OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Peter Jens (1932–2005) - Satirische Blätter zum Ohlsdorfer Friedhof

 - August 2014
Ausgabe: 
Nr. 126, III, 2014

Was sucht ein Zeichner auf dem Friedhof – gar ein satirischer Zeichner? Fotografen auf dem Friedhof, das kennt man.

Gibt es doch viele Fotobände mit Bildern von Gräbern, den verschiedensten Grabsteinen, den Grabfiguren, den Inschriften – alles eingebettet in die sie umgebende Natur. Was sucht und findet also der satirische Zeichner auf dem Friedhof? Nun denn, er findet Trauernde, Pfarrer oder Priester mit ihren Trauergemeinden; Gräber, offen oder zugeschüttet; Totengräber, die schon in Shakespeares Hamlet eine Rolle spielen; Sargträger; Menschen, die Gräber pflegen; Grabsteine und ihre Inschriften; Figuren, die die Grabsteine schmücken oder krönen, Figurengruppen; Symbole des Lebens und des Todes; Erinnerungsstücke usw.

Totengräber
"Der Totengräber", eine Zeicnung von Peter Jens

Und was macht der Satiriker mit alledem? Er ist zunächst einmal ein guter Beobachter, er bringt Menschen und Dinge zusammen, die oftmals nicht zusammen gehören, er findet Komik, manchmal unfreiwillige, er findet normale oder außergewöhnliche Haltungen von Menschen und macht sie durch Zuspitzung, Verdeutlichung und Vergröberung zur Karikatur.

Trauerzug
"Trauerzug", eine Zeicnung von Peter Jens

Peter Jens, dessen Zeichnungen wir im Friedhofsmuseum in einer kleinen Auswahl ausstellen, war ein satirischer Zeichner. Schon als Kind war er ein begabter Zeichner und Maler. Sein Werdegang führte ihn schließlich zum Beruf des Kunsterziehers am Albert-Schweitzer-Gymnasium hier in Hamburg, unweit des Ohlsdorfer Friedhofs gelegen. Das Zeichnen hat ihn nie losgelassen. Es sind eine ganze Reihe von Bereichen des menschlichen Lebens, der menschlichen Gesellschaft, die ihn interessiert haben. Da waren die Juristen, aber auch Krankenhaus und Friedhof, Musik, der Massentourismus des Campings, Menschlich-allzu-Menschliches und einiges mehr.

Schon 1971 konnte er eine Reihe von Zeichnungen aus dem Bereich der Juristen für ein Buch beisteuern. Es trägt den Titel "Sir A.P. Herbert’s Rechtsfälle. Juristische Phantasien". Die deutsche Ausgabe wurde von dem bekannten Hamburger Rechtslehrer und vormaligen Verfassungsrichter Konrad Zweigert herausgegeben und kommentiert. Und 1975 erschien ein Rechtsbeobachtungen genannter juristischer Kalender, gezeichnet von Peter Jens.

Peter Jens
Peter Jens in seinem Atelier. Foto: privat

Im Jahre 1964 konnte er aus Krankheitsgründen für einige Monate seinen damaligen Beruf als Grafiker nicht ausüben. Er suchte sich eine rein körperliche Tätigkeit und arbeitete in dieser Zeit auf dem Friedhof. Er hob auch Gräber aus. Dieser Tätigkeit verdanken wir die Bilder dieser Ausstellung, die wir jedoch nicht genau datieren können, weil Peter Jens nur sehr selten den gezeichneten Blättern eine Jahreszahl hinzufügte.

Grabstein
Grabstätte Dagmar und Peter Jens auf dem Ohlsdorfer Friedhof, Lage AF 9, 108-109. Foto: Be

Im November 2005 ist Peter Jens – zu früh – plötzlich an einem Herzinfarkt gestorben. Er ruht auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Grablage AF 9, 108–109.

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