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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

"Sie fanden ein Ufer"

Nicht nur die in Kriegen und durch Gewaltherrschaft Getöteten wurden fern ihrer Heimat begraben, auch jene, die vor ihnen flüchten, aber niemals zurückkehren konnten.

So war es auch im März 1945, als etwa 1250 Vertriebene aus Pommern und Ostpreußen, meist Frauen mit ihren Kindern und ältere Menschen, auf der kleinen Insel Juist vor der Küste Ostfriesland einquartiert wurden und hier einen sicheren Ort, ein Ufer zum Weiterleben, aber auch zum Sterben fanden. In der Folgezeit entwickelte sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das über ihren Tod hinaus auf dem Dünenfriedhof der Insel durch einheitlich gestaltete Grabzeichen der Nachwelt dokumentiert wird. Von den damals hier bestatteten Flüchtlingen zeugen fünfzig kleine Zeichen aus hartgebranntem Ton. Seit dem Volkstrauertag 1977 haben sie an der Friedhofkapelle und unterhalb einer Gedenktafel einen gemeinsamen Platz gefunden. Die bronzene Gedenktafel wurde frei nach der Bibelstelle Jesaja 43,2 "Sie kamen aus dem Feuer/Sie gingen durch das Wasser/Sie fanden ein Ufer", von der Bildhauerin Eva Limberg aus Bielefeld bildlich gestaltet. Ein ungenanntes Kurgastehepaar stiftete diese Gedenkstätte.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft In der Fremde begraben (Februar 2000).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2020).