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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Arthur Bock auf der Gartenbauausstellung in Altona 1914

Von Heiko Schulze für die Werke Arthur Bocks sensibilisiert, fiel mir vor einigen Jahren eine historische Postkarte auf, die ein vom Ohlsdorfer Friedhof her bekanntes Werk des Künstlers zeigt. Auf dem Bild aber ist es auf der Gartenbauausstellung zu sehen, die 1914 in Altona stattfand. Dort gab es schon damals eine eigene, wenn auch kleine, Friedhofsabteilung.


Grabmal von Arthur Bock auf der Gartenbauausstellung 1914 in Altona, Historische Postkarte (Privatbesitz) (1)

Ausschnitt aus dem Plan der Altonaer Gartenbauausstellung mit Umrandung des Bereiches "Friedhofskunst" (aus: Die Gartenkunst, Nr. 27, 1914, S. 47) (2)

Über diesen Ausstellungsteil heißt es in der Zeitschrift "Die Gartenkunst": "Eine eigenartige Leistung ist die Sonderabteilung für Friedhofskunst. In einer durch Treppenabsätze verbundenen Folge von schmalen Terrassen ist gezeigt worden, wie man auch einen steilen Hang für derartige Zwecke ausnutzen kann. Freilich, wenn man anderes Gelände zur Verfügung hat, würde man so nicht verfahren. Indessen hat die Anlage, die mit Geschick und Geschmack durchgeführt ist, gerade infolge ihrer Eigenart einen ganz besonderen Reiz und wird sicher viel Beachtung finden."

Das zu diesem Beitrag gehörende Bild zeigt die Seite der oberen Terrasse der Anlage, die dem Werk von Bock gegenüber lag. Dort stand eine weitere Plastik, die später ebenfalls nach Ohlsdorf kam und zwar als Grabmal der Familie Hansen, geschaffen von Hans Dammann im Jahr 1909. Erkennen kann man diesen Zusammenhang an einer Fotografie aus der Sonderbeilage zum Altonaer Tageblatt, Altona-Ottensen von 1914. Der Aufnahmestandort liegt dort hinter der Skulptur von Dammann, so dass man ihre Rückseite und die Skulptur von Arthur Bock zusammen sieht. An der Breitseite der Terrasse steht eine bisher noch nicht identifizierte große Grabmalwand mit dem monumentalen Relief eines Kruzifixes.


Blick auf die obere Terrasse des Bereiches Friedhofskunst in Richtung auf das Grabmal von Hans Dammann (aus: Die Gartenkunst, Nr. 27, 1914, S. 175) (3)

In Ohlsdorf stand die Plastik von Arthur Bock dann ab 1921 auf der Grabstätte Nordheim. Laut Heiko Schulzes Forschungen hatte der Künstler das Motto "Die Stätte des Scheidens. Mann und Weib, die voneinander Abschied nehmen" dafür notiert. Heiko Schulze hat außerdem ein Atelierfoto von 1911 gefunden, auf dem das Gipsmodell in Originalgröße zu sehen ist. Schon 1912 war das Werk auf der Friedhofskunstausstellung in Ohlsdorf ausgestellt und der Entwurf wurde auf der Baufach- und Grabmalausstellung 1913 prämiert. Ab1924 stand das Werk dann auf der Liste besonderer Grabmale des Ohlsdorfer Friedhofskulturdienstes. Erworben hatte es die "Nordheim-Stiftung", die aus dem nachgelassenen Vermögen des jüdischen Kaufmanns Marcus Nordheim (1811-1899) gegründet wurde. Nordheim war in Hamburg durch den Handel mit Fellen und Häuten reich geworden und hatte schon zu Lebzeiten soziale Stiftungen ins Leben gerufen. Aus seinem Nachlass wurde in Sahlenburg bei Cuxhaven ein Seehospital für tuberkulosekranke Kinder errichtet, von dem heute noch Gebäude erhalten sind, wenn auch in schlechtem Zustand.


"Die Stätte des Scheidens", Grabmal Nordheim von Arthur Bock auf dem Ohlsdorfer Friedhof (Foto: Marianne Didié 2016) (4)

Grabmal Hansen von Hans Dammann, Zustand 2018 (By Vitavia - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74975442 ) (5)
Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Arthur Bock - in memoriam Heiko Schulze (Juni 2024).
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