OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Schleusenmeister und Förster mit eigenen Friedhöfen

 - Februar 2004
Ausgabe: 
Nr. 84, I, 2004

Eine frühere Schankwirtschaft mit angeschlossenem Privatfriedhof, eine im wesentlichen Förstern vorbehaltene Ruhestätte mitten im Wald: Wer die erste besuchen möchte, findet sie im Lauenburgischen. Für die andere muss man sich in das brandenburgische Schlaubetal begeben.

Die Grabstätte der Familie Burmester/Harder liegt in dem Dorf Witzeeze unmittelbar an der historischen Dückerschleuse der Stecknitz (Delvenau), zugleich Grenzfluss zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Die Stecknitz (Delvenau) war einst für den Schiffstransport des Lüneburger Salzes eine äußerst wichtige Verbindung zwischen Lauenburg und Lübeck, das seit 1188 die Hoheitsrechte über die Trave und diesen ihren Nebenfluss besaß. Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts wurde ein Hans Düker mit der schon seit mehr als 200 Jahren bestehenden Schleuse belehnt. Dessen Schwiegersohn Hans Burmester und wiederum dessen Nachfahren namens Harder waren bis in die jüngste Zeit hinein im Besitz des unter Denkmalschutz stehenden Anwesens unmittelbar neben der Schleuse, das inzwischen allerdings für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Es beherbergte in früheren Zeiten nicht nur den Schleusenmeister und seine Familie, sondern war zugleich auch eine florierende Schankwirtschaft.

Was auffällt: Der kleine, mit einem schlichten Lattenzaun umgebene Familienfriedhof mit seinen lediglich fünf Grabstellen ist, wie ein Findling zu Füßen eines stattlichen Holzkreuzes ausweist, recht jungen Datums: Erst 1950 ist er auf Veranlassung des letzten – auch dort bestatteten – Schleusenmeisters mit behördlicher Genehmigung als Bestandteil des Ensembles angelegt worden. Für den Erhalt dieser – für Besucher zugänglichen – Stätte dörflich seltener Sepulkralkultur jüngster Vergangenheit fühlt sich, so Bürgermeister Heinz Wöhl-Bruhn, auch die Ortsgemeinde in der Pflicht. Der Gottesacker darf nach wie vor – allerdings nur noch für Urnen – von den Angehörigen in Anspruch genommen: Die jüngste Beisetzung war im Mai 2003.

Mitten im ausgedehnten Waldgebiet Brandenburgs, etwa 15 Kilometer südlich von Frankfurt/Oder, wird der Besucher des Naturparks Schlaubetal auf einen Flecken mit dem freundlichen Namen Siehdichum aufmerksam gemacht. Dort stößt er an einer Kreuzungsstelle mehrerer Wege auf den Försterfriedhof.

Sein Schöpfer war der Königliche Forstmeister Wilhelm Reuter, geb. 1836. Er war ein weit vorausschauender Fachmann: In seinem Gepäck auf der Rückkehr von einer Amerikareise brachte er Stecklinge der Roteiche mit. Diese, inzwischen mächtig herangewachsen, haben neben weiteren von ihm gesetzten Bäumen Abwechslung in diesen Teil des sonst eher monotonen brandenburgischen Kiefernwaldes gebracht. Ebenso machte Reuter sich um den Fischbesatz der zahlreichen Gewässer seines Wirkungsfeldes – Zander statt Hecht – verdient.

Nach dem Tod seiner Frau Marie 1891 ließ der Forstmeister den kleinen Friedhof anlegen. Hier fand 1902 auch seine Tochter Hedwig Eyber, Frau des Forstrats Karl Eyber, ihre letzte Ruhe. 1913 schloss Wilhelm Reuter die Augen, ein Jahr später seine zweite Frau Emilie. Die vier Gräber mit den gleichen in kleinen Findlingen festgehaltenen Platten in einer Reihe machen den Betrachter auf den Schöpfer des Friedhofs und seine Familie aufmerksam.

Nachdem 1919 der Forstmeister Sellheim das Preußische Stiftsforstamt Siehdichum übernommen hatte, ließ er den fünfeckigen Friedhof erweitern, der seither etwa 800 Quadratmeter groß ist. Nunmehr konnten dort auch Forstleute und deren Angehörige bestattet werden. Das jüngste Grab ist das des Revierförsters Clemens Göthert (1894–1985).

Unter den jetzt 25 Gräbern dort finden sich drei von Kindern. Und zwei, die Zeugnis ablegen von den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts: In ihnen ruhen Unternehmer aus Cottbus, die infolge der Weltwirtschaftskrise ihre Betriebe verloren, keinen Ausweg mehr wussten und sich im Schlaubetal das Leben genommen haben.

Unmittelbar neben dem Försterfriedhof erinnert ein Mahnmal an die fünf Angehörigen des Forstamtes Siehdichum, die im Ersten Weltkrieg „für Volk und Vaterland” gefallen sind. Die Pflege und Instandhaltung des kleinen berufsständischen Gottesackers mitten im Wald hat die Heimatgruppe des nahegelegenen Schernsdorf übernommen.

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