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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Der Hamburger Architekt Alexis de Chateauneuf (1799 - 1853)

Wer den Namen Chateauneuf hört, wird als Hamburg-Kenner bestimmt an die Architekturen der Alten Post, der Alsterarkaden oder des Wasserturms in Rothenburgsort denken, schon weniger an den Begriff Nachbrandarchitektur und wohl kaum an die Grabstätte des bemerkenswerten Architekten und Städteplaners auf dem Friedhof Ohlsdorf.

Dorthin wurden nämlich vor etwa 80 Jahren bei Auflösung der alten Friedhöfe seine Gebeine überführt. Warum der Ort seiner Beisetzung auf dem Althamburgischen Gedächtnisfriedhof nicht kenntlich gemacht wurde, ist unbekannt. Seit kurzer Zeit ist das nun anders: Beate Faerber, eine weitläufige Verwandte des Architekten, hat den alten Grabstein im Grabmal-Freilichtmuseum im Heckengarten ausfindig gemacht und im 150. Todesjahr von Chateauneuf dafür gesorgt, dass dieser nunmehr seine Grabstätte schmückt. Gegenüber dem Grabmal des Malers Philipp Otto Runge steht nun der aus einem Findling gehauene Stein. Vermutlich war er einst mit einem Kreuz bekrönt.

Chateauneuf
Grabstein für Alexis de Chateauneuf auf dem Althamburgischen Gedächtnisfriedhof (Foto: Rehkopf)

Chateauneuf war seit 1822 als freischaffender Architekt in Hamburg tätig. Als Bewunderer des Architekten Karl Friedrich Schinkel teilte er dessen Vorliebe für den Backsteinbau und seine Auffassung über die „Wahrheit” dieses Materials gegenüber dem damals üblichen weißen Anstrich klassizistischer Bauten. Nach dem Großen Brand im Mai 1842 übernahm Chateauneuf den Vorsitz der „Technischen Kommission” zum Wiederaufbau der Stadt. Durch seine städtebauliche und architektonische Tätigkeit in diesem verantwortlichen Gremium wurde er zum maßgeblichen Gestalter des Neubaugebietes. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Gebäude, die der sog. Nachbrandarchitektur zuzurechnen sind. Der kunsthistorische Hilfsbegriff für die Architektur zeichnet sich im Hochbau u.a. aus durch eine Vermischung der klassizistischen Formensprache mit dem modernen historischen Rundbogenstil und steht auch für die städtebauliche Neuplanung Hamburgs zu dieser Zeit.

Mit der Aufstellung seines Grabsteins hat Beate Faerber ihrem Vorfahr ein Denkmal gesetzt, eine dankenswerte Leistung, die eigentlich von Chateauneufs Vaterstadt hätte erbracht werden müssen, handelte es sich doch bei den Gräbern des Althamburgischen Gedächtnisfriedhofs offiziell um „Gräber im öffentlichen Interesse”.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Baumbestattungen (Februar 2004).
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