In Ohlsdorf ist Richard Kuöhl mit einer Reihe von unterschiedlichen Werken vertreten. Ähnlich wie er in der Stadt verschiedene Genres bedient hat, hat er auf dem Friedhof neben einer größeren Anzahl von Grabmalen für Familien und Einzelpersonen auch offizielle Grabstätten gestaltet.
Zu nennen ist das Gemeinschaftsgrab für die Polizei - Revier Blutbuche - und das Grabmal für den im Ersten Weltkrieg hoch dekorierten Kunstflieger Paul Wilhelm Bäumer (Abb. 1). Außerdem war er mit Bauplastik und -ornamenten an Fritz Schumachers Krematorium beteiligt.
Zehn Jahre später führte der Bildhauer Fritz Schumachers Entwurf für die Ehrengrabstätte der Polizei aus (K 7 / L 6, 341-3, 353- 6 / L 7, 283-321) (Abb. 2). In der Gestaltung der zentralen Inschriftenplatte mit Stahlhelm, Militärkoppel und einem Schwert auf Eichenlaub findet sich schon in den 1920er Jahren jener herbe Stil, der später auf den umstrittenen "Kriegerdenkmalen" des Bildhauers zum Tragen kommen sollte. Wie andere Künstler auch unterlag Kuöhl den Einflüssen der aktuellen Kunstentwicklung mit ihren verschiedenen Stilrichtungen. Zudem arbeitete er mit unterschiedlichen Materialien, die sich auf die Gestaltung auswirkten.
So besteht das Grabmal Plüschau (S 21, 182-91) von 1921 (Abb. 6) aus einer breiten, dreigeteilten Grabmalwand, auf der in der Mitte ein Engel waagerecht durch Wolken, Strahlen und Sterne schwebt. Einen ganz ähnlichen Engel (Abb. 07) hat Kuöhl ein zweites Mal als Bauplastik für Fritz Schumachers Krematorium von 1933 geschaffen. Dort sind die Formen allerdings - möglicherweise aufgrund des verwendeten Materials, denn das Relief ist aus Klinkersteinen gemauert - deutlich abstrakter gehalten.
Fotos: A. Schmolinske (1, 3, 4); P. Schmolinske (2, 7-10, 19); B. Kryst (5, 6, 11-17); G. Kell (18); Von Vitavia - Eigenes Werk (20), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48243193