OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

140 Jahre Ohlsdorfer "Prominenz"

 - Mai 2017
Ausgabe: 
Nr. 137, II, 2017

Seit der Eröffnung am 1. Juli 1877 sind über 1,4 Millionen Menschen auf dem Ohlsdorfer Friedhof bestattet worden.

Am Anfang war Ohlsdorf ein Begräbnisplatz für die "kleinen Leute". Es dauerte einige Jahre, bis auch Wohlhabende die Anlage für sich entdeckten, teils freiwillig, teils gezwungenermaßen wegen der Schließung der alten Friedhöfe. Die kleine "Auswahl" bekannter und unbekannter oder mittlerweile wieder vergessener Persönlichkeiten, die hier folgt, ist einzig unter dem Gesichtspunkt zusammengestellt worden, dass das jeweilige Sterbejahr passend zum Eröffnungsjahr des Friedhofes mit der Ziffer sieben endet:

Bestattet wurden

vor 140 Jahren:

Zuerstbeerdigte (Grablage U 9)

Am 1. Juli 1877 um 12 Uhr wurden drei Personen in einer Feierstunde als erste auf dem Friedhof bestattet: die Tischlersfrau Eva Maria Stülken, verstorben am 27. Juni im Alter von 39 Jahren, der Arbeitsmann Hans Hinrich Davidsen, verstorben am 28. Juni im Alter von 45 Jahren und der Arbeiter Heinrich Anton Schmidt, verstorben am 26. Juni im Alter von 53 Jahren.

Zuerstbeerdigte
Zuerstbeerdigte. Foto: P. Schulze

An die Eröffnung erinnert heute der Gedenkstein gegenüber der Kapelle 1. Die Namen der drei Bestatteten findet man dagegen nur noch im Bestattungsregister, in dem alle Beerdigungen verzeichnet wurden. Alle drei waren im sogenannten "Allgemeinen Grab" bestattet worden, bei dem keine Verlängerung möglich ist. Ihre Grabsteine sind längst geräumt, und das Grabfeld wurde neu gestaltet.

Hein Hinrich Schwen, 1819–1877 (Grablage T 9, 96–100)

Heute noch vorhanden ist dagegen der Grabstein von Hein Hinrich Schwen direkt gegenüber der Kapelle 1. Er bezeichnet das älteste am ursprünglichen Ort befindliche Grab. Erworben als "Eigenes Grab" konnte die Ruhezeit immer wieder verlängert werden, und das Grab blieb somit erhalten.

Schwen
Grabmal Schwen. Foto: P. Schmolinske

Schwen war seit 1849 Besitzer eines kleinen Teiles des Friedhofsgeländes, das er allerdings nur im Nebenerwerb als sogenannter "Anbauer" bewirtschaftete und 1876 an den Staat verkaufte. Im Bestattungsregister ist sein Beruf als Butterhändler eingetragen. Schwen verstarb am 30. Juni 1877, also genau einen Tag vor der Eröffnung des Friedhofs. Am 3. Juli um 4 Uhr nachmittags wurde er von den Mitgliedern des Fuhlsbüttler Gesangvereins feierlich zu Grabe getragen, wie im Bestattungsregister ebenfalls vermerkt ist.
Das Schwen‘sche Wohnhaus am Eingang des Friedhofs diente in den ersten Jahren als provisorische Kapelle. Damit es feierlicher aussah, hatte man am Giebel ein Türmchen angebracht. Die ehemaligen Wohnräume nutzte man als Büro. Im Friedhofsmuseum ist eine Zeichnung des Hauses zu besichtigen, die Helene Cordes, die Tochter von Direktor Cordes, nach einem Foto angefertigt hatte.

vor 130 Jahren:

Ferdinand Laeisz, 1801–1887 (Grablage V 8, 198–206)

