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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Schriften für Grabmale - Eine kurze Beschreibung der Entwicklung der Schrift

Schrift ist spannend – finde ich.
Finden Sie nicht?
Ich habe mich seit meinem 16. Lebensjahr mit Schrift befasst.
Schrift ist spannend. Lesen Sie selbst...

Anlässlich eines etwas weiter gespannten Vortrages sagte ich einmal: Schrift, die wichtigste Erfindung der Menschheit. Das ist natürlich falsch, denn Schrift ist keine Erfindung, sondern sie ist einer besonders langen Entwicklung unterworfen. Auch bemerkenswert, dass erst kürzlich im Fernsehen unter den zahlreichen genialen Erfindern, Politikern und vielen Geisteswissenschaftlern ausgerechnet Johannes Gutenberg (um 1400-1468) als wichtigster Deutscher den 1. Platz errang. Chapeau. Allerdings hatte Gutenberg mit "unseren" Steinschriften nur sekundär etwas zu tun, denn er erfand den Buchdruck mit einzelnen Bleilettern.

Sehr viel später widmete sich der nicht minder geniale Prof. Carl Faulmann (1835-1894) der "Geschichte der Schrift". In seinem opulenten Werk untersuchte und erforschte er die "Schriftsysteme aller Völker der Erde". Das sind tatsächlich mehr als 150 und, wenn man bedenkt, dass ein wesentlicher Teil z. B. der westlichen Weltbevölkerung sich des gleichen Schriftsystems bedient, umso mehr. Und er widmete sich gar in einem – wenn auch kurzen Artikel – der "Mutter" unserer Steinschriften, der Kapitalis Quadrata.

Stammbaum
Stammbaum der Schriftentwicklung von der Antike bis heute
Foto: Hammond-Norden

Tatsächlich gab es Schriften – auch Steinschriften – schon sehr viel früher als bei den Römern, allerdings verhalfen ausgerechnet die Römer der Schrift zu einer besonderen Kultur und Blüte. Wenn ich sage "viel früher" müssen wir nur an die Runen der Germanen und die Bildschriften der Ägypter denken, auch die Phönizier und die Griechen bedienten sich der geschriebenen Schrift, ganz zu schweigen von östlichen Völkern. Allen voran die Chinesen mit einer kaum übersehbaren Vielzahl von verschiedenen Typen und Arten.

Wenn wir uns hier mit Schrift befassen, so wollen wir mit der römischen Schrift beginnen und verschiedene Entwicklungsschritte bis heute begehen. Auch wollen wir uns im wesentlichen mit dem "Wie" (steht es auf den Grabmalen) befassen und nicht mit dem "Was" (ist zu lesen). Um die Sache genauer zu definieren, müssen wir unterscheiden zwischen Schriftart und Schrifttype. Unter der Schriftart verstehen wir, wie die Schrift gearbeitet wird, also vertieft graviert, erhaben ausgearbeitet, in Blei, um nur einige der wichtigsten Vertreter der unterschiedlichen Schrifttechniken zu nennen. Mit Schrifttype wird die Form der einzelnen Buchstaben definiert. Hier ist die Vielfalt noch größer, besonders wenn wir die Druckschriften betrachten. Ich will mich hier also vornehmlich mit Schrifttypen ab dem Jahre 0 beschäftigen und auch hier in großen Zeitsprüngen. Wie wir in dem Stammbaum der Schriften sehen, ist die älteste und zugleich eine der schönsten die römische "Kapitalis Quadrata". Die Römer schlugen sie in das Material, nachdem der Text mit dem Pinsel direkt auf den Stein geschrieben wurde. Die so genannten Serifen, also die runden Endungen der Buchstaben entstanden durch das Werkzeug der Steinmetzen und trugen so zu einem gewissen Wiedererkennungswert der Kapitalis bei.

