Direkt zum Inhalt

OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Der japanische Aokigahara-Wald

Aokigahara heißt der Wald am Nordhang des Fuji in Japan. Er steht als Teil eines Nationalparks unter Natur- und Denkmalschutz und ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Gleichzeitig aber geistert er als "Selbstmord-Wald von Japan" durch die Medien, weil Menschen sich in dem dichten Baumbestand selbst töten. In dem 3000 Hektar großen Gebiet stehen die Bäume dicht an dicht auf hügeligem Grund. Verlässt man die Wege, so kann man sich schnell verlaufen oder, wenn man will, vor den Menschen verstecken. Japan hat eine sehr hohe Suizid-Rate – etwa 25 000 Menschen beenden jedes Jahr freiwillig ihr Leben. Angst vor gesellschaftlicher Schande, hoher Arbeitsdruck, Einsamkeit sind ein Teil der Gründe.

Angeblich setzten in Japan, ähnlich wie es das deutsche Märchen von Hänsel und Gretel erzählt, in früherer Zeit arme Familien während Hungersnöten Kleinkinder und Alte in Wäldern aus. Ihre Geister finden sich auch in den Erzählungen von diesem Wald wieder, die heute als urbane Legenden in den Medien "spuken" und inzwischen in zahlreichen Werken der Literatur, aber auch in Horrorfilmen, Videospielen und YouTube-Filmen wieder auferstanden sind.

Dass gerade der Aokigahara als Todesort gewählt wird, könnte tatsächlich mit zwei literarischen Werken zusammenhängen – es sei hier kurz daran erinnert, dass sich an die Veröffentlichung von Goethes "Werther" in Deutschland eine Reihe von Selbsttötungen junger Männer anschloss. In Japan erschien 1957 der Roman "Der Wellenturm" von Matsumoto Seich, in dem von einer jungen Frau erzählt wird, die sich aufgrund verschmähter Liebe in den Aokigahara zurückzieht und umbringt. Drei Jahre später erschien von demselben Autor "Schwarzes Meer aus Bäumen", in dem der Suizid eines Liebespaars in diesem Wald thematisiert wird. Allerdings stammen erste Zeitungsberichte über Tote, die im Wald gefunden wurden, schon aus den 1950er Jahren, also noch vor den erwähnten Romanen.

Seit 1971 durchsuchen Polizei, Feuerwehr und Freiwillige jährlich den Wald nach Leichen. An den Eingängen zu dem Wald stehen große Schilder, auf denen steht "Das Leben ist ein kostbares Geschenk".

Vgl. dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Aokigahara#cite_ref-DKM_17-1 (zuletzt besucht 8.1.2021)

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Freitod (April 2021).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2021).