OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Die Ehrenamtlichen: Eine Hilfe für Friedhofsverwaltungen?

 - August 2004
Ausgabe: 
Nr. 86, III, 2004

Als der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. vor fünfzehn Jahren gegründet wurde, stand er in Deutschland noch ziemlich allein auf weiter Flur.

Damals gab man sich zwar feste Ziele und sammelte neue Ideen zum Umgang mit Friedhofs- und Trauerkultur, aber eigentlich wusste noch niemand, wohin diese Aktivitäten im Endeffekt einmal führen würden. Inzwischen hat sich die Lage deutlich verändert. Überall in Deutschland (und auch in den Nachbarländern) haben sich ähnliche ehrenamtliche Freundeskreise gegründet und es gibt einen internationalen Verband der wichtigsten historischen Friedhöfe in Europa, der von der EU gefördert wird (ASCE mit Sitz in Bologna).

Was also können Freundeskreise leisten und wovon sollten sie lieber die Finger lassen? Darauf gibt es natürlich keine eindeutige Antwort, denn in jeder Stadt liegen die Verhältnisse anders, engagieren sich unterschiedliche Menschen privat für die Erhaltung und Pflege ihrer Friedhöfe, interessieren sich die Angestellten in den Verwaltungen mehr oder weniger intensiv für die Kultur, die ihnen anvertraut ist. Man fragt also besser danach, was die Förderkreise inzwischen fast selbstverständlich tun.

Die Antwort lautet: Sie setzen sich in erster Linie durch eine aktive Öffentlichkeitsarbeit für die Erhaltung des von ihnen betreuten sepulkralen Kulturerbes ein. Das heißt, sie veranstalten Führungen, Vorträge, Lesungen, Musikreihen und Ausstellungen, geben Pressemitteilungen, Broschüren, Zeitschriften und Bücher heraus, richten Stände auf Messen und bei Veranstaltungen ein und besetzen sie mehrere Tage lang und können sogar das Personal für eine regelmäßige Museumsbetreuung stellen. Damit leisten sie eine nicht zu unterschätzende Aufklärungsarbeit, durch die sie ihren Friedhof aus dem Abseits in das Licht der öffentlichen Wahrnehmung holen. Solche Aktivitäten können allerdings leicht zu Kollisionen mit den Verwaltungen führen, wenn diese ihr Licht selbst nicht unter den Scheffel stellen wollen. Deswegen ist es für beide Teile unumgänglich jede einzelne Idee im Vorfeld miteinander zu besprechen und die Ausführung zu koordinieren.

Dadurch, dass ehrenamtlich geführte Vereine als gemeinnützig anerkannt sind, wird es ihnen zudem erleichtert, Spenden für ihren Zweck zu sammeln und einzusetzen. Im Bereich des Sponsoring liegen viele, oft noch unausgeschöpfte Möglichkeiten. Es kommt dabei darauf an, den Menschen mit attraktiven Ideen Mut zu machen sich auch für – angeblich so abseitige, aber doch jeden betreffende – Themen wie Friedhof und Trauer, Sterben und Tod, Grabmal und Erinnerungskultur einzusetzen. Förderkreise können sich besonders für die Erhaltung bedrohter Erinnerungsmale einsetzen und haben darin schon gewaltige Arbeit geleistet, wie zum Beispiel bei der Einführung von Grabmalpatenschaften, die inzwischen auf vielen Friedhöfen angeboten werden, oder bei der Restaurierung von Denkmalen aus Sponsorenmitteln.

Oft sind die historischen Grundlagen der Friedhofs- und Grabmalgeschichte vor Ort nicht gründlich erforscht. Dann leisten Ehrenamtliche einen wichtigen Beitrag dazu, einzelne Aspekte abzuklären, Inventarisationen durchzuführen, Archivmaterial und Literatur zu sammeln. Schwierig wird es an dieser Stelle, wenn Laien ohne Vorkenntnisse arbeiten, so dass ihre Ergebnisse von anderer Seite nicht weiter zu benutzen sind. Hier müssen Ehrenamtliche darauf achten, sich fachliches Wissen von kunsthistorischer und denkmalpflegerischer Seite einzuholen. Verwaltungen können sie darin unterstützen und so für sich selbst wichtiges Grundlagenmaterial erschließen, ohne in diese Arbeit extra investieren zu müssen. Gut geführte Fototheken, Inventare und Archivsammlungen bilden eine unbezahlbare Quelle für jegliche Art von Öffentlichkeitsarbeit.

Ein weiteres Feld können Förderkreise sich erschließen, wenn sie nicht nur die Friedhofskultur, sondern auch die Trauer in ihren ehrenamtlichen Aufgabenkreis herein nehmen. Die Begleitung von Angehörigen zu ihren Gräbern, die Bildung von Selbsthilfegruppen, die Beratung über Bestattungsmöglichkeiten, Grabarten und Grabmalgestaltung sind wichtige Aufgaben, die von neutraler Seite übernommen werden sollten. Allerdings kann es dabei leicht zu Konflikten kommen, da hier die wirtschaftlichen Interessen zahlreicher Gewerbe und auch der Friedhofsverwaltungen selbst mit ins Spiel kommen.

Diese kurze Aufzählung beansprucht natürlich keinerlei Vollständigkeit und kann nur einen Überblick über die vielfältigen Aufgaben geben, die sich Freundeskreisen auf historischen Friedhöfen stellen. Aber schon daran ist zu erkennen, dass diese Vereinigungen und damit auch der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. einen wichtigen Bereich abdecken, der ohne sie brach liegen würde. (PS: Die Autorin würde es begrüßen, wenn Friedhofsvereine von Aktivitäten berichten, die über die hier genannten hinausgehen.)

Heft-Rubrik: 

Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.
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Telefon: 040 / 50 05 33 87 | E-Mail: info@fof-ohlsdorf.de
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