OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Öjendorf – ein Arbeitsplatz. Ein Interview mit Gärtnermeister Knuth Paul

 - August 2016
Ausgabe: 
Nr. 134, III, 2016

Das 50jährige Jubiläum ist für uns auch ein Anlass nach dem Arbeitsplatz Öjendorf zu fragen. Dankenswerter Weise hat sich der Gärtnermeister Knuth Paul bereit erklärt, uns in einem Interview Rede und Antwort zu stehen. Knuth Paul ist seit 15 Jahren auf dem Friedhof Öjendorf in leitender Stellung tätig. Ihm ist die gärtnerische Betreuung des etwa 50 Hektar großen Reviers Süd anvertraut. Helmut Schoenfeld hat sich mit ihm vor Ort über den grünen Friedhof im Osten Hamburgs unterhalten.

Schoenfeld: Herr Paul, der Öjendorfer Friedhof ist nunmehr 50 Jahre alt. Fast einer Drittel dieser Zeit haben sie hier schon gewirkt. Damit sind Sie wohl einer der Älteren, die noch ein wenig aus den zurückliegenden Zeiten dieses ganz anderen Friedhofs wissen.

Paul: Nach über 25 Jahren auf dem schönen Friedhof Ohlsdorf war es mir ein persönliches Anliegen, mich noch einmal zu verändern. Der damalige Friedhofsleiter Herr Carstens, hat mir einen dreiwöchigen Austausch der Revierleitung angeboten. Durch diesen Austausch fiel mir die Entscheidung zu einem dauerhaften Wechsel zum Friedhof Öjendorf etwas leichter, zumal mein Wohnsitz nicht weit vom Öjendorfer Friedhof ist.

K. Paul
Knuth Paul, Gärtnermeister Friedhofsgärtnerei Süd. Foto: P. Schulze

Schoenfeld: Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an diesem Friedhof? Auffallend sind die vielen gleichgroßen und runden Grabfelder und der Baumbestand.

Paul: Das stimmt, die Gestaltung des Öjendorfer Friedhofs ist schon etwas Besonderes. Durch die Rahmenbepflanzung um die Grabkreise kommen die Grabstätten besser zur Geltung. Man schaut nicht durch lange Reihen von Gräbern, sondern auf kleine in sich abgeschlossene Friedhofsbereiche. Die Anordnung der Grabkreise ermöglicht ein einfaches Auffinden der Grabstätten.

Schoenfeld: Hat sich seit damals viel geändert und was?

Paul: O ja, da hat sich einiges getan in den Jahren. Ein großer Einschnitt war die Auflösung des allgemeinen Betriebshofes und die damit verbundene Umverteilung der Tätigkeiten auf unsere beiden Friedhofsgärtnereien Nord und Süd, sowie die Verlagerung nach Ohlsdorf. Damit die Gebäude und Fahrzeughallen am Eingang Mattkamp nicht ungenutzt blieben, sind wir aus der Friedhofsgärtnerei Süd auf den ehemaligen Betriebshof umgezogen. In diesem Zusammenhang wurde auch die Stelle des Friedhofsleiters eingespart und der Friedhof wird seitdem aus Ohlsdorf mitgeleitet. Aktuell steht noch der Abriss der Feierhalle Süd und der Betriebstätte West an.

Schoenfeld: Die ersten anonymen Beisetzungen in Hamburg fanden 1970 hier in Öjendorf statt. Wie stellen sich die Bestattungsgewohnheiten heute dar?

Paul: Unverändert finden hier anonyme Erd- und Urnenbeisetzungen statt. Starken Zulauf haben die Urnenbeisetzungen im unbekannten Grabfeld bekommen. Da der islamische Teil gut angenommen wird, sind auch dort die Erdbeisetzungen gestiegen. In 2008 wurde die Urnenwand südlich der Feierhallen für Beisetzungen freigegeben, die so gut angenommen wird, dass sie erweitert wurde. Im Bereich der Friedhofsgärtnerei Nord werden die Mitbürger beigesetzt, die keine Angehörigen mehr haben.

Schoenfeld: In Ihrem Revier gibt es viele islamische Grabfelder. Nehmen diese Beisetzungen zu? Muss der Friedhof deswegen nochmals erweitert werden?

Paul: Ja, die Beisetzungen auf dem islamischen Teil des Öjendorfer Friedhofs nehmen seit 2007 stetig zu. Geplant ist eine Erweiterung der Friedhofsfläche in Richtung Süden.

Schoenfeld: Was ist das auffälligste Andere an den islamischen Gräbern? Was den Grabschmuck anbelangt, scheint er etwas differenzierter zu sein als die sonst übliche, aber monotone Begonienbepflanzung.

Paul: Nach der Beisetzung werden die Grabstätten in voller Größe angelegt. Dem Hinterbliebenen werden, bis auf kleine Einschränkungen, keine Bepflanzungsvorgaben gemacht. Es wird eine bunte, vielfältige Auswahl an verschiedenen Topf- und Beetpflanzen genommen. Gerne wird feiner oder auch grober Kiesel als „Blumenschmuck“ ausgewählt und auf die gesamte Beetfläche ausgelegt. Im Gegensatz dazu gibt es aber auch Grabstätten, die gar keine Pflege erhalten und nach dem ersten Jahr von Wildbewuchs überwuchert sind. Für das Grabmal gilt das gleiche, ganz nach Geschmack und Wunsch werden Einfassungen und teilweise aufwendige Grabmale aufgestellt.

Schoenfeld: Wie verhält es sich ansonsten mit der Pflege der Grabstätten, ist sie der Schwerpunkt ihrer Aufgaben, sind private Friedhofsgärtner auch damit befasst?