Ferdinand Laeisz ging nach der Buchbinderlehre auf Wanderschaft und erlernte während einer Anstellung in Berlin die Anfertigung von Seidenhüten. Nach Hamburg zurückgekehrt konnte er diese Fertigkeit erfolgreich nutzen. 1824 gründete er die Firma "F. Laeisz" und begann Hüte zu exportieren, besonders nach Südamerika. Dort bestanden in mehreren Städten über einen kurzen oder längeren Zeitraum Niederlassungen. In der Gegenrichtung importierte die Firma Kolonialwaren. 1840 ließ Laeisz ein Schiff bauen, verkaufte es jedoch schon nach vier Jahren wieder. Er hatte aber bereits einen so guten Namen in Schifffahrtskreisen, dass er bei der Gründung der HAPAG im Jahre 1847 in die Direktion gewählt wurde.

Laeisz
Grabmal Laeisz. Foto: A. Schmolinske

Ferdinand Laeisz gehörte viele Jahre der Hamburger Bürgerschaft an und wurde mehrere Male zum Alterspräsidenten gewählt. Er engagierte sich sozial. U.a. wurden durch seine Initiative Volksküchen und Volksbäder eingerichtet. Sein "Laeisz-Stift" in St. Pauli wurde 1860 eröffnet und war bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in Betrieb. 1861 gründete er eine Seemannskasse und finanzierte noch im selben Jahr den "Hamburger Rettungsverein", der 1865 in der "Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" aufging.

vor 110 Jahren:

Marie Anne Zacharias, 1828–1907 (Grablage R 25, 27–56)

Marie Zacharias war eine vielseitig interessierte und begabte Persönlichkeit. Ihr besonderes Interesse galt dem Zeichnen, und sie hielt in ihren Bildern viel vom alten Hamburg fest. Lebendig schreiben konnte sie auch, wie ihre 1954 posthum erschienenen Familien-, Stadt- und Kindergeschichten zeigen, in denen sie sehr anschaulich und humorvoll Familie und Elternhaus schildert und auch manches aus dem Leben im alten Hamburg beschreibt.

Zacharias
Marie Anne Zacharias. Foto: R. Dührkoop

1850 heiratete Marie den aus Königsberg stammenden Kaufmann Adolf Nicolaus Zacharias. Er galt als geistreich und gebildet, besaß eine umfangreiche Bibliothek und sammelte Kupferstiche. Politisch kämpfte er gegen Bismarcks Politik und den Zollanschluss Hamburgs. Drei Kinder, Eduard, Marie Anne und Adolf Nicolaus jun., wurden zwischen 1852 und 1858 geboren. Bereits 1880 wurde Marie Zacharias Witwe und lebte zunächst finanziell sehr beengt, bis ihr Schwiegersohn Eduard Lippert sie ab 1891 großzügig unterstützen konnte und ihr ein Haus am Mittelweg 48 kaufte. Hier empfing sie viele Gäste aus den kulturell interessierten Kreisen Hamburgs. Aus der Bekanntschaft von Marie Zacharias und Alfred Lichtwark, der seit 1886 Direktor der Hamburger Kunsthalle war, entwickelte sich eine enge Freundschaft.

Grabplatte
Grabplatte Marie Zacharias. Foto: P. Schmolinske

Marie fand für ihre Begabungen ein Betätigungsfeld in der von Lichtwark initiierten Gesellschaft Hamburgischer Kunstfreunde. Sie war 1893 Mitbegründerin, bis zu ihrem Tode stellvertretende Vorsitzende und ab 1899 Ehrenmitglied. In den ab 1895 von der Gesellschaft herausgegebenen Jahrbüchern ist sie in fast jedem Band mit Bildern und Textbeiträgen vertreten.

Alexander Kähler, 1832–1907 (Grablage Q 25, 36–49)

Alexander Kähler war der Sohn eines Hamburger Kaufmanns und trat nach seiner Ausbildung zunächst in die väterliche Firma ein. 1870 wurde er zum Richter am Niedergericht gewählt und von diesem in die neue Bürgerschaft entsandt.

