seiner Nordseite.

Eiche
Alte Eiche bei Kapelle 8. Foto: Schoenfeld

Eine Holzbank für Riesen oder wieder ein Kletterbaum für Kinder? Eine Stiel-Eiche bietet beides und wo? Dort wo der Stille Weg den Westring kreuzt, gleich neben der Bushaltestelle. Der Stammumfang der Eiche misst an der Basis gewaltige vier Meter. Und schon in einer riesengemäßen Sitzhöhe zweigt fast waagerecht ein Ast ab, der mit seinem anfänglich 250 cm Umfang und folgendem Geäst etwa zehn Meter weit über den Rasen auslädt. Und das ohne Stütze, ein Wunder der Statik! Wie kann die Natur so etwas leisten, konstruieren, ohne es je statisch berechnet zu haben? Diese außergewöhnliche Wuchsform hat womöglich hier schon vor der Anlage des Friedhofs gestanden. Ein Alter von 150 bis 200 Jahren muss dieser Baumplastik wohl zugesprochen werden. Sie ist ein bemerkenswertes Entree vor der märchenhaften Kulisse des hier beginnenden Waldteils des Friedhofs. Ein einst ebenso gewachsenes Exemplar steht auf der anderen Seite des Stillen Weges. Beide sind Bestandteile des Rundweges Nr. 7.

Magnolie
Gurken-Magnolie am Nordteich. Foto: Schoenfeld

Es ist nicht nur die Einzigartigkeit einer gelblühenden Gurken-Magnolie, die am Nordteich am Rundweg Nr. 7 sehr augenfällig eine ungebremste Vitalität auslebt. Es ist auch die von Menschen erdachte Konstruktion, mit der sie seit Jahrzehnten bestens überlebt und ihr Blätterdach über dem Wasser schweben lässt. Eine zweibeinige stählerne Stütze ermöglicht diese Schau. Wann der Baum Hilfe erhielt, ist nicht bekannt, aber die Magnolie bleibt trotz ihrer horizontalen Lage weiterhin "die stolzeste unter ihresgleichen", wie der Dendrologe Gerd Krüssmann diese Baumart einst beschrieb. Diese Beschreibung kann in dieser Schräglage natürlich nicht passen. Er meinte natürlich ihren arteigenen pyramidalen Wuchs, mit dem sie normaler Weise eine Höhe von bis zu 30 m erreicht. Zwei solcher gewaltigen, aufrechten Exemplare sind in Hamburg im Alten Botanischen Garten oberhalb des Gewächshauses und in der Parkstraße nahe der Elbchaussee zu entdecken.

Es ist nicht einfach, das Stammgewirr mehrerer aufwärts strebender Bäume bei Kapelle 2 optisch zu entflechten: Aus einer gemeinsamen Basis entspringen in unterschiedlichen Höhen sechs mächtige Stämme der Stiel-Eiche. Hinzu kommen drei Weiß-Buchen, die sich stützend, durchschlängelnd oder auch nur anlehnend der Eichen bedienen. Als Überbleibsel eines alten Knicks mögen sie hier von Jugend an ein gemeinsames Leben miteinander führen. Sie vertragen sich gut und bilden ein gemeinsames Kronendach mit 20 m Durchmesser. Diese Lebensgemeinschaft ist zu entdecken direkt an der Nebenallee, etwa 90 m von der Kapelle entfernt in westlicher Richtung am Rundweg Nr. 7.
Begibt man sich in die sehr schattige Allee der Hänge-Buchen am T-Teich, wähnt man sich wie in einem nicht beleuchteten Tunnel. Sein Ende sieht man zwar, aber das Konstrukt des Geästes über sich bleibt einem im Dunklen so gut wie verborgen. In einem Falle jedoch, dort wo vor Jahren ein Baum gefällt werden musste, legt die Lücke eine wundersame Verästelung frei. Gewaltige silbrige Äste wachsen in die Höhe, um alsbald wieder sich dem Erdboden zuzuwenden. Das Auf und Ab wird von anderen Ästen waagerecht durchkreuzt. Sie kommen dabei auf Tuchfühlung, scheuern sich ein wenig und verdünnisieren sich dann in dicht belaubte Zweige. Sie drängen dann konsequent senkrecht nach unten, bis aufs Erdreich, im Bereich der Uferböschung sogar tiefer als die Basis des gewaltigen Stammes. Dass die Zweige dort nicht Wurzeln schlagen, mag wohl dem Wind zu verdanken sein, der die Zweig-enden in Bewegung hält. Der kaum zu entwirrende Verlauf des Geästes ist nahe der Ecke Z-Teich/T-Teich beim Linne-Denkmal zu finden.

In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es ein Rätsel zu entdecken: Ein Hinweis auf ein Baumgrab? Mystisch anmutende Zeichnungen, eingeritzt in den silbrigen Stamm einer Hänge-Buche lassen Bemerkenswertes vermuten. Doch die eingeritzte Jahreszahl 2000 und das Wissen um das Alter der hier in den 1920er Jahren gepflanzten Bäume führen zur Realität zurück. Hier haben Baumfrevler ein überflüssiges Handwerk ausgeübt, von dessen Ergebnis dennoch eine Faszination ausgeht.