Kapitales
Römische Kapitalis-Inschrift. Im Kreis: Serife
Foto: Hammond-Norden

Zahlreiche Schriftsachverständige, Künstler, Schriftschreiber und Grafiker haben sich mit dem Wesen der Schrift und der Form der Buchstaben befasst – zwei davon will ich nennen:

Bunz
Schriftentwurf von Werner Bunz
Foto: Hammond-Norden

Bereits im Mittelalter hat sich Albrecht Dürer Gedanken um die Konstruktion der einzelnen (römischen) Buchstaben gemacht, er entwarf den „Dürerschen Schlüssel”, wonach alle Buchstaben in das von ihm noch vielfach unterteilte Quadrat passen würden bzw. aus demselben heraus entwickelt werden. Sehr viel später, nämlich in der Jetztzeit war es der kürzlich verstorbene Prof. Werner Bunz, der sich der Kapitalis intensiv widmete. Ob es der "Dürersche Schlüssel" war, den er weiter entwickelte, kann ich nicht sagen, jedenfalls sind seine Konstruktionen kleine Kunstwerke für sich. Welch ästhetische Qualität erst ein gravierter Buchstabe hat, zeigt eine Abbildung. Vielen von uns dürfte eine Schrift von Bunz bekannt sein: Er entwarf und zeichnete die Schrift für die Grabplatte von Gustaf Gründgens.

graviert
Gravierter Buchstabe
Foto: Hammond-Norden

Eine interessante Episode ergibt sich bei der Betrachtung unserer Ziffern und Zahlen. Obwohl wir im europäischen Raum die römische Schrift benutzen und auch weiter entwickelten, konnten wir uns mit den römischen Ziffern nicht so recht anfreunden. Dabei ist es auf den ersten Blick ein genial einfaches System: I=1, II=2, V=5, VII=7, X=10, XXX=30 usw. Allerdings mit einigen erheblichen Nachteilen: Eine Kolonnenaddition, ebenso wie die uns bekannte Bruchrechnung ist mit diesem System nicht möglich. Schon gar nicht ließ sich mit den römischen Zahlen Mathematik betreiben. Warum nicht? Es fehlt die für die Mathematik wichtigste Ziffer: die Null. Besonders in der heutigen Zeit der Computer ist die Null (neben der Eins) die wichtigste digitale Einheit: Ausschließlich aus Nullen und Einsen setzen sich sämtliche Dateien zusammen. Also bei den Römern keine Null, so wandten wir uns den Arabern zu. In ihrem Zahlensystem gibt es außer der Null auch alle noch heute gebräuchlichen Zahlen. Jedoch, in einem kleinen Teil werden noch heute römische Ziffern verwendet: Auf Uhren. Bei (vornehmlich) Schweizer Uhren sagen uns noch heute die römischen Ziffern, was die Stunde geschlagen hat.

Uhr
Kirchturmuhr mit römischen Ziffern
Foto: Hammond-Norden

Auf dem Schriftenstammbaum überspringen wir die Unziale, nebst Halbunziale und Karolingischer Minuskel. Ohnehin fristet die Unziale als klerikales Anhängsel ein eher rudimentäres Nischendasein. Wichtiger sind die gotischen Schriften mit ihren verschiedenen Unterarten. Vielfach wurden sie „Deutsche Schriften” genannt, auch die Bezeichnung "Kirchenschrift" ist bekannt, gleichwohl treffen beide Begriffe nicht den wahren Kern.

gotisch
Schwarze Glasplatte mit gotischer Schrift
Foto: Hammond-Norden

Noch im 15. Jahrhundert war die Gotik die vorherrschende Stilrichtung in Kunst und Architektur, so also auch in der Schrift. Im wesentlichen unterschied man hier die (rein gotische) Textur, die Rotunda genannte rundgotische Schrift, die Schwabacher und die Fraktur. Als Beispiel möchte ich hier schon einmal verschiedene gotische Schriften auf Grabmalen zeigen: Vertieft gesandstrahlt in eine Schwarzglasplatte, erhaben ausgearbeitet und als in einer Einheit gegossene Bronzetafel.

gotisch erhaben
Gotische Schrift, erhaben ausgearbeitet
Foto: Hammond-Norden

Ursprünglich wurden alle Texte mit der Feder oder dem Pinsel geschrieben, denn gerade die gotische Schrift eignet sich für diese Schreibtechniken besonders gut. Eines allerdings ist nahezu allen gotischen Schriften gemeinsam: Sie sind viel schlechter lesbar als die lateinischen (römischen) Schriften, besonders die mit Versalien und Minuskeln empfinden wir als gut lesbar. Ganz abgesehen davon, dass die jüngere Generation die gotische Schrift gar nicht mehr lesen kann. Schon unsere Kinder haben Probleme mit Büchern, in denen der Text gotisch gesetzt wurde, unsere Enkel gar stehen verständnislos vor dem gedruckten Elaborat und sagen: "Opa, was steht denn da, übersetz doch mal..."

