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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

"Sterben für Anfänger" – ein seelsorgerlicher Blick auf den Umgang mit dem Tod und dem Wunsch nach Umbettung von Toten

Autor/in: Birgit Berg
Ausgabe Nr. 130, III, 2015 - August 2015

"Am sichersten ist die Veränderung"

Infolge einer inzwischen selbstverständlichen Mobilität in der Gesellschaft gibt es die seelische Not, den "einen" und "richtigen" Ort für Verstorbene zu finden und "für immer" festzulegen. Viele Menschen ziehen häufiger um als früher. Familien, die dort, wo sie leben und arbeiten, auch sterben, sind eher die Ausnahme. Im städtischen Bereich findet sich eine Vielfalt von unterschiedlichen sozialen Gefügen, wie z.B. auch Patchwork-Familien.

"Der Tod ist nicht mehr Teil des Lebens"

Doch der Tod gehört zum Leben dazu. Es sterben auch die, die wir lieb haben und manchmal leider auch Kinder. Wir sind zerbrechlich! Wie Martin Luther es ausdrückte: "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden." Ps. 90, 12

"Wir üben das nicht"

Wenn uns ein naher Mensch stirbt, können wir oft kaum auf etwas zurückgreifen, was vertraut ist, was gut tun würde; vorausschauend planen ist schwer. Plötzliche und sehr schwere Verlustsituationen und Trauma bedingte Reaktionen tragen zusätzlich dazu bei, alle wichtigen Schritte zu delegieren. Man möchte alles nur schnell hinter sich bringen. Warum nicht jetzt – mitten im Leben – einmal überlegen: Wie und wohin soll es denn gehen, wenn wir sterben? Es gibt inzwischen viele Bestattungsmöglichkeiten und der anonyme Rasen ist für die noch Bleibenden meist zu wenig! Lasst uns doch Spuren hinterlassen! Schließlich haben wir ja auch einen Namen bekommen! Beteiligen wir uns jetzt, fragen wir Angehörige, äußern wir Wünsche und helfen uns damit gegenseitig.

"Den einen richtigen Ort finden"

Oft ist es ein langer Weg, bis wir fühlen, wenn wir sagen: "Ruhe in Frieden!" Und es kann sein, dass wir nach der Bestattung erst herausfinden, dass der Verstorbene einen anderen Ort gewünscht hatte, oder, dass nach einiger Zeit Lebensumstände sich so sehr ändern, dass wir gewichtige Gründe haben, einen Antrag auf Umbettung zu stellen. Doch die persönliche Würde der Toten und die Achtung der Totenruhe selbst sind ein hohes Gut und gesetzlich geschützt. Nur ein anerkannter "wichtiger Grund" kann bewirken, dass das Anliegen einer Umbettung Vorrang vor der Totenruhe bekommt. So ist es keine leichte Sache, dieses Anliegen umzusetzen. Es wird immer eine genaue Auseinandersetzung und Abwägung geben müssen, ob zwischen dem Anliegen und der rechtlichen Seite ein Ausgleich möglich ist oder nicht.

Ihr Friedhof vor Ort wird Sie gerne beraten.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Der tote Körper (August 2015).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2020).