Paul: Die Pflege der Grabstätten macht nur ein Teil meiner täglichen Arbeit aus. Für die Pflege der Gräber werden die beiden Friedhofsgärtnereien, aber auch private Unternehmen von den Kunden beauftragt.

Schoenfeld: Schildern Sie doch einmal den Ablauf eines normalen Arbeitstages eines Öjendorfer Revierleiters. Mit wie viel Personal müssen Sie Ihre Arbeit "wuppen"? Wie ist es um den Maschinenbestand bestellt?

Paul: Der Arbeitstag beginnt eigentlich schon am Vortag mit der Arbeitsbesprechung. Mit meiner Stellvertreterin und meinem Vorarbeiter wird der kommende Tag geplant. Am nächsten Morgen werden die Mitarbeiter zu den verschiedenen Arbeiten eingeteilt. Der Arbeitstag wird durch viel Büroarbeit bestimmt, z.B. Stundenerfassung der Mitarbeiter, Pflanzen- und Materialbestellung. Im Revier selbst verschiedene Kontrollarbeiten, u. a. vor einer Sarg- oder Urnenbeisetzung. Und natürlich nicht zu vergessen, der tägliche Kundenkontakt, sowohl persönlich als auch am Telefon. Zu meinen Tätigkeiten gehört es auch, Hinterbliebenen Grabstätten für eine Beisetzung zu zeigen.

Mein Team umfasst 13 Mitarbeiter, von denen zwei für das Öffnen der Grüfte auf dem gesamten Friedhof zuständig sind. Zwei weitere Mitarbeiter sind mit dem Rasenschnitt in meinem Revier betraut, des Weiteren eine Mitarbeiterin mit der Reinigung der Unterkunft. Alle anderen führen die anfallenden saisonalen Arbeiten aus. Unser Maschinenbestand besteht aus Bagger, Radlader, Muldenkipper, Kleintraktor, Rasenmäher und diversen Kleinmaschinen.

Schoenfeld: Sicher hat die digitale Welt auch bei Ihnen Eingang gefunden, im Büro bestimmt, auch schon im Revier, vor Ort?

Paul: Ja, auch bei uns haben der Computer, das Handy und das Tablet vor den Friedhofstoren nicht halt gemacht. Die Technik ist bei unserer Arbeit sehr hilfreich, kann aber auch bei einem Ausfall zu erheblichen Störungen führen.

Schoenfeld: Wie steht es um den fachlichen Nachwuchs, wird auf dem Friedhof noch ausgebildet?

Paul: Die Ausbildung habe ich von 2003 bis 2014 hier in Öjendorf selbst geleitet. Da keine zwei Ausbildungsstandorte mehr gewünscht waren, wurde die Ausbildung in Ohlsdorf zentralisiert. Seitdem werden in Öjendorf keine Friedhofsgärtner mehr ausgebildet.

Schoenfeld: Und wie steht es mit dem Freiwilligen Jahr für Jugendliche?

Paul: Das Freiwillige ökologische Jahr hätte ich gerne auf dem Öjendorfer Friedhof begleitet, dazu ist es leider bis heute nicht gekommen. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof lassen sich allerdings auch mehr ökologische Projekte durchführen.

Schoenfeld: Bei einem Besuch des Friedhofs sind nicht viele Besucher auszumachen. Ist das schon immer so gewesen?

Paul: Ich denke, es liegt vor allem an der Lage der Grabstätten auf dem Friedhof. Die Bereiche um die Feierhallen und am Schleemer Bach sind sehr gut besucht.

Schoenfeld: Wird der Öjendorfer Friedhof von der Bevölkerung gern zur stillen Erholung genutzt? Gibt es fußläufige Verbindungen zum angrenzenden Öjendorfer Park?

Paul: Viele Besucher nutzen den Friedhof tatsächlich zur Erholung. Eine Verbindung zum Öjendorfer Park existiert nicht, worüber ich auch ganz froh bin, da sonst die Gefahr bestünde, dass der Friedhof für andere Freizeitaktivitäten genutzt werden würde.

Schoenfeld: Etwas Ungewöhnliches für einen Friedhof stellt das Schleemerbachtal dar. Bestattungsfläche und Naturerleben auf einer Fläche, wie funktioniert das?

Paul: Die Gräber passen sich sehr harmonisch in das Landschaftsbild ein. Ein Beispiel für das Gelingen ist die neue Grabstättenart "Naturgräber am Schleemerbach". Hier wird auf einer Wiesenfläche beigesetzt und das Umfeld bleibt naturbelassen.

Schoenfeld: Bemerkenswerte Grabanlagen oder Gedenkstätten geben einem Friedhof ein besonderes Gepräge. Wie verhält es sich damit auf Öjendorf, gibt es hier Gräber prominenter Hamburger?

Paul: Prominente Hamburger haben sich bisher noch nicht bei uns beisetzen lassen. Es gibt auf dem Öjendorfer Friedhof besondere Grabanlagen und Gedenkstätten, wie z.B. die italienische Ehrenanlage, die Anlage für Menschen, die ihren Körper der Medizin zur Verfügung gestellt haben und die Gedenkstätte für vietnamesische Boat-People.

Schoenfeld: Und nun noch eine Frage zum Schluss: Welcher Bereich in Ihrem Revier ist der schönste oder ausdrucksvollste auf dem Friedhof?

Paul: Das ist für mich der Teil am Schleemer Bach. Ich mag den weiten Blick über den Bachlauf zum angrenzenden Öjendorfer Park.

Schoenfeld: Herr Paul, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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