Bronzeguss
Gotische Schrift, in Bronze gegossen
Foto: Hammond-Norden

Eine weitere Episode muss erwähnt werden: der so genannte Antiqua-Fraktur-Streit. Martin Luthers deutsche Bibel wurde noch in der volkstümlichen, gebrochenen Schrift, der "Schwabacher" gesetzt. Einerseits um sich gegen die "Textur der römischen Kirche abzugrenzen, andererseits auch gegen die humanistische Antiqua".

Am Anfang des 16. Jahrhunderts entstand am Hofe des deutschen Kaisers Maximilian I. die Fraktur. Es bildete sich sodann die deutsche Eigenheit heraus, zwei Schriften zu pflegen. Der Antiqua-Fraktur-Streit beginnt und findet, genau genommen, erst 1941, sein überraschendes Ende. Dieser Streit findet seinen Anfang schon im 15. Jahrhundert, auch wenn von dem eigentlichen Streit noch nichts zu spüren ist…

Garamond
Druckschrift "Garamond"
Foto: Hammond-Norden

Wir schreiben das Jahr 1468. In seiner Pariser Werkstatt sitzt der junge Claude G. und zeichnet unablässig Buchstaben. Ganze Alphabete entstehen, bis er nach unendlich vielen Versuchen "seine" Schrift gefunden hat. Sie entspricht nicht nur seinem ästhetischem Empfinden in höchstem Maße, auch viele andere Schriftsachverständige sind beeindruckt von der einfachen und gradlinigen Schönheit der Schrifttype: Die "Garamond" war geboren. Schnell ist sie fest verwurzelt in allen Ländern Europas und die Garamond findet Verwendung in nahezu allen namhaften Druckereien. Noch heute werden nicht unwesentliche Teile aller in der Welt gedruckten Bücher in der Garamond gesetzt und gedruckt, nur – jedenfalls damals – nicht in Deutschland, da herrschte die Zweischriftigkeit. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wuchs durch Aufklärung und Französische Revolution das Interesse in Deutschland an Literatur aus Frankreich und der klassischen Antike. Dies wiederum förderte die Verbreitung der Antiqua nachhaltig, wenn auch der Streit immer noch nicht beendet war. Am 4. Mai 1911 wurde die Schriftfrage ausführlich im deutschen Reichstag verhandelt, so sollte die Antiqua neben der Fraktur eingeführt werden. Nach heftigem Streit wurde der Antrag abgelehnt und – alles blieb beim Alten.

Nach der Machtergreifung Hitlers im Jahre 1933 war eine "gewisse Bevorzugung" der Fraktur erkennbar – wesentliche Teile der gedruckten Veröffentlichungen waren in der "Deutschen Fraktur" gesetzt, "auch wenn es umstritten bleibt, inwieweit die nach 1933 in Mode gekommene gebrochene Schrift als 'Nazi-Schrift' zu werten ist". Am 3. Januar 1941 fällt Hitler die Entscheidung, "die gotischen Schriften seien sämtlich zugunsten der Normalschrift, (also der römischen Antiqua), aufzugeben". Der Streit an der Schriftfront in einer nicht gerade friedlichen Zeit ist beigelegt.

In jeder Epoche gibt oder gab es herausragende Persönlichkeiten, die sich um eine oder mehrere Schrifttypen verdient gemacht haben. Lassen Sie mich einige, die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts Besonderes geleistet haben, herausgreifen. Am Ende des vorletzten Jahrhunderts konnte eine Entwicklung beobachtet werden, in der mehr und mehr schlichte Schriften Verwendung fanden, die so genannten serifenlosen Antiqua-Schriften. Sie hatten nicht die runden Endungen, sondern waren gerade, streng und sachlich.

