OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Bestattet im Exil: Leo Baeck (Jüdischer Friedhof Golders Green, London)

 - Februar 2001
Ausgabe: 
Nr. 72, I, 2001

Auf dem jüdischen Friedhof Golders Green (London) ist Rabbiner Leo Baeck bestattet worden. Er wurde am 23. Mai 1873 in Lissa (Posen) als Sohn eines Rabbiners geboren.

1897 wurde er Rabbi in Oppeln, von 1907 bis 1912 übte er diese Tätigkeit in Düsseldorf aus. 1912 folgte ein Ruf an die Lehranstalt für das deutsche Judentum in Berlin, kurz danach seine Wahl zum Vorsitzenden des deutschen Rabbinerverbandes. Das preußische Kultusministerium berief ihn als Sachverständigen in seine entsprechenden Gremien.

Im Jahre 1933 repräsentierte Leo Baeck als Präses der Reichsvertretung der deutschen Juden seine zunehmend in Bedrängnis geratenen Glaubensgenossen. Als die Juden in Deutschland 1941 gezwungen waren, sich mit einem gelben Stern öffentlich zu kennzeichnen, rief er ihnen mit der Aufforderung "Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck!" Mut zu. 1942 ist Leo Baeck in das Ghetto Theresienstadt nahe Prag deportiert worden. Seine Befreiung war nicht der Roten Armee zu verdanken, sondern einem jungen Offizier im Dienste der US-Army. Der Angehörige der psychologischen Kriegsführung traf kurz vor Erreichen der Roten Armee in Theresienstadt ein, überlistete die SS-Wachmannschaften, brachte Baeck mit einem gekaperten deutschen Wehrmachtswagen zum Flughafen Prag, um ihn dann nach London ausfliegen zu lassen. In London wirkte Baeck bis zu seinem Tode am 2. November 1956.

Leo Baeck war ein intensiver Förderer und Wegbereiter des Dialogs zwischen Juden und Christen. In seinem wichtigsten Werk "Das Wesen des Judentums" setzte sich der überzeugt liberale Repräsentant seines Glaubens für ein geschlossenes theologisches System seiner Richtung ein: Eine klassische Religion der Tat schließe eine Religiosität ohne soziale Komponente aus. Leo Baecks Frau Natalie (geb. 7. Mai 1878) starb bereits am 5. März 1937 und wurde auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee beigesetzt. Auf den Steinen beider Gräber wird des jeweils dort nicht bestatteten Ehepartners gedacht.

Personenregister: 
Heft-Rubrik: 

Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.
Fuhlsbüttler Strasse 756, 22337 Hamburg
Telefon: 040 / 50 05 33 87 | E-Mail: info@fof-ohlsdorf.de
Werden Sie Mitglied oder unterstützen Sie uns durch eine Spende.

© Stero Webservice www.stero.de