OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Friedhöfe im Elbe-Weser-Dreieck – Eine Exkursion des Förderkreises

 - November 2008
Ausgabe: 
Nr. 103, IV, 2008

Seit langer Zeit lädt der Förderkreis seine Mitglieder und Freunde immer wieder zu Friedhofsexkursionen und -reisen ein.

Diesmal ging es am 27. September auf Anregung und unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Fischer zu einer Reihe von Friedhöfen im Elbe-Weser-Dreieck, wie das Gebiet zwischen Bremen (Weser), Hamburg (Elbe) und Cuxhaven (Mündung der Elbe in die Nordsee) genannt wird, das umgangssprachlich auch als „Nasses Dreieck” bezeichnet wird.

Schon während der Busfahrt nach Verden vermittelte Norbert Fischer den Teilnehmern Wissenswertes über die historischen Zusammenhänge dieses interessanten Landstrichs. In Verden dann wurde – noch in herbstlichen Morgennebel gehüllt – der Domfriedhof an der Bremer Straße besichtigt, der 1807 eingerichtet wurde und in einem Museumsbereich und auf einzelnen Grabstätten eine ganze Anzahl von Grabsteinen aus früheren Jahrhunderten enthält; darunter das eindrucksvolle Grabmal der Catharina Magaret Blöhten mit ihrem kleinen Sohn im Arm. Die ausführliche Inschrift unter dem Bild der Mutter mit ihrem Kind berichtet, dass sie nur neunzehn Jahre alt wurde und nach dreijähriger Ehe zusammen mit ihrem drei Tage alten Söhnchen Wilhelm verstarb. Aber nicht nur die gemeinschaftlich aufgestellten historischen Grabmale zogen die Förderkreismitglieder an, lebhaft wurden auch die dicht vor der Kapelle aufgestellten Grabmale besichtigt und fotografiert, unter denen sich das Grabmal für den 1820 gestorbenen Henrick David Scharf befand, das auf einem Sockel die interessante Plastik eines jugendlichen an einen Baumstumpf gelehnten Fackelträgers zeigt, der seine Fackel nach Art des Thanatos zu Boden gesenkt hat.

Verden
Auf dem Domfriedhof in Verden/Aller museal aufgestellte Grabstelen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Foto: Peter Schulze

Verden ist wegen eines weiteren Grabmales für die Friedhofskultur wichtig, besitzt doch die St. Andreaskirche gegenüber vom Dom eine der ältesten ziselierten Messinggrabplatten des europäischen Kontinents. Sie stammt aus der Zeit um 1220 und zeigt das Bildnis des Bischofs Yso, unter dem Verden einen großen Aufschwung erlebte.

Fischerhude
Puttenköpfe auf einer barocken Grabstele an der Kirchhofmauer in Fischerhude. Foto: Peter Schulze

Danach führte die Fahrt weiter in das bekannte Künstlerdorf Fischerhude am Rande des Teufelsmoors, wo eine frühe denkmalpflegerische Maßnahme für historische Grabmale bewundert werden konnte. Denn in die lange Mauer des neu für das Dorf eingerichteten Kirchhofes wurden schon 1859 insgesamt 39 alte Grabmale eingemauert. Sie stammen von dem Friedhof in Wilstedt, einem Nachbardorf, in den die Fischerhuder bis zur Anlage ihres eigenen Kirchhofes im Jahr 1825 ihre Toten brachten. Sie stammen größtenteils vom Ende des 18. Jahrhunderts und zeigen in ihren barocken Stelenabschlüssen gern Puttenköpfe, aber auch verschiedene auf die Verstorbenen bezogene Symbole.

Nach dem Mittagessen, das auf der Diele eines nahen Bauernhauses eingenommen wurde, das zum Gasthof umfunktioniert ist, stand als letzter Punkt der denkmalgeschützte Gartenfriedhof in Rechtenfleth auf dem Programm, für den sich der Heimatkundler Hermann Allmers (1821–1902) besonders eingesetzt hat. Er selbst ist dort in einer aufwändigen Grabstätte beigesetzt. Das Besondere an dem Friedhof ist zum einen ein kleines Torhaus, das viele Teilnehmer an das Torhaus des Friedhofs in Oldesloe erinnerte. Zum anderen enthält der Begräbnisplatz eine ganze Reihe von Grabbauten, die in der ländlichen Umgebung sehr ungewöhnlich wirken.

H. Allmers
Findling mit dem Bronze-Porträt des Heimatkundlers Hermann Allmers auf dem von ihm angelegten Gartenfriedhof in Rechtenfleth an der Weser. Foto: Peter Schulze

Alle Teilnehmer waren am Schluss von den ungewöhnlichen Exkursionszielen, den interessanten Erläuterungen und der gelungenen Organisation der Fahrt vollauf begeistert und wünschten sich eine Fortsetzung im nächsten Jahr, auf dem dann auch der Friedhof Döse in Cuxhaven und der diesmal aus Zeitgründen ausgelassene Friedhof von Imsum auf dem Programm stehen sollen.

Heft-Rubrik: 

Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.
Fuhlsbüttler Strasse 756, 22337 Hamburg
Telefon: 040 / 50 05 33 87 | E-Mail: info@fof-ohlsdorf.de
Werden Sie Mitglied oder unterstützen Sie uns durch eine Spende.

© Stero Webservice www.stero.de