Kähler
Grabmal Kähler. Foto: A. Schmolinske

1888 wurde er Senator und war u.a. tätig für die Finanz-, Handels-, Schifffahrts- und Baudeputation. Daneben widmete er sich vielen wirtschaftlichen, sozialen und kirchlichen Einrichtungen, z.B. der Handelskammer, den Gaswerken, der Neuen Sparkasse, dem oberelbischen Schiedsgericht, mehreren Kirchenvorständen und der Averhoff-Stiftung. Sein Familiengrabmal wurde 1908 von dem Bildhauer Robert Schröter geschaffen.

vor 90 Jahren:

Jacob Ochs, 1871–1927 (Grablage A E 16, 286–99, Grabstätte Lubcke)

Hinter dem Millionenhügel am Grabmal der Familie Lubcke entdeckt man bei genauem Hinsehen am rechten Sockel den Namen Jacob Ochs. Über ihn finden sich im Buch 'Hammonias Gärtner' folgende Angaben: "Der erste Gärtner, den man nach heutigen Auffassungen als 'Gartenarchitekt' bezeichnen kann, war wohl Jacob Ochs. … Er war auch der erste, der den Begriff 'Gartenbau' prägte und seine Firma in seinen Katalogen und Werbeschriften so nannte. Dabei sollte das Wort in seinem ursprünglichsten Sinn verstanden werden: Garten-Bau, also Bau und Anlage von Gärten. Erst von da an taucht das Wort Gartenbau mehr und mehr auf, es hatte in Hamburg seinen Ursprung und nahm von hier aus seinen Lauf durch die Welt."

Ochs
Grabmal Lubcke/Ochs. Foto: P. Schmolinske

Jacob Ochs gründete seine Firma 1896. Mindestens 148 von ihm gestaltete Gärten und Parkanlagen lassen sich belegen. Er war dabei Vorreiter eines neuen "Gartenstils", der sich sowohl vom englischen Landschaftspark als auch von der strengen französischen Auffassung unterschied. Durch die Zusammenarbeit mit angesehenen Architekten erhielt Ochs auch größere Aufträge. Dadurch und durch seine sehr solide Arbeitsweise war er so erfolgreich, dass er später auch eine Filiale in Berlin hatte. 1911 plante Ochs mehrere Gärten der Gartenstädte Hellerau bei Dresden und gestaltete 1913 die Anlage um das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Bei der Gartenbauausstellung in Dresden 1926 verkalkulierte er sich aber und musste Konkurs anmelden.

Paul Bäumer, 1896–1927 (Grablage H 6, 188)

Paul Bäumer war Pilot und Flugzeugkonstrukteur. Mit seinem selbst konstruierten, leuchtend rot lackierten Leichtmetallflugzeug "Sausewind" stellte er mehrere Weltrekorde auf und war mit seinen berühmten Kunstflügen die Attraktion zahlreicher Flugschauen.

Bäumer
Grabmal Bäumer (Detail). Foto: A. Schmolinske

Bei einem Testflug über den Öresund verlor er die Gewalt über seine Maschine vom Typ Rohrbach und stürzte aus 5000 Meter Höhe in die See.

Werner von Melle, 1853–1937 (Grablage Z 10, 14–23)

Werner von Melle war Jurist, Hamburger Senator und Bürgermeister.

von Melle
Grabplatte von Melle. Foto: P. Schmolinske

Sein Interesse galt besonders Bildungsfragen. Er förderte das öffentliche Vorlesungswesen und gab den Anstoß zur 1907 erfolgten Gründung der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung. Sein Ziel war die Schaffung einer Hamburger Universität, die nach jahrelangen Kämpfen im Jahre 1919 endlich gegründet werden konnte. Für seinen Einsatz wurde von Melle 1921 zum "rector magnificus honoris causa" ernannt.

vor 70 Jahren:

Fritz Schumacher, 1869–1947 (Althamburgischer Gedächtnisfriedhof)

In Hamburg war der Architekt Fritz Schumacher vor allem als Stadtplaner tätig, doch sind auch mehr als 90 Gebäude und Brücken von ihm entworfen worden. Als Sohn einer Juristenfamilie verlebte Fritz Schumacher seine Kindheit im Ausland, besuchte dann in Bremen das Gymnasium und studierte an der Technischen Hochschule München Architektur. Nach anfänglicher Tätigkeit in München erhielt er 1896 eine Stelle im Stadtbauamt Leipzig und kam dort mit den Reformideen der Zeit in Verbindung. Von 1901 bis 1909 lehrte er als Professor an der Technischen Hochschule Dresden, wo er zum Mitbegründer des Deutschen Werkbundes wurde.

