OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Tagungsbericht "Totengedenken und Trauerkultur"

 - Februar 2000
Ausgabe: 
Nr. 68, I, 2000

Vom 19. bis 21. November 1999 fand unter Leitung von Dr. Markwart Herzog im Schwäbischen Tagungs- und Bildungszentrum Kloster Irsee die zweite Tagung der Reihe "Sterben, Tod und Jenseitsglaube" statt.

Unter dem Titel "Totengedenken und Trauerkultur" kamen über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen und –gebieten zusammen. Das Spektum reichte von Historikern, Literaturwissenschaftlern und Theologen bis hin zu Trauerrednern und Bestattungsunternehmer. Die stets offene Diskussionsatmosphäre ermöglichte einen konstruktiven Austausch (der abends im "Klosterkeller" fortgesetzt wurde ...).

Den Reigen der jeweils einstündigen Vorträge eröffnete der Ethnologe Prof. Dr. Rüdiger Schott (Bonn), der in einem Dia-Vortrag über die "Kommunikationsgemeinschaft zwischen Lebenden und Toten in Afrika" berichtete. Dr. Norbert Fischer (Hanstedt/Nordheide) beschrieb anschließend unter dem Titel "Zwischen Ritual und Individualität" die historische Entwicklung der Trauerkultur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Der zweite Veranstaltungstag begann mit einem Vortrag des Literaturwissenschaftlers Dr. Lothar Müller (Berlin) über Tod und Totengedenken bei Theodor Fontane. Müller wies darauf hin, in welch hohem Maß von Fontane – dessen Werke in der Industrialisierungsepoche erschienen – auf die vorindustriellen Traditionen im Umgang mit Tod und Trauer zurückgegriffen werden. Der Kunsthistoriker und Theologe Prof. Dr. Klaus Raschzok (Jena) berichtete über Epitaphien, Totenschilde und Leichpredigten als Erinnerungszeichen in einer protestantischen Frömmigkeitstradition. Er zeigte insbesondere, daß die Epitaphien in den Kirchen mit der Verlegung der Friedhöfe vor die Stadttore zusammenhing. Der Germanist und Kunsthistoriker Dr. Gerhard Hölzle (München) stellte das Totengedenken in religiösen Bruderschaften in Bayerisch-Schwaben vor. Mit einer Exkursion zum Irseer Gefallenendenkmal verbunden war der Beitrag der Münchener Historikerin Dr. Katharina Weigand, die über den Zusammenhang von Kriegstod und Gedenken berichtete.

Der dritte und letzte Veranstaltungstag begann mit einem Vortrag des Rechtshistorikers Prof. Dr. Gerhard Ries (München) über die Zerstörung des Totengedächtnisses, die er vor allem mit Beispielen aus der römischen Antike dokumentierte. Zum Abschluß der Tagung referierte der Psychologe Prof. Dr. Arnold Langenmayr (Essen) über die Folgen von Trauer und die Möglichkeiten der Trauerverarbeitung.

Den Referaten schlossen sich jeweils etwa halbstündige, meist sehr rege und kontroverse Diskussionen an, die von Dr. Markwart Herzog moderiert wurden. Die Tagungsreihe über "Sterben, Tod und Jenseitsglaube", die auch in Presse und Rundfunk Beachtung fand, soll im Frühjahr 2001 fortgesetzt werden.

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