Der junge Paul Renner war ein stiller aber begeisterter Grafiker und er war fasziniert von der neuen Sachlichkeit der Bauhausbewegung. Wie sich aus Quadrat, Dreieck und Kreis Schrift entwerfen ließ – wobei es eher konstruieren heißen müsste – war für ihn derart herausfordernd, dass am Ende seiner Mühen eine neue Schrift entstand: Die Futura. 1927 war die Geburtsstunde dieser schönen Type, die noch heute eine kleine aber feine Fangemeinde hat. Auch die Texte dieser Zeitschrift sind in der Futura gedruckt.

Man geht nicht falsch, wenn man den 1918 geborenen Hermann Zapf einen Schriftbesessenen nennt. 1952 entwarf und zeichnete er die Melior und 1958 die wohl berühmteste Schrift aus seiner Hand: Die Optima. Zuvor waren so schöne Schriften wie die Michelangelo und die Palatino entstanden. Viele Steinmetzen verwenden eine Unterart der Optima, freilich ohne es zu wissen. Die Optima war so erfolgreich, dass vor nicht allzu langer Zeit eine "Optima neue" aufgelegt und geschnitten wurde. Ähnlich besessen wie Zapf war Max Miedinger, auch wenn er nicht annähernd eine solche Vielzahl von Schriften entwarf wie dieser. Dafür wurde sein Entwurf eine der berühmtesten Schriften der neueren Geschichte überhaupt, denn er zeichnete 1956 die Helvetica. Zunächst sollte sie Helvetia heißen, jedoch wurde unter diesem Namen eine Nähmaschine hergestellt. Deshalb also Helvetica. Ab 1960 trat sie von der Gießerei Stempel aus ihren Siegeszug in nahezu alle Druckereien der Welt an. Nicht weniger als 51 verschiedene Schnitte gehören zu der Schriftfamilie. Uns als PC-Nutzern ist sie als "Arial" bekannt und der Donner der Urheberrechts-Auseinandersetzungen zwischen der Gießerei Stempel und Microsoft war weltweit gut hörbar. Im Gegensatz zu Futura und Optima ließ sich die Helvetica nicht ohne Weiteres in Stein arbeiten, es war und ist eine reine Druckschrift, aber so erfolgreich wie zuvor nur noch die Garamond.

Kapitalis
Römische Kapitalis, in Schiefer gearbeitet
Foto: Hammond-Norden

Um nun dem Thema der Technik gerecht zu werden, möchte ich mich den Schriftarten zuwenden. Am Anfang steht – natürlich – die vertieft gravierte Schrift. Und schon wieder ist eine Bezeichnung nicht so ganz richtig, denn graviert wird die Schrift nicht (jedenfalls nicht von Steinmetzen), sie wird geschlagen, noch richtiger: gehauen. Und so ergibt sich die Besonderheit der vertieften Schrift: Sie hat das Profil einer Spitznute mit einem in der Mitte des Buchstabens verlaufenden Grat. Sehen Sie ein Beispiel wie ich Anfang der 60er Jahre versucht habe, die römisch Kapitalis in Schiefer zu arbeiten – mit einigen kleinen Fehlern. Es gibt sehr schöne Beispiele vertiefter Schriften. Eine, die auch handwerklich besticht, ist die Schreibschrift.

Schreibschrift
Schreibschrift, vertieft in Stein
Foto: Hammond-Norden

Es darf nicht vergessen werden, dass der Steinmetz damals noch völlig ohne technische Hilfsmittel, nur mit Knüpfel und Meißel den direkt auf den Stein gezeichneten Buchstaben einarbeitete. Es gibt weitere Unterarten der vertieften Schriften, so zum Beispiel die gesandstrahlte Schrift. Das Einarbeiten von Schriften war zu der vorletzten Jahrhundertwende zumindest in Schwarzglasplatten nicht anders als in der Sandstrahltechnik möglich. Heute wird das Sandstrahlen von Schriften wieder verwendet, wenn auch aus anderen Gründen: es spielen merkantile Dinge eine Rolle, denn durch den Einsatz von Computern – hochmodernen Plottern, die die Strahlfolie herstellen – und einer umweltschonender Sandstrahltechnik, kostet ein gestrahlter Buchstabe nur den Bruchteil eines von Hand gearbeiteten Exemplares. Allerdings: Gegen die Ästhetik eines von Hand gehauenen Buchstabens – mit seinen kleinen Unregelmäßigkeiten und seinen nicht immer ganz geraden und den nicht immer identischen Formen – hat ein gesandstrahltes Exemplar mit immer den gleich aussehenden Buchstaben keine Chance.

