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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Ein Leichenwagen im Museum

Die Kleinstadt Müllrose, Herz des brandenburgischen Naturparks Schlaubetal, legt, wie unter anderem das vorzügliche Heimatmuseum beweist, großen Wert auf seine ortsbezogene Sepulkralkultur.

Am Eingang ihres 1871 in Betrieb genommenen Mittelfriedhofs weist nicht nur eine Informationstafel ausführlich auf die Geschichte der einst mehreren Ruheplätze der Stadt hin: Der Friedhof ist auch Bestandteil des städtischen Naturlehrpfades. Im Heimatmuseum ist der um 1895 entstandene Leichenwagen des Städtchens zu finden. Das pferdegezogene Gefährt war seit 1920 im Besitz der ortsansässigen Bestatterfamilien Gustav und Otto Kunert. Bis 1935 war es üblich, die zu Hause aufgebahrten Toten mit dem Fuhrwerk direkt zum Grab zu bringen. Zur schwarzen Dienstkleidung der Fuhrleute - das linke Pferd wurde auf dem Weg zum Begräbnis am Zaum geführt - gehörte selbstverständlich der Zylinder.

Leichenwagen
Leichenwagen im Heimatmuseum (Foto: Schreiber)

1963 wurde der Leichenwagen außer Dienst gestellt und geriet in den folgenden Jahren in einen bedenklichen Zustand. Eine aufwändige originalgetreue Restaurierung unter Verantwortung des Heimatmuseums bewahrte schließlich dieses spezielle Zeugnis der Ortsgeschichte vor dem Verfall.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft 125 Jahre Krematorien in Deutschland (November 2003).
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