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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Begräbnis- und Gedenkstätten für totgeborene Kinder in Hanau und Leer

Die Stadt Hanau und ihr Klinikum lassen auf ihre Kosten monatlich 10 bis 15 fehlgeborene und aufgrund ihres Gewichtes von weniger als 500 Gramm nicht bestattungspflichtige Kinder auf einen anonymen Grabfeld des städtischen Hauptfriedhofes "in Würde und aller Stille" beerdigen.

Grabfelder dieser Art gibt es in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet auch in Offenbach, Wiesbaden, Dieburg, Mainz und Rüsselsheim. Die katholischen Seelsorger des Klinikums Hanau haben eine erfolgversprechende Initiative für ein überkonfessionelles Grabmal, das auf der örtlichen Begräbnisstätte errichtet werden soll, ergriffen. Voraussichtlich wird es in Hanau auch an jedem Totensonntag einen ökumenischen Gottesdienst für Eltern und Angehörige totgeborener Kinder geben.

Seit 1996 bereits können nicht lebend geborene Kinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 500 Gramm in einer Gemeinschaftsgrabstätte auf dem Friedhof der Luthergemeinde Leer (Ostfriesland) beigesetzt werden. Initiatorin ist die Diakonin und Krankenhausseelsorgerin Marie-Luise Arnold, die von ihrem Mann, Superintendent Günter Arnold, nach Kräften unterstützt wird. Die kostenlose Gemeinschaftsgrabstätte einschließlich Beisetzung und Pflege der Anlage wurde auf einem Familiengrab, dessen Ruhezeit abgelaufen war, unter Verwendung eines etwa hundert Jahre alten Grabmals eingerichtet. Särge von 30 und 60 Zentimeter Länge gibt ein ortsansässiger Tischler zum Selbstkostenpreis von 20 Mark ab.

Vor der Beisetzung erhalten die Kinder einen Namen und werden gesegnet. Segnung und Namensgebung werden urkundlich festgehalten und den Eltern mitgegeben. Bisher sind 16 Beisetzungen vorgenommen worden. Aus Gleichheitsgründen, für die vor allem die Kostenfrage für Angehörige ausschlaggebend gewesen ist, werden keine Grabmale gestattet. Die Friedhofsverwaltung hat jedoch einen exakten Lageplan der einzelnen Gräber.

Die Anlage soll zugleich Gedenkstätte für jene sein, deren nicht lebend geborenen Kinder bereits unmittelbar nach der Geburt "entsorgt" worden sind. Eltern und Angehörigen wird von Marie-Luise Arnold ein Gesprächskreis angeboten. Außerdem werden sie am Vorabend eines jeden Ewigkeitssonntags zu einem Gedenkgottesdienst eingeladen.

(Siehe auch den Beitrag über den neuen Ohlsdorfer Gedenkplatz für nichtbeerdigte Kinder in "Ohlsdorf" Nr. 68, I/2000)

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Gemeinschaftsgrabstätten (Mai 2000).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2020).