OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Riedemann und Ohlsdorf

 - Mai 2001
Ausgabe: 
Nr. 73, II, 2001

Wegen der großen Nachfrage habe ich meine Riedemann-Biografie "Ein Waisenknabe wird zum Petroleumkönig" zum dritten Mal aufgelegt.

Das Buch ist nun auch im Ohlsdorfer Museum erhältlich. Es kann auch in jeder Buchhandlung unter der ISBN-Nummer 3-932053-08-7 bestellt werden. Die Person Riedemann, sein Wirken als "Tankerkönig" in Hamburg und sein Mausoleum auf dem Friedhof Ohlsdorf sind mir Anlass, auf Personen und deren Gräber aufmerksam zu machen, mit dem sein Leben in Hamburg eng verknüpft war. Sie waren einflussreiche Personen und davon künden noch heute ihre Grabdenkmale. Mit den in Klammern gesetzten Nummern verweise ich auf den einschlägigen Katalogband des Christians-Verlages und die ungefähre Lage auf dem Friedhof.

Als Riedemann 1890 seine geschäftlichen Fühler nach Hamburg ausstreckte, begann ein Wirtschaftskampf mit dieser Stadt, der ihn mit später wohlgesonnenen Persönlichkeiten zusammenkommen ließ. Zunächst verhandelte er damals mit einer Senatskommission, deren Vorsitzender der als Friedhofssenator bekannte Johann Friedrich Stahmer (Kat. 268, AA 12) war. Jeder kennt wohl sein Grabmal, die majestätische "Siegessäule" in der Nähe des Nordteichs mit der Büste des Senators, geschaffen von Xaver Arnold (Kat. 948, L 15). Zu dieser Kommission gehörte auch der Senator und spätere Bürgermeister Johann Georg Mönckeberg (Kat. 170, Z 10). Als Syndikus hatte man hinzugezogen den Prof. Dr. Martin Leo (Kat. 297, Z 12). Sein Grab, auch von Xaver Arnold gestaltet, finden wir ziemlich versteckt im Waldteil hinter den "Nottebohm-Gräbern".

Als Riedemann nach Hamburg umsiedelte, bezog er die Villa Alsterufer 27 (heute Amerikanisches Generalkonsulat), erbaut von Martin Haller (Kat. 72, W 22). Als Großaktionär hatte Riedemann Edmund Siemers (Kat. 801, AD 14) in die DAPG aufgenommen. Das Siemers-Grab finden wir auf dem sogenannten Millionenhügel. Riedemanns ältester Sohn, Dr. Heinrich A. Riedemann kaufte eine ebenfalls von Martin Haller erbaute Villa in der Badestraße. Sie wurde im Bombenkrieg zerstört. Der Vorbesitzer war Albert Ballin (Kat. 886, Q 10). Dieser ließ sich dann ein noch größeres Haus an der Feldbrunnenstraße bauen. Wohl jeder kennt auf seinem Grab den Ballin-Findling mit dem typischen Punkt hinter seinem Namen.

Sein zweiter Sohn, Dr. Nikolaus Anton Maria R., genannt Tonio, kaufte ebenfalls eine Villa, die Martin Haller und Hermann Geißler (O 10) entworfen hatten. Der nächste Sohn, Dr. Wilhelm Riedemann, tat es ihnen nach, er kaufte eine Haller-Villa in der Klopstockstraße. Sie wurde in den letzten Kriegstagen ein Opfer der Bomben. Hier waren Eduard und Anna Lippert (Kat. 269, U 23) die Vorbesitzer und Verkäufer gewesen. Das Ehepaar Lippert zog von hier zum Gut Hohenbuchen. Nicht unbekannt ist auf dem Friedhof der sogenannten Lippertplatz mit der von Martin Haller entworfenen Grabmalwand und den Reliefs von Johannes Schilling. Wilhelm Riedemann war zunächst der persönliche Sekretär von Bürgermeister Dr. Johann Heinrich Burchard (Kat. 686, AA 16). Dessen königliches Grabmal, entwarf Fritz Schumacher (Kat. 1298, Althamburgischer Gedächtnisfriedhof) und wurde ausgeführt von Richard Kuöhl (Kat. 1074, Y 10). Es liegt auf einem Hügel am Rande des Nordteichs.

Nach dem Studium ging sein jüngster Sohn auf Brautschau und erwählte sich Josefa Berckemeyer. Das Grab dieser Familie liegt im Waldteil gegenüber dem Wasserturm (Kat. 543, M 24) und fällt durch ein gewaltiges Granitkreuz auf. Schaut man sich die Grabplatten dieser Grabstätte an, ist ein Familienmitglied aus dem Hause Mönckeberg zu entdecken und ein weiteres aus dem Hause O´Swald. 1905 ließ sich Wilhelm Anton Riedemann sein Mausoleum von Martin Haller und Hermann Geißler entwerfen. Riedemanns Frau war eine geb. Bödiker. Auch ein Grab mit diesem Namen gibt es in Ohlsdorf. Dort erscheint zusätzlich der Name Berentzen. Doch dieser Name weist von Hamburg nach Haselünne, von wo die Familie Riedemann einst kam, und führt auch zum Apfelkorn gleichen Namens.

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