Die Friedhofsverwalterin Lara Schink hat diese Handreichung im Rahmen des Dresdner Modellprojekts "Vom Parkfriedhof zum Friedhofspark" auf dem Neuen Annenfriedhof erstellt. Sie will damit dazu ermutigen, Friedhöfe mit anderen Augen zu sehen und ihre vielfältigen Potentiale im Rahmen ihrer historischen Kulturtradition weiter zu entwickeln.
Die Veröffentlichung ist in drei Hauptteile gegliedert. Zunächst wird in die Thematik "Friedhofsfreiflächen" eingeführt, danach werden die Potenziale dieser Flächen und Ideen zu ihrer Aktivierung vorgestellt. Im dritten Teil geht es um die Planung und Umsetzung der Ideen, sowie die nicht immer ganz einfachen Voraussetzungen für ein gutes Gelingen und die vielfältigen Möglichkeiten zur Kooperation. Das Thema Friedhofsfreiflächen ist nicht mehr neu. In diesem Zusammenhang gibt es inzwischen immer mehr Ideen für ihre Nutzung. Dabei macht die Autorin eindringlich auf die Multifunktionalität des Friedhofes für die Gesellschaft aufmerksam und lässt trotzdem seine Kernfunktion als Bestattungsplatz nicht aus den Augen. Da Friedhöfe sehr unterschiedlich sein können, empfiehlt sie vor der Planung von Umgestaltungsmaßnahmen unbedingt zu prüfen, welche speziellen Potenziale den Freiflächen innewohnen, welche historischen Strukturen ihre Gestaltung bedingt haben und welche Bedarfe bei der Bevölkerung der näheren Umgebung bestehen. Die Potentiale der Freiflächen werden im zweiten Teil breit aufgefächert und mit einer Fülle von aktuellen Beispielen in Text und Bild vorgestellt. Die Spannbreite reicht vom "Windtelefon" für Trauernde, über Insektenhotels bis zur Wiederherstellung verlorener historischer Strukturen, um nur wenige Stichworte zu nennen. Damit ermöglicht die Autorin einen umfangreichen Überblick über den aktuellen Stand der Friedhofsentwicklung. Friedhöfe werden immer mehr zu Orten, auf denen einerseits die Trauer in verschiedensten Formen Platz hat; wo aber auch kontemplative Erholung möglich ist; Kunst, Geschichte und Erinnerung bedeutungsvoll sind und Flora und Fauna Rückzugsräume finden. Zugleich entsteht auch ein Bewusstsein für ihre klimatische Wirkung. Verantwortliche für das Friedhofswesen interessiert natürlich die Frage, woher die Mittel für die Planung und Umsetzung der vielfältigen Ideen kommen.
Das Beispiel aus Dresden zeigt, dass Phantasie, Offenheit und Ideenreichtum gefragt sind und Kooperation, Absprache und Aufgabenverteilung eine wichtige Rolle spielen. Insgesamt zeigt diese Publikation deutlich, dass das Friedhofswesen gerade große Veränderungen durchmacht und dass es inzwischen dafür schon eine Fülle von Handlungsmöglichkeiten gibt. Dabei wird der Zugang zu dem komplexen Inhalt durch die graphische Gestaltung der Publikation deutlich erleichtert, so dass man sie nur jedem empfehlen kann, die oder der sich für die Entwicklung und Bewahrung von Friedhöfen einsetzt (siehe auch den Beitrag unter "Aktuelles" über "Friedhöfe in Deutschland").
Verband der Annenfriedhöfe Dresden (Hrsg.): Lara Schink, Handreichung zum Umgang mit Friedhofsfreiflächen, Selbstverlag, Dresden 2025, Digitale Publikation, kostenloser Download: https://www.annenfriedhof-dresden.de/green-urban-labs-ii