OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Leserbrief zu "Gedenktage – Felix Graf von Luckner"

 - Mai 2006
Ausgabe: 
Nr. 93, II, 2006

Um das im genannten Beitrag [OZT Nr. 92, I, 2006] verklärt dargestellte Leben von Felix Graf (von?) Luckner beurteilen zu können, muss die 1997 erschienene Biographie von Norbert von Frankenstein herangezogen werden. (Norbert von Frankenstein: " ‚Seeteufel’ Felix Graf Luckner – Wahrheit und Legende", DSV-Verlag, Hamburg, 1997).

Tatsache ist, dass es sich bei Luckner um einen ausgesprochen fähigen, eloquenten und schreibgewandten See-Offizier gehandelt hat. Aber zum glorifizierenden Vorbild, als das er sich gern gesehen hat und wie er im allgemeinen wahrgenommen wird, passt die schäbige Trennung von seiner ersten Frau und die verleugnete Vaterschaft des Kindes aus dieser Ehe nicht so recht. Auch nicht die Tatsache, dass der Graf wohl keine Gelegenheit ausließ, sich öffentlich in Szene zu setzen – mal als Schützenkönig von Hamburg, mal mit der Ankündigung, den Goldschatz der Inkas auszugraben, er wisse, wo, mit der nie realisierten Ankündigung der Verfilmung seines Lebens (Hauptrollen: Burt Lancaster oder Kirk Douglas), als Besitzer eines Wohnmobils, das eigentlich ein Ölscheich sich habe anfertigen lassen, als angeblicher Nachkomme des Sachsenkönigs "August der Starke", als Großmeister eines Tempelordens, aus dem er aber bald wegen "finanzieller Differenzen" ausschied.

Sicher hat Felix Graf Luckner erheblich dazu beigetragen, die Stadt Halle 1945 kampflos den Amerikanern zu übergeben – aber nur in zweiter Reihe. Das Entscheidende, das Militärische der Verhandlungen mit den US-Streitkräften, hatte ein Major der Wehrmacht übernommen – mit Erfolg. Und die Anfang der 60er-Jahre aufsehenerregende Meldung, er sei von einflussreichen Persönlichkeiten für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden, war nichts anderes als eine von ihm und seiner Vertrauten Schneider-Lindemann lancierte Verlautbarung.

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