Redaktioneller Hinweis: Der folgende Beitrag basiert großenteils auf einem Interview, das Verf. mit Bert Ulrich Beppler am 10. April 2026 führte.
Der Hamburger Steinmetz- und Steinbildhauer-Meister Bert Ulrich "Uli" Beppler ist für sein vielfältiges Engagement in der Grabmal- und Gedenkkultur bekannt. Im öffentlichen Raum Hamburgs sind bedeutende Arbeiten von ihm zu finden. Dazu zählen die im Jahr 2000 entstandene Teufels-Skulptur "Dämon" am Teufelsbrücker Elbufer oder der 2012 enthüllte Gedenkstein für das Hamburger Mordopfer der rechtsextremen NSU-Terrorgruppe in Hamburg-Bahrenfeld. Und das sind nur einige Beispiele für seine vielfältigen, nicht zuletzt gesellschaftspolitisch motivierten Arbeiten.
Geboren in Meisenheim/Glan, wuchs der Pastorensohn aufgrund der beruflichen Stationen seines Vaters an unterschiedlichen Orten auf. In Wiesbaden machte er Abitur. Für den anschließenden Zivildienst kam er im Jahr 1988nach Hamburg. Dort arbeitete er im sozialpädagogischen Bereich. "Ich wollte immer in den Norden", konstatiert Uli Beppler im Gespräch und nennt den genialen Dichter und Weltenbummler Joachim Ringelnatz als sein Vorbild ("In Hamburg lebten zwei Ameisen/ Die wollten nach Australien reisen / Bei Altona auf der Chaussee / Da taten ihnen die Beine weh / Und da verzichteten sie weise / Dann auf den letzten Teil der Reise"). Ringelnatz vor Augen, ging auch Beppler wieder auf Reisen. Seine Ziele lagen nicht ganz so weltentfernt wie beim Dichter, aber immerhin landete er im Weserbergland.
Dort fand er eher zufällig in der Nähe von Hameln Unterkunft auf dem Hof eines Bildhauers. Dieses Treffen sollte sichfür Uli Beppler als Schlüsselerlebnis für den weiteren Lebenslauf erweisen. Sein Gastgeber motivierte ihn, den Weg des Steinmetzes zu wählen. Zurück in Hamburg, ging Uli Beppler bei dem Hamburger Steinmetz-Meister und Gestalter Henning Hammond-Norden in die Lehre und machte seinen Meister. Dessen Arbeiten und auch Persönlichkeit haben ihn bis heute geprägt. Nicht zufällig übernahm er später auch Hammond-Nordens Betrieb am Diebsteich-Friedhof in Bahrenfeld.
Uli Beppler bearbeitet Natursteine in vielen Kreationen. Statt maschinenintensiver serieller Produktion legt er großen Wert auf persönlich inspirierte, künstlerische Gestaltung. Für ihn ist dies heutzutage - in der Tradition früherer Gestalterkreise- der "Königsweg" des Steinmetzes in einem immer schwieriger werdenden beruflich-wirtschaftlichen Umfeld. War es einst üblich, dass zu beinahe jedem Reihen- oder Familiengrab ein Grabstein in Auftrag gegeben wurde, so reduzieren seit einiger Zeit die Trends zu miniaturisierten Aschengrabstätten und zur Naturbestattung in Wald und Meer den Markt für Steinmetze erheblich.
Eine bedeutende Rolle in Uli Bepplers Wirken spielt die Erinnerungskultur. Regelmäßig ist Beppler hier an gesellschaftlichen Initiativen beteiligt - siehe oben- und engagiert sich nicht zuletzt für denkmalpflegerische Maßnahmen. Auch an zukunftsweisenden Gemeinschaftsgräbern wie dem HSV-Bestattungsfeld auf dem Hauptfriedhof Altona war er initiativ beteiligt.
So betrachtet Uli Beppler Friedhöfe nicht nur als Orte individueller Trauer, vielmehr als gesellschaftlich-kulturell zu gestaltende Räume. Damit sind wir bei seinem Engagement für den Garten der Frauen. Uli Beppler war bereits bei der Gründung des gleichnamigen Vereins durch Dr. Rita Bake aktiv dabei. Die Gesamtgestaltung der Anlage - diesem "Freilicht-Museum" par excellence - geht mit auf sein Wirken zurück. Auch die stilprägenden "Schilder-Bücher" aus witterungsfestem Metall mit den Erläuterungstexten entwarf er. Uli Beppler unterstützte den Verein bei der handwerklichen Beratung als Steinmetz ebenso wie bei der Restaurierung historischer Grabdenkmäler. Wichtige gartenarchitektonische Elemente wie der zentrale Brunnen und die "Erinnerungsspirale" stammen von ihm.
Einen bedeutenden Raum auf dem Friedhof nehmen die Gräber für aktuelle Bestattungen ein (die im Übrigen zur Finanzierung der Anlage beitragen). Uli Beppler bot Rita Bake und dem Verein einige gestalterische Entwürfe an. Daraus entstanden die heutigen, wellenförmig sich einfügenden, im Laufe der Zeit mit natürlicher Patina versehenenBodenplatten aus Sandstein - das Erfolgsmodell einer gemeinschaftlichen Bestattungsanlage.Zuletzt war Uli Beppler an der Gestaltung des Gedenksteines für jene vier Frauen beteiligt, die in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre in Hamburg-Ottensen dem Serienmörder Fritz Honka zum Opfer fielen: Gertraud Bräuer, Anna Beuschel, Frieda Roblick, Ruth Schult. Während Honkas Verbrechen medial weithin bekannt wurden, spielten die Opfer bisher kaum eine Rolle. Das hat sich mit dem 2025 im Garten der Frauen aufgestellten Gedenkstein mit Text und Porträtfotos geändert - zwei der Opfer waren übrigens in nationalsozialistischen Konzentrationslagern inhaftiertgewesen.
Ebenso haben sich Uli Beppler und der Verein Garten der Frauen e.V. für die Grabstätte und das Gedenken an Domenica eingesetzt, die Vorkämpferin der Prostituierten auf St. Pauli (deren eigentlicher Name Domencia Anita Niehoff lautet). Durch Fernsehen- und andere Medienauftritte wurde sie ab der Zeit um 1980 zur wohl prominentesten Prostituierten in Deutschland. Sie bekannte sich öffentlich zu ihrem Broterwerb und setzte sich für die Legalisierung ihres Berufes ein. 1990 beendete sie ihre Zeit als Prostituierte und engagierte sich in sozialen Projekten in Hamburg-St. Georg. Ihre von Hans Eppendorfer aufgeschriebene Lebensgeschichte wurde unter dem Titel "Körper mit Seele - Mein Leben" 1994 veröffentlicht. Domenica starb am 12. Februar 2009 in Hamburg im Alter von 63 Jahren an den Folgen einer chronischen Bronchitis. Für die Bestattung im Garten der Frauen musste keine Friedhofsgebühr entrichtet werden. Uli Beppler stiftete unter Verzicht auf ein Honorar ein charakteristisches und sehr persönlich gestaltetes Grabdenkmal.
Weitere Informationen zu Uli Beppler und seinem Schaffen vermittelt der Artikel von Andrea Weber, erschienen unterdem Titel "Geht nicht, gibt's nicht" in: Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur Nr. 117, II/2012, online: https://www.fof-ohlsdorf.de/aktuelles/2012/117s20_beppler