erhaben
Grabmalinschrift mit erhabener Schrift
Foto: Hammond-Norden

Die erhabene Schrift gilt als die "steinmetzmäßigste", weil der Buchstabe hoch (erhaben) stehen bleibt und der Stein drum herum weggearbeitet wird. Die Schrift wirkt allerdings etwas "aufgesetzt" und nicht wenige meiner Kunden fragten schon mal, wie wir denn die Buchstaben auf den Stein kleben… In der Antike gab es so gut wie keine erhabenen Schriften, erst im Mittelalter hielten sie bei den Steinmetzen Einzug. So wurden zahlreiche der großen Gruftplatten mit erhabenen Schriften geschmückt. Sie wurde jedoch anders gearbeitet als heute, nämlich flacher, nur 2 mm hoch. Auch kann man erkennen, dass der Text mit dem Pinsel frei und direkt auf den Stein geschrieben wurde. Hier liegt einmal mehr der Reiz im Unregelmäßigen und nicht ganz so Perfekten.

Bleischrift
Bleischrift
Foto: Hammond-Norden

Etwas weniger häufig wird die Bleischrift angewandt. Schon einmal, in Zeiten des Klassizismus war sie besonders in Verbindung mit italienischem Carrara-Marmor beliebt, bevor sie für viele Jahre in Vergessenheit geriet. In der Technik ist die seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder entdeckte Bleischrift eine Mischung aus vertiefter und erhabener Schrift. Der Buchstabe wird zunächst vertieft eingearbeitet, sodann werden bis zu 20 Löcher je Buchstabe gebohrt und das Blei in die Vertiefung mittels Hammerschlägen eingetrieben. Erneut wird der Buchstabe auf das unregelmäßige Blei gepaust und sodann exakt ausgestochen. Eine Arbeit für Spezialisten, nicht von ungefähr wurde gespottet, die Bleischrift sei eher etwas für Klempner als für Steinmetze…

Bronzeschrift
Bronzeschrift
Foto: Hammond-Norden

Als weitere Technik möchte ich Bronzeschrift nennen. Hier wiederum gibt es zwei Unterarten. Entweder wird die Schrifttafel als eine Einheit gegossen oder die einzelnen Buchstaben werden auf dem Stein befestigt. Diese letzte Variante war lange Zeit auf dem Ohlsdorfer Friedhof untersagt, weil man dem Einzug der (Bronzeguss-)Industrie Einhalt gebieten wollte. So wurden ausschließlich handwerklich gesägte Buchstaben gestattet – ein kaum zu überbietender Anachronismus, der erst in den letzten 20 Jahren zu Recht wieder verschwand. Allerdings, dass einzeln in Laubsägetechnik hergestellte oder gegossenen Bronzebuchstaben der Weisheit und Ästhetik letzter Schluss sein sollen, bleibt auch mir verborgen. Schon die farblich unterschiedliche Patina bei den so genannten Zweitschriften wirkt doch sehr störend.

Portugal
Grabmalinschrift aus Portugal
Foto: Hammond-Norden

Zum Schluss ein Beispiel, wie Schrift nicht aussehen sollte, eine Schrifttafel aus Portugal. Ich zeige sie nicht, um auf den armen Kollegen die ungebremste Kritik abzufeuern, jedoch ist hier so ziemlich alles, was falsch zu machen ist, falsch gemacht worden. Ich will nicht auf die Details eingehen, vielmehr denke ich, dass der Leser nach der Lektüre dieses Artikels weitgehend selbst herausfinden kann, was richtig und gut und was falsch ist.

Ich sagte es schon: Schrift ist spannend.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Grabmalinschriften (März 2010).
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