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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

„Hier ruht unser bester Freund“ - Über Tierfriedhöfe in Hamburg und Umgebung

Tierliebe endet nicht notgedrungen mit dem Tod eines Haustiers. Aus dem plötzlichen Verlust des seinem Herrn langjährig treuen Hundes oder einer geliebten Schmusekatze resultiert für viele Menschen tiefe Trauer und das Bedürfnis der Trauerarbeit, gerade so, als wäre ein naher Verwandter gestorben.

In Alternative zur pietätlosen Tierkörperbeseitigung bieten mehrere Haustierfriedhöfe in und um die Stadt Hamburg den Tierfreunden die Möglichkeit, ihre verstorbenen Haustiere würdevoll in einem Grab beizusetzen.

Im Stadtteil Hamburg-Jenfeld, Barsbütteler Straße 69, findet man den von den Zwillingsbrüdern Hartmut und Sigward Terzenbach im Jahre 1997 gegründeten privaten Haustierfriedhof. Zu dessen Angebot gehören Erdbestattungen, anonym und in Reihengrabstätten unterschiedlicher Größe sowie auch Kremierungen in einem anerkannten Kleintierkrematorium. Die Ruhezeit in den Reihengrabstätten beträgt in der Regel fünf Jahre und kann anschließend verlängert werden. Zirka tausend Tiere wurden seit der Einweihung des Friedhofs auf dem 12000 Quadratmeter großen Gelände beerdigt, nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen und Rennmäuse.

Obelisk
Eingang zum Haustierfriedhof (Foto: Schulze)

Die Reihengrabstätten haben Abmessungen von 60 x 50 cm, 80 x 60 cm oder 110 x 70 cm, zumeist umgrenzt durch einen rechteckigen Kunststeinrahmen, den die Brüder Terzenbach auf Wunsch bereitstellen. Die Grabstellen werden von den Trauernden sehr individuell und liebevoll gepflegt und zum großen Teil ausgestattet mit Grabsteinen aus Marmor oder Granit sowie allem, was die Zunft der Blumenbinder und Floristen zu bieten hat. Auffallend sind die zahlreichen Grablichter, teils traditionell mit Wachs- oder Ölkerzen bestückt, in zunehmendem Maße aber auch mit High-Tech-Leuchten, die sich tagsüber mittels Solarpanel am Sonnenlicht aufladen und nach Einbruch der Dämmerung automatisch elektrisches Licht ausstrahlen. Für die anonym bestatteten Tiere können Blumen, Grablichter und Abschiedsbriefe unter einem großen schwarzen Obelisken im Eingangsbereich niedergelegt werden. Davon wird an besonderen Gedenktagen oder hohen Feiertagen wie Weihnachten reger Gebrauch gemacht. Hier beim Eingang findet der Friedhofsbesucher auch ein farbiges Faltblatt mit dem vollständigen Dienstleistungsangebot des Haustierfriedhofs, und am Informationsaushang bietet Frater Rafael Meckbach, ein freischaffender Seelsorger orthodoxen Glaubens, „Christliche Beerdigungen für Hunde und Katzen als Freunde des Menschen“ an.

Nicht mehr direkt in Hamburg, sondern einige Kilometer nördlich der Stadt auf schleswig-holsteinischem Gebiet liegt, umgeben von Wiesen und Wäldern, der vom Hamburger Tierschutzverein empfohlene Tierfriedhof Nord am Wilstedter Weg 133 in Norderstedt. Den Nachteil der weiten Entfernung vom Hamburger Stadtzentrum und von allen U- und S-Bahnstationen kompensieren die Betreiber dieses Friedhofs mit dem Angebot der Abholung des verstorbenen Tieres und der Betroffenen mit einem eigenen Firmenbus. Zu den Vorzügen der 18000 Quadratmeter großen Anlage gehört ohne Zweifel das ausgesprochen gepflegte Erscheinungsbild mit wohlgeschorenen Rasenflächen und sorgfältig gestutzten Hecken, ein wirklicher Parkfriedhof für Tiere.

TierfrdhNord
Eingangsbereich Tierfriedhof Nord (Foto: Schulze)

Die meisten Einzelgräber haben hier die Standardgröße von 70 x 90 cm, auf Wunsch gibt es aber auch größere Grabstellen. Laut Friedhofsordnung sind die Grabumrandungen und die Grabsteine ausschließlich über die Friedhofsverwaltung zu beziehen. Das wird Betroffenen mit etwas ausgefalleneren Gestaltungswünschen sowie den nicht zum Zuge kommenden Steinmetzen sicher weniger gefallen. Trost spendend für die hinterbliebenen Tierhalter hängen in einem Schaukasten am Friedhofseingang einige Zettel mit Zitaten von prominenten Leidtragenden, wie zum Beispiel dieser von dem englischen Dichter Lord Byron (1788-1824) stammende Grabspruch:

„Hier ruhen die Gebeine von einem,
der Schönheit besaß ohne Eitelkeit,
Stärke ohne Unverschämtheit,
Mut ohne Grausamkeit und
alle Tugenden des Menschen ohne seine Laster.“

Neben den beiden oben erwähnten Tierfriedhöfen empfehlen sich im Branchenverzeichnis des Hamburger Telefonbuchs noch zwei weitere Adressen für Tierbestattungen: der Kleintierfriedhof Schleswig-Holstein-Hamburg, Wittmoorweg 1 in 25488 Holm und der Norddeutsche Haustierfriedhof G. Howe am Birkenhof 6 in 24644 Timmaspe.

Im Archiv des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. lassen sich Hinweise auf frühere, inzwischen geräumte Tierfriedhöfe finden: So gab es in den 1950er-Jahren bereits einen Hundefriedhof in Hamburg-Groß-Borstel an der Alsterkrugchaussee, Ecke Hindenburgstraße. Er wurde vermutlich in den 1970er-Jahren im Rahmen der Straßenverbreiterung der Alsterkrugchaussee geschlossen.

Hundefriedhof
Ehemaliger Hundefriedhof Alsterkrugchaussee (Foto: Archiv)

Über einen illegal angelegten Hundefriedhof am Rande des Wandsbeker Gehölzes berichtete das Hamburger Abendblatt in der Ausgabe vom 5. Januar 1993: Seit den 1980er-Jahren hatten Wandsbeker Bürger hier ohne Genehmigung der Behörden in dicht bei dicht liegenden, mit Feldsteinen umrandeten, rechteckigen Feldern ihre verstorbenen Hunde in einer öffentlichen Grünanlage begraben. Die meisten Tierfreunde und Parkbesucher störte das nicht, wohl aber das Bezirksamt in Wandsbek. Es sorgte für die Räumung der illegalen Begräbnisstätte.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Tier und Tod (Februar 2005).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2019).