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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Denguefieber in Zahlen - auch bald bei uns?

Während einer Mexiko-Reise um den "Día de los Muertes" gab es am 2.11.2014 die Gelegenheit zu einem Nachtspaziergang durch einen sehr belebten und gut beleuchteten Friedhof in der südwestlichen Stadt Oaxaca. Dabei rückte plötzlich die unerwartete Darstellung einer großen bunten Dengue-Mücke auf einer Art Grabanlage mit zwei Warnschildern ins Blickfeld; den Friedhofsbesuchern wurde dort dringend empfohlen, die Grabstätten sauber zu halten und möglichst ohne Blumenvase, Gießkanne oder ähnliche Wasserquellen zu pflegen.



Warnschilder zum Dengue-Fieber auf einem Friedhof in Oaxa-ca am 2.11.2014 (Foto: C. Behrens)

Ein mit Verdacht auf Denguefieber erkrankter Enkel in Neukaledonien war jetzt Anlass, mehr über diese Krankheit wissen zu wollen. Durch bestimmte infizierte Stechmücken (Asiatische Tigermücke und Gelbfiebermücke) übertragen, gilt sie tatsächlich als die weltweit häufigste und sich am schnellsten ausbreitende virale Erkrankung. Wie ist also die Lage heute, knapp zehn Jahre später, und wie ernst oder gefährlich ist diese Krankheit? Bei Google findet man viele Informationen kompetenter Forschungsinstitute, wie vom Tropeninstitut in Hamburg oder dem entsprechenden Gremium in Österreich, denen das Dengue-Fieber gemeldet werden muss.
• So tritt das Dengue-Virus in fast allen tropischen und subtropischen Regionen auf, insbesondere in Südostasien und in Südamerika (südliche USA, Lateinamerika, Zentralafrika, Indien, Südostasien, Ozeanien, Australien); seit 1990 auch in Argentinien, Mexiko, Nepal und auf Hawaii.
• 284 bis 528 Mio. Menschen infizieren sich jährlich und 3,9 Milliarden Menschen aus 128 Ländern (ca. die Hälfte der Weltbevölkerung) sind der Gefahr ausgesetzt.
• Aufgrund globaler Reise- und Handelsaktivitäten sowie günstigerer klimatischer Bedingungen haben sich Aedes-Mücken mittlerweile auch in Europa etabliert. In Südeuropa konnten bereits autochthone (vor Ort) Fälle bestätigt werden.
• Im Jahr 2010 konnten erstmals in Kroatien und Südfrankreich autochthon übertragene Fälle von Dengue-Fieber dokumentiert werden. Auf der zu Portugal zählenden Atlantikinsel Madeira gab es im Jahr 2013 einen Ausbruch von Dengue-Fieber. In Österreich werden pro Jahr 30 bis 120 Dengue-Virus-Infektionen diagnostiziert, bislang ausnahmslos bei Reise-Rückkehrern aus Endemie-Gebieten.
• Typisch ist die sogenannte Dengue-Trias: Fieber, Ausschlag sowie Kopf-, Muskel-, Glieder-, Knochen- oder Gelenkschmerzen. In ca. 2 bis 4 Prozent der Fälle kommt es zum Dengue-Hämorrhagischen-Fieber (DHF) mit leichten Blutungen bis hin zu unkontrollierten, schweren Blutungen, Beeinträchtigung der Organe und des gesamten Kreislaufs. In ungefähr 1-5 Prozent der Fälle nimmt die Krankheit einen schweren Verlauf (innere Blutungen, Schock) und kann zu einem tödlichen Ausgang führen. Der schwere Verlauf tritt oft erst bei einer wiederholten Ansteckung mit dem Dengue-Virus auf.
• Ähnlich wie auf dem mexikanischen Friedhof bei den Gräbern verlangt (oben) sollte die Ansiedlung und Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke in Österreich aktiv bekämpft werden; typische Brutstätten für diese Mücken sind beispielsweise stehende künstliche Gewässer, Wasserreste in Gießkannen oder in Untersetzern von Blumentöpfen, alte, mit Regenwasser gefüllte Autoreifen oder auch nicht abgedeckte Regentonnen (das Klima in Österreich erlaubt Gelbfiebermücken derzeit keine Ansiedlung).
• Die Therapie von Dengue-Fieber ist lediglich symptomatisch und besteht in der Behandlung der Krankheitszeichen mittels Fiebersenkung und Flüssigkeitszufuhr. Eine speziell gegen das Virus gerichtete Therapie existiert bislang nicht.
• Derzeit sind zwei Impfstoffe gegen Denguefieber in Europa zugelassen: Qdenga (für Kinder ab vier Jahren, Jugendliche und Erwachsenen zugelassen) und Dengvaxia (derzeit in Österreich nicht verfügbar).
Fazit - angesichts der Auswirkungen des Klimawandels dürfte das Dengue-Fieber auch bei uns häufiger vorkommen. Ein Grund zur Unruhe? Der ganz aktuelle Beitrag von Tobias Landwehr "Ein Virus erobert die Welt", bestätigt es leider, auch mit seinem Untertitel "Brasilien leidet unter einer schweren Dengue-Epidemie. Längst hat das potenziell tödliche Virus auch Europa erreicht. Warum es so schwer ist, sich effektiv vor dem Erreger zu schützen".

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Arthur Bock - in memoriam Heiko Schulze (Juni 2024).
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