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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

77 und 13

Hans-Jörg Mauss zum Abschied als 1. Vorsitzender des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. Verein für Kultur- und Denkmalpflege

Zwei Glückszahlen stehen für mich am Ende meiner Amtszeit: 77 Jahre alt und 13 Jahre Vorstand. Es war für mich eine glückliche Zeit, die mich mit Dank für all meine am gleichen Ziel Mitarbeitenden erfüllt. Ich gehe mit spürbarer Wehmut, aber mit dem Gefühl, dass es meine Pflicht ist, Jüngere in den Vorstand zu bringen, mit neuen Gedanken und Kräften. Auch will ich ja "FOF-nah" bleiben mit Führungen und Sonderaufgaben.

Ein aktiver Kulturkreis kann nicht durch eine Person geführt werden, dazu gehört ein lebensnaher Gesamtvorstand mit einem Zusatzkreis selbstloser Aktiver. Das fand sich in den 13 Jahren in vollem Maße! In Harmonie und Freundschaft haben wir etwa 150 mal zusammen gesessen, haben Pläne nicht nur besprochen, sondern meist auch in die Tat umgesetzt. Stellvertretend für viele Aktive muss ich Helmut Schoenfeld und Henning Hammond-Norden nennen, über sie möge mein Dank an die anderen gehen. Sie alle aber haben mich 2008 zum Ehrenmitglied ernannt. Das hat mich geehrt und sehr gefreut.

Dr. Hans-Jörg Mauss
Dr. Hans-Jörg Mauss bei einer Ansprache anlässlich der
125-Jahr-Feier des Friedhofs Ohlsdorf.
Foto: Peter Schulze

Jeder sieht die Welt mit seinen eigenen Augen, deshalb kann ich im Rückblick natürlich nur die Dinge erwähnen, die mich besonders beschäftigten.

Da waren die fast 200 Führungen über den einzigartigen Parkfriedhof. Für mich waren sie nie Routine, jede war ein individueller Gang, bei dem man nach einer Anlaufzeit die Gruppe an sich binden konnte. Diese Aufgabe möchte ich auch fortsetzen.

Eine Art Super-Führung waren die zehn meist mehrtägigen Exkursionen unter meiner Leitung nach Berlin, Kiel, Potsdam, Dresden, Föhr, Hannover, Weimar, Wien und zu den jüdischen Friedhöfen Hamburgs durch Dr. Studemund-Halévy. Ich hatte immer das Gefühl, mit einer "Großfamilie" unterwegs zu sein.

Wegweisend fand ich auch die Möglichkeit von Grabmalpatenschaften, die so erfolgreich neue Grabplätze in Hamburger Historie auf unserem Friedhof ermöglichte. Für meine Familie fand ich das historische Grabmal der Verlegerfamilie Dr. Menck, das Bildhauer Hammond-Norden stilgerecht restaurierte.

Johannes Brahms ist mir als Komponist, sozialer Mensch und treuer Hamburger von Jugend an ein Vorbild. Mit großem Einsatz schrieb ich Band 10 unserer Schriftenreihe "Johannes Brahms, Menschen aus seinem Hamburger Umkreis". Wiederholt führte ich speziell zu den Gräbern des Brahmskreises. Hierher gehörte auch die Restaurierung der Gräber von Caroline Brahms, Elisabeth Grund, geb. Brahms, und des Brahmsfreundes Hans von Bülow.

Zwei Großaufgaben löste unser Vorstand: 1. zusammen mit Hanse-Merkur die denkmaltreue Wiederhertellung des Grabmals Wedells und 2. zusammen mit Dr. Otto die Schaffung einer würdevollen Gedenkstätte für Otto Linne. Sieht man jetzt das neue Areal Linne, dann kann man kaum glauben, dass unser kleiner Kulturkreis eine solche große Aufgabe bewältigen konnte. Den Herren Hammond-Norden und Schoenfeld gehört besonderer Dank!

Als scheidender Vorsitzender ist es mir eine Herzensangelegenheit, der Betreuung unseres Sepulkralmuseums zu danken. Beginnend von alltäglichen Erklärungen bis zu Großausstellungen wie "Der lustige Friedhof" haben sie souverän ihre Aufgaben gelöst.

Den Sommerführungen entsprachen im Winter sechs oder sieben Vorträge über Sepulkralkultur von eigenen und auswärtigen Autoren stets auf hohem Niveau. Die Themen reichten von Trauermusiken und Friedhöfen in Namibia bis zu Bestattungsriten der Neandertaler.

Unsere Zeitschrift für Trauerkultur, jetzt Nr. 104(!), ist des Lesens und Sammelns wert. Inhaltlich wie auch im Erscheinungsbild gleicht sie einem Profi-Heft. Häufiger nehme ich auch frühere Ausgaben in die Hand, zum Nachschlagen oder einfach so zum Erinnern und Freuen.

Natürlich sehe ich manches durch die rosa-rote "Vater-Brille". Es gab auch Schwierigkeiten – aber im Gesamtbild irre ich mich nicht: wir sind schon ein toller Kulturverein, der nicht zu Unrecht in Kassel bei der Verleihung des AFD-Preises 2006 als Vorbild eines Förderkreises der Sepulkralkultur betitelt wurde.

Da ich ja weiter aktives Mitglied bleiben will, verabschiede ich mich nur als Vorsitzender und gebe dieses Amt in jüngere Hände, weil dieser Wandel wie überall im Leben eine Art Naturgesetz ist.

In herzlicher Verbundenheit, Ihr Hans-Jörg Mauss

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Musealisierung der Friedhöfe (Februar 2009).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2020).