Der Friedhof Norderreihe war der dritte Altonaer Friedhof, wobei hier das ursprüngliche Altona gemeint ist (Karte 1). Dessen historisches Zentrum befand sich im Bereich um die Hauptkirche St. Trinitatis (1) und das etwa 200 Meter östlich davon gelegene alte Rathaus (2) und wurde 1943 während der schweren Bombenangriffe der Operation Gomorrha weitgehend zerstört.
Bereits 1923 war nach der Eröffnung des Hauptfriedhofs Altona klar, dass die Tage des Friedhofs Norderreihe gezählt waren, und schon die Jahre ab 1933 hätten das Aus für den Friedhof bedeuten können, denn es gab erhebliche Zerstörungen. Bei verschiedenen Baumaßnahmen wie der Aufstellung einer Baracke für ein Kindertagesheim durch die NSDAP, Erstellung eines Zugangs zur Wohlersallee und Anlegung eines Feuerlöschteichs wurde keine Rücksicht auf vorhandene Gräber genommen. Die schlimmsten Schäden verursachten dann natürlich auch hier die Bomben während der Operation Gomorrha. Das Mauerwerk der ausgebrannten Häuser an der Westseite stürzte auf den Friedhof und türmte sich dort mehrere Meter hoch. Große Teile der eisernen Einfriedung waren umgelegt. Es gab Bombentrichter und schließlich wurden noch 1945 in den letzten Kriegswochen viele Grabsteine abgeräumt für den Bau einer Panzersperre.
Direkt nach Kriegsende hatte man verständlicherweise zunächst andere Sorgen, als einen Friedhof wiederherzustellen. Man kam nicht umhin, einen Teil des Geländes für Schrebergärten zur Verfügung zu stellen. In dem besonders kalten Winter 1945/46 wurden viele der alten Linden verheizt, und es kam auch sonst zu weiteren Zerstörungen. Aber bald mehrten sich Stimmen, die eine Sicherung dieses wesentlichen Zeugnisses der Altonaer Geschichte forderten. Im September 1947 verfügte die Kulturbehörde die Wiederherstellung des Friedhofs und kündigte den Kleingärtnern zum Ende 1948. Als erste Maßnahmen wurden die Schuttmassen beseitigt und die gefällten Linden durch Neuanpflanzungen ersetzt. Später wurden die Wege zwischen den Grabfeldern wiederhergestellt, umgeworfene Grabsteine wieder aufgerichtet und Hecken erneuert, so dass der Friedhof weitgehend wieder seine frühere Gestalt bekam (Abb. 2).2
Auf den noch sehr umfangreichen Grabmalbestand an dieser Stelle näher einzugehen, würde bei weitem den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Bei einer Bestandaufnahme in den 1950er Jahren wurden 232 Grabanlagen mit 291 Steinen festgestellt, darunter 22 Grabgewölbe.5 Von denen sind mehrere in offenbar bevorzugter Lage am Rondell zu finden (Abb. 3).
Der Friedhof Norderreihe ist heute als Wohlerspark ein Teil des Grünzugs Neu-Altona, der oberhalb des Altonaer Fischmarkts mit dem Kapitän-Schröder-Park beginnt und sich über Walter-Möller-Park, Emil-Wendt-Park, Wohlerspark und Bertha-von-Suttner-Park bis zum Bahnhof Holstenstraße hinzieht. Im Internet auf den Seiten von hamburg.de ist dazu zu lesen: "Einige Altonaer würden ihren Lieblingsplatz in Hamburg vermutlich gern in Wohlfühlpark umbenennen lassen. Der ehemalige Friedhof Norderreihe, aufgrund seiner Lage an der Wohlersallee heute Wohlerspark genannt, ist trotz seiner früheren Nutzung eine der beliebtesten öffentlichen Grünflächen der Hansestadt."
Unabhängig von Jahreszeit und Wochentag sind bei einigermaßen gutem Wetter Spaziergänger im Park anzutreffen. Offenbar wird die Parkanlage tatsächlich vielfältig genutzt. Man kann alleine "abhängen" oder trifft sich zum Tai Chi oder auch zum Grillen. Und wozu braucht man für sein Picknick eine Bank, wenn eine passende Gruftanlage in der Nähe ist (Abb. 7).
Anmerkungen
1 Der Friedhof Norderreihe in Altona, Beiträge zu seiner Geschichte und Gegenwart, Verein zur Pflege der Natur- und Landeskunde in Schleswig-Holstein und Hamburg Hrsg., Schleswig 1979, S. 17.
2 Ebd., S. 18f.
3 Die Welt, 22.
4.19754 Wie Anm. 1, S. 41.
5 Wie Anm. 1, S. 20.
6 Hamburgischer Correspondent, 9.12.1930
Fotos: P. Schmolinske; Karte und Kartenausschnitt: Vermessungsbureau der Bau Deputation 1895, Archiv Schmolinske