Schumacher
Grabplatte Schumacher. Foto: P. Schmolinske

1909 trat er in Hamburg die Stelle eines Baudirektors und Leiters des Hochbauwesens an. Dort blieb er bis zu seiner Zwangspensionierung durch die Nazis im Jahr 1933. Kurz vor seinem Umzug nach Hamburg entwarf er in Dresden-Tolkewitz ein Krematorium mit Urnenhain, mit dem er sich weitgehend vom zeitgenössischen Historismus löste. Für den Ohlsdorfer Friedhof schuf er die 1929 fertiggestellte 13. Kapelle, einen Rundbau in dem für seine Hamburger Bauwerke typischen Backsteinstil, einem Stil, den er auch für seinen Entwurf des neuen Krematoriums beibehielt. Dieser 1930–1932 errichtete Bau ist sein letztes öffentliches Bauwerk in der Hansestadt. Daneben befinden sich auf dem Ohlsdorfer Friedhof eine Reihe von Grab- und Denkmalen von seiner Hand. An erster Stelle ist das Denkmal für den ersten Friedhofsdirektor Wilhelm Cordes im Rosengarten zu nennen. Aber er hat auch das Grabmal für den Direktor der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark auf dem Althamburgischen Gedächtnisfriedhof entworfen, die Grabanlage für die Opfer der Revolutionsjahre 1918–1920 und die ganz in der Nähe gelegene Ehrengrabstätte der Polizei (Revier Blutbuche) sowie mehrere Familiengrabmale.

Richard Ohnsorg, 1876–1947 (Grablage AC 6, 168–69)

Richard Ohnsorg war Bibliothekar, Philologe, Theatergründer, -leiter und Schauspieler. 1900 wurde er in Rostock mit einer Arbeit über englische Dramatik promoviert. Ab 1901 arbeitete Ohnsorg in Hamburg bei der Öffentlichen Bücherhalle, widmete sich in seiner freien Zeit aber dem Theater. Mit der 1902 gegründeten "Dramatischen Gesellschaft Hamburg" machte er es sich zur Aufgabe, das Niederdeutsche Theater von der Lokalposse wegzuführen. So wurden u. a. alle Stücke von Gorch Fock aufgeführt.

Ohnsorg
Grabmal Ohnsorg. Foto: P. Schmolinske

1920 erfolgte die Umbenennung in "Niederdeutsche Bühne". Zunächst spielte das Ensemble ohne eigenes Haus. Man gastierte an Hamburger Theatern und ging auch auf Tournee durch Norddeutschland, bis man 1936 die Bühne in den Großen Bleichen als ständige Spielstätte beziehen konnte. Seit 1947 trägt das Theater Ohnsorgs Namen und ist seit 2011 im Bieberhaus zu finden.

Wolfgang Borchert, 1921–1947 (Grablage AC 5, 6)

Am 20. November 1947 starb Wolfgang Borchert mit nur 26 Jahren in Basel.