Der meist befahrene Straßenabschnitt auf dem Friedhof ist die Mittelallee zwischen Kriegerallee und Linnestraße, kaum ein Fußgänger benutzt hier den Fußweg. Und so wird niemand aufmerksam auf einen Berg-Ahorn, der einmalige Aus- und Durchblicke zu bieten hat. Unweit der rostbraunen Metallplastik steht er. In seiner Kindheit waren es zwei Stämmchen, die eng miteinander aufwuchsen und nunmehr einen Stammumfang von etwa 300 cm aufweisen. Dann haben sie sich getrennt, um sich nach 40 cm wieder zu vereinen. Übrig geblieben ist ein hochovales Guckloch in passender Augenhöhe des Betrachters. Der Blick hindurch nach Osten fällt in gerader Linie hinter den Kastanienbäumen auf den Mittelstreifen der Mittelallee. Wäre da nicht der Baumbewuchs, man könnte vermutlich in der Ferne die Kapelle 13 ausmachen. Die Weisung eines Kompasses bestätigt die genaue Ostrichtung. Der Blick in die entgegengesetzte Richtung lässt zunächst nur eine grüne Blätterwand mit etwas Himmel und hellem Vordergrund erkennen. Bei genauem Hinsehen bemerkt man in nicht allzu weiter Entfernung einen echten Tulpenbaum. Bis unten hin ist er beastet, so dass Blätter und Blüten gut in Augenhöhe betrachtet werden können.

Ein ähnliches Zusammenspiel von Baum und Stein ist auf der Grabstätte SCHULDT zu beobachten. Eine mächtige Weide mit 160 cm Stammumfang stützt sich auf eine Stele und nimmt sie quasi zwischen Wurzel und Ast in die Zange. So stellt sich die Situation von vorn dar. Von rückwärts geschaut, ergibt sich ein anderes Bild: Dämonengleich stülpt sich dieser Ast wie ein tierisches Gebilde mit seinem Maul über eine Ecke des Grabsteins. Unterstrichen wird dieser Eindruck von der Form des Stammes, der an dieser Stelle sich kopfartig erweitert, ein Astloch als Auge erscheinen lässt und geweihartig von drei aufwärts gerichteten Ästen bekrönt wird. Die grobrissige Borke der Weide, hell und dunkel schimmernd, trägt wesentlich zu diesem dämonischen Erscheinungsbild bei. Zu finden ist dieses Zweigespann im Grabfeld AG 42. Man erreicht es vom Eingang Kornweg aus, wenn man dem nach Osten verlaufenden Hauptweg knapp 200 m folgt. Nach dem dritten Schöpfbecken (links) sind es noch etwa 20 Meter, bis rechterhand der helle Stein STUDT zu sehen ist. Hier den Weg nach links verlassen und halbrechts in das Grabfeld blicken und das Zweigespann ausfindig machen.

Madaus
Grabmal Madaus zwischen zwei Zypressenstämmen. Foto: Schoenfeld

In den 1960er Jahren wurde von der Familie Gerhardt MADAUS ein Urnengrab erworben, und der Ort mit einem bescheidenen Grabstein markiert. Drei Wörter waren die Zutaten, sonst nichts weiter, keine Daten, kein Schmuckwerk. Oder waren die seitlich gesetzten Zypressen der gewünschte Schmuck der Hinterbliebenen? Keiner weiß es. Das Nutzungsrecht am Grab ist längst abgelaufen und eigentlich müsste der Stein abgeräumt und "entsorgt" werden. Aber da hat die Friedhofsverwaltung die Rechnung ohne die beiden Bäume gemacht. Sie haben sich ein Bleiberecht erworben und sind zu stattlichen, schlanken Bäumen herangewachsen. Dabei halten sie den Stein fest im Griff. Sie lasten auf ihm, wollen ihn nicht hergeben. Zu entdecken in der Nähe der polnischen Kriegsgräber bei Kapelle 13, von der nördlich verlaufenden Sorbusallee kommend bis zum breiten Weg und dann 30 m rechts.

Kappt man einen Baum in seiner Jugend, so treibt er vornehmlich an der Schnittstelle mehrtriebig wieder aus. Im Alter können die so entstandenen Stämme in ihrer Anordnung ein ungewöhnliches Bild ergeben. So geschehen auf dem jüdischen Friedhof im südlichen Grabfeld N 2 am Beginn des Mittleren Weges. Nähert man sich auf dem beschriebenen Rundweg Nr. 10 den Grabsteinen SCHUSTER und PEYSER von hinten, so erhebt sich zwischen den beiden der Stamm einer mächtigen Scheinzypresse. In einer Höhe von 130 cm teilt er sich in sieben, fast parallel nach oben gestellte Äste. Einem vielarmigen segnenden Priester gleich, erheben sie sich nebeneinander in die Höhe. Oder sind sie einer Menora nachempfunden, einem siebenarmigen Leuchter, ein wichtiges Symbol des Judentums?

Auf einen langen, aber zielgerichteten Weg hat sich das Stammholz von Rot-Buchen und Rosskastanien begeben. Die Bäume säumten einst das Gemäuer des wuchtigen Mausoleums Baron von Schröder gegenüber der Kapelle 7. Sie mussten 2009 gefällt werden, da sie das Fundament erheblich beschädigt hatten und dieses saniert werden sollte. Der jetzige Besitzer wollte sich jedoch nicht endgültig von ihnen trennen und entwickelte die Idee der Weiterverarbeitung u. a. zu außergewöhnlichen Möbeln durch hamburgische Künstler. Etwa 21 Kubikmeter Holz wurden gewonnen, trocknen z. Zt. fachgerecht in einem Spezialbetrieb und warten darauf, zu Bohlen aufgeschnitten zu werden, um dann in anderer Gestalt eine neue Funktion zu übernehmen. Das ehrgeizige Vorhaben steht als Symbol für Nachhaltigkeit und Kreislauf von Leben und Tod auf dem Friedhof.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Bäume in Ohlsdorf (November 2012).
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