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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Unsere Dresden-Exkursion vom 24. bis 26. September 1999

In Fortsetzung der jährlichen Exkursionen zu bedeutenden deutschen Friedhöfen war unser diesjähriges Ziel die sächsische Hauptstadt.

Frau Dipl.-Ing. Simone Meinel vom Evangelisch-lutherischen Landeskirchamt in Sachsen hatte die fachkundige dreitägige Führung übernommen und, wie sich zeigte, zu einem vollen Erfolg geführt. Mit ihrem breitgefächerten kunst- und stadtgeschichtlichen Wissen führte sie uns zu verborgenen Juwelen dieser so kunstreichen Stadt - mit frischem Elan, energisch und mit viel Humor, immer bereit, Auskünfte zu erteilen und scheinbar ohne Ermüdung.

Wie gut für uns, denn unser Busunternehmen versagte dagegen sehr, blieben wir als Tiefpunkt doch bei der Rückfahrt kurz vor Hamburg bei strömendem Regen mit dem Bus auf der Autobahn liegen und krochen mit ihm nach Notreparatur bis zum S-Bahnhof Reinbek. Von dort aus fuhren uns Taxen rasch nach Hause.

Dennoch: Die Führung in der spätsommerlichen Abendsonne über den barock-klassizistischen Elias-Friedhof war faszinierend, einmalig als Zeit-Ensemble, aber auch als Stimmungserlebnis. Danach dann in die Dreikönigskirche, deren Totentanz von 1534 in barocker Manier ebenfalls tief beeindruckte. Nach freiem vormittaglichen Stadtbummel am 25. September ging es dann nach Dresden-Hellerau, einem Vorort aus der Zeit der Gartenstadtbewegung, mit seinem nun nicht mehr vorhandenen, aber in den zwanziger Jahren wegweisenden Möbelbau der Deutschen Werkstätten, spätnachmittags zum Trinitatsfriedhof mit den Gräbern von Caspar David Friedrichs und Carl Gustav Carus.

Der folgende Sonntagvormittag führt nach Dresden-Tolkewitz zum Krematorium und den umgebenden Urnenhain. Im Rahmen der Reformbewegungen Anfang des 20. Jh. setzte sich die Feuerbestattung immer mehr durch. Fritz Schumacher, der später nach Hamburg ging, arbeitete hier im besonders reformfreudigen Dresden noch ganz im Jugendstil, weshalb sein Krematoriumsbau von 1906 im Gegensatz zu seinem späteren Hamburger Bau von 1933 noch in einem gekonnten Jugendstil geschaffen wurde. Um ihn gruppiert sich der Urnenhain aus der gleichen Zeit, hier stehen ausschließlich Urnengrabmale.

Trotz der technischen Pannen, war die Dresdenexkursion für unseren Förderkreis ein großer kultureller und menschlicher Erfolg, den wir vorwiegen Frau Meinel zu danken haben. Im Millenniumsjahr 2000 soll die Insel-Exkursion nach Föhr mit ihren "redenden Steinen" hoffentlich ähnlich erfolgreich werden.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Friedhof und Grabmal in Kunst und Literatur (Februar 2000).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2019).