Borchert
Grabstätte Borchert. Foto: P. Schulze

Der Autor des Dramas um den Kriegsheimkehrer Beckmann "Draußen vor der Tür" war Hamburger mit Leib und Seele. Ihm verdanken wir diese Liebeserklärung an den Ohlsdorfer Friedhof:

"Hamburg! Das sind die tropischen tollen Bäume, Büsche und Blumen des Mammutfriedhofes, dieses vögel-durchjubelten gepflegtesten Urwaldes der Welt, in dem die Toten ihren Tod verträumen und ihren ganzen Tod hindurch von den Möwen, den Mädchen, Masten und Mauern, den Maiabenden und Meerwinden phantasieren. Das ist kein karger militärischer Bauernfriedhof, wo die Toten (in Reih und Glied und in Ligusterhecken gezwungen, mit Primeln und Rosenstöcken wie mit Orden besteckt) auf die Lebenden aufpassen und teilnehmen müssen an dem Schweiß und dem Schrei der Arbeitenden und Gebärenden – ach, die können ihren Tod nicht genießen! Aber in Ohlsdorf – da schwatzen die Toten, vom unsterblichen Leben! Denn die Toten vergessen das Leben nicht – und sie können die Stadt, ihre Stadt, nicht vergessen!"

Das Grab Wolfgang Borcherts und seiner Eltern Hertha und Fritz Borchert ist in der Dichterecke zu finden.

vor 50 Jahren:

Hans Schomburgk, 1880–1967 (Grablage Z 16, 211–18, Grabstätte Neuss)

Hans Schomburgk war der Sohn des Hamburger Architekten Hermann Eduard Schomburgk. Durch die Lektüre von Brehms Tierleben und Erzählungen von gleich drei forschungsreisenden Großonkeln angeregt, fühlte er sich ebenfalls zum Forscher berufen. Mit 17 Jahren konnte er seine Eltern überreden, ihn nach Südafrika fahren zu lassen. Seine bunte "Karriereleiter" führte über drei Jahre als Polizeireiter bei der Natal Mounted Police und Tätigkeiten wie Droschkenkutscher und Rennreiter zunächst zum Großwildjäger. 1911 suchte und fand er in Hagenbecks Auftrag in Liberia das als ausgestorben geltende Zwergflusspferd.

Schomburgk
Grabstätte Schomburgk. Foto: A. Schmolinske

1913 entdeckte Schomburgk die Möglichkeiten, die Foto und Film boten. Für die Tropen untaugliches Filmmaterial forderte viel Lehrgeld, doch nachdem die Anfangsschwierigkeiten überwunden waren, entstanden beeindruckende Aufnahmen vom Leben der Eingeborenen und der Tierwelt, mit denen er sich einen Namen als Afrikakenner machte. Außerdem wurde er als Buchautor bekannt.

Hans Speckter, 1901–1967 (Grablage X 21, 134–41)

Hans Speckter studierte Architektur in Hannover. Zunächst war er in Osnabrück als Stadtplaner tätig, ab 1937 dann bei der Hamburger Baubehörde.

Speckter
Grabstätte Speckter. Foto: A. Schmolinske

1952 wurde er zum Leiter des Landesplanungsamtes Hamburg ernannt. Er war maßgeblich am Wiederaufbau Hamburgs nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt und u. a. auch an der Gestaltung des Alsterwanderwegs.

vor 40 Jahren:

Henry Vahl, 1897–1977 (Grablage AD 5, 158–59)

Henry Vahl wurde am 26. Oktober 1897 in Stralsund als ältestes von vier Kindern des Seemanns Franz Vahl und seiner Frau Friederike geb. Fürstenberg geboren. Bereits sehr früh kam Henry mit dem Theater in Berührung, als für eine Aufführung von Ibsens "Nora" ein Kind gesucht wurde. Der Auftritt war erfolgreich, und diese willkommene Zusatzeinnahme wurde von nun an gerne genutzt, bis der Vater eine Anstellung bei der Kaiserlichen Werft in Kiel bekam und die Familie im Frühjahr 1906 dorthin umzog.

Vahl
Grabstätte Vahl. Foto: P. Schulze

Nach dem Ende der Schulzeit kam zunächst eine abgebrochene Lehre als Drucker bei der Kaiserlichen Werft, dann die Arbeit in einer Molkerei. Dank eifriger Lektüre von "Der gute Ton in allen Lebenslagen" und Hochdeutsch sprechen mit Mutter bekam Henry den nächsten "Job", nämlich als Lift Boy in einem eleganten Kieler Hotel. Hier wurde er von dem Kieler Theaterdirektor Carl Alving entdeckt. Zunächst spielte er nur neben seiner Arbeit. Doch als 1918 der Krieg zu Ende war, ging er ganz zum Theater und wechselte nach Lübeck.
Hier lernte Henry Vahl die Tänzerin Germaine Koch kennen, seine spätere Ehefrau, die an derselben Bühne engagiert war. 1920 gingen beide an ein Braunschweiger Theater, 1926 dann nach Bernburg und, als das dortige Theater 1929 pleite war, nach Berlin, wo Henry immerhin als Statist bei Max Reinhardt und dann als Chargenspieler am „Deutschen Theater“ unterkam. Nach 1933 kamen auch erste kleine Auftritte im Film dazu.

Für die Saison 1940/41 war das Ehepaar Vahl nach Karlsbad engagiert. Hier erreichte sie die Nachricht, dass man Germaine, die von Seiten ihres leiblichen Vaters jüdischer Abstammung war, die Arbeitserlaubnis entzogen hatte. Als die Schwierigkeiten deshalb immer größer wurden, tauchte Germaine schließlich unter. Ihr Stiefvater, der als Polizeibeamter manche Einblicke hatte, konnte ein Versteck an einem völlig abgeschiedenen Platz in der Nähe von Ratzeburg vorbereiten, wo Germaine tatsächlich bis Kriegsende unbehelligt blieb. Offiziell galt sie als vermisst, und Henry wusste dreieinhalb Jahre lang nicht, wo sich seine Frau aufhielt.

1950 zogen Henry und Germaine nach Hamburg. Henry spielte an verschiedenen Theatern und auch in einer ganzen Reihe von Filmen. Richtig populär wurde er aber erst, als er 1958 unter Walter Scheraus Regie im Ohnsorg-Theater den Schustergesellen Matten in "Meister Anecker" spielte und zu einem ständigen Mitglied des Ohnsorg-Ensembles wurde. Und als dieses Stück schließlich 1965 in einer Neuinszenierung von Hans Mahler im Fernsehen übertragen wurde, avancierte Vahl über Nacht zum "Opa der Nation".

Ab 1972 trat Henry Vahl noch einige Jahre im St. Pauli-Theater auf. Am 13. März 1975 starb dann seine Frau Germaine. Er selber erlitt 1976 einen Schlaganfall und verstarb schließlich am 21. Juli 1977. Neben ihrer gemeinsamen Grabstätte liegt das Grab von Henrys jüngerem Bruder Bruno Vahl-Berg (1903–1984), der ebenfalls Schauspieler geworden war. Der Namenszusatz "Berg" ist die letzte Silbe vom Mädchennamen der Mutter. Zwei Gräber weiter links befindet sich seit 2012 das Grab des Neffen Edgar Bessen (1933–2012), Sohn der Schwester Lizzy.

Hans Erich Nossack, 1901–1977 (Grablage U 22, 8–27)

Hans Erich Nossack, Sohn eines Hamburger Kaufmanns, studierte in Jena Jura und Philosophie und absolvierte auch noch eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Bereits mit 15 Jahren begann er zu schreiben: Gedichte, Bühnenstücke und kritische Reflexionen. Politisch stand er der KPD nahe und war zeitweises Mitglied.

1933 erhielt Nossack von den Nazis Schreibverbot und trat als Kaufmann in die väterliche Firma ein. Ein Teil seines bisherigen Werkes wurde 1943 durch Bomben vernichtet.

Nossack
Grabstätte Nossack. Foto: P. Schmolinske

Erst nach dem Krieg kam Nossack zu literarischem Ruhm. 1949 wurde er in die Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, gewählt und war 1950 neben Hans Henny Jahnn Gründungsmitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Darüber hinaus war er seit 1961 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt. Im selben Jahr erhielt er den Georg-Büchner-Preis und 1973 den Alexander-Zinn-Preis.

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