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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Muss der Tod ein Wiener sein?

"Der Tod muss ein Wiener sein – oder die schöne Leich", so lautete das Thema der Lesung von Julius Müller, eines lebenssprühenden Wieners, der in Hamburg zu Gast beim Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof weilte und am 23. Mai 2007 Besuchermassen in das Alte Krematorium zog.

Geschätzt mögen es wohl annähernd 250 Zuhörer gewesen sein. Seine Lesung war ein Teil des Hamburgprogramms, das der Vorstand unseres Vereins als Dankeschön für seine Betreuung auf unserer Wienfahrt vor einem Jahr (s. Ausgabe Nr. 95, Seiten 31-35) für ihn ausrichtete. Von der Ankunft bis zur Abfahrt schien für Julius Müller in Hamburg die Sonne. Am Vortag führte Helmut Schoenfeld unseren Besuch über die Weiten des Ohlsdorfer Friedhofs, die so ganz anders sind als die des Centralfriedhofs in Wien. Julius Müller kam aus dem Staunen nicht wieder heraus, zumal die Rhododendronblüte den besten Rahmen für einen optimalen Gesamteindruck hergab. Nach der ausgedehnten Friedhofsführung folgte dann abends beim Grillen ein intensiver fachlicher und persönlicher Gedankenaustausch mit dem Vorstand auf der Terrasse im Haus Reembroden in Hummelsbüttel.

Julius Müller war in leitender Position im staatlichen Betrieb Bestattung Wien GmbH tätig und hat das weltweit bekannte Bestattungsmuseum wesentlich mit aufgebaut. Den dabei gewonnenen Erfahrungsschatz hat er in seinem Anekdotenbüchlein "Man stirbt nur einmal, heitere Geschichten übers Grab hinaus mit einem Alphabet der letzten Dinge" einfließen lassen.

Julius Müller
Der Wiener Autor Julius Müller bei der Lesung im Alten Krematorium an der Alsterdorfer Straße (Foto: Mauss)

Frei gesprochen oder kurz daraus vorgelesen sprudelten ihm lustige, besinnliche, aber auch philosophische Schilderungen über die Lippen. Und das alles in reinster wienerischer Mundart. Es war eine Wonne, diesem Redner 90 Minuten lang zuzuhören. Er ist eine Art Urschauspieler, dem die Rednergabe mit in die Wiege gelegt wurde.

Unsere Erwartungen für diese Veranstaltung wurden mehr als erfüllt. Dank unserer Mitglieder, dem Bestattungsinstitut GBI und der Friedhofsverwaltung Ohlsdorf, die für Getränke, Sitzgelegenheiten und Tontechnik sorgten, war der äußere Rahmen unserer Veranstaltung äußerst optimal. Die Räumlichkeiten wurden uns von der Nordbau GmbH kostenlos zur Verfügung gestellt, da der Förderkreis sich in früheren Jahren bekannterweise intensiv um die Erhaltung des Alten Krematoriums gekümmert hat. Der Erlös des Abends von fast 1.000 Euro kommt unserem Vorhaben "Linnedenkmal" zugute.

Julius Müller und Dr. Christine Behrens
Autor Julius Müller aus Wien mit Dr. Christine Behrens vom Vorstand des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. (Foto: Mauss)

Am Tag nach der Lesung wurde Herrn Müller eine weitere schöne Seite von Hamburg zur Ansicht geboten. Es waren der Jungfernstieg und der Hafen. Vier Stunden lang zeigte Henning Hammond-Norden vom Wasser aus sachkundig auch die entlegendsten und kaum bekannten Winkel. Abends, passend zum Bootserlebnis ging es dann in die Oper zu Wagners "Fliegendem Holländer". Am Abflugtag endete das Programm mit einem heftigen Gewitter, die Wienzeit – Hamburgzeit war zu Ende, aber den Kontakt werden wir auch in Zukunft halten.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Kapellen in Ohlsdorf Orte des Abschieds (August 